Leipzig – Würzburg mit Fahrrad

Auenhain

Ich bin mir nicht sicher wie gut mein Zelt noch funktioniert, nach dem ein Hund Teile des Vorzelts weggekaut hatte, es eher provisorisch repariert wurde, es sehr schmutzig war, ich es eher erfolglos im Wollwaschgang gewaschen hatte…also, ein Test ist nötig. Das gleiche gilt für ein Faltrad von Decathlon, das ich vor einiger Zeit mit dem Gedanken an eine kombinierte Fahrrad- Öffi Reise gekauft und doch nicht benutzt hatte.

Dazu kommt, dass ich gerade nach Süddeutschland möchte, meine Mutter besuchen. Damit ist der Plan fast klar: die ganze Strecke schaffe ich in der vorhandenen Zeit nicht, aber ein Teil geht schon. Ich packe meinen Krempel in die Fahrradtaschen (2*20l und damit mehr als für das Faltrad empfohlen) und wuchte alles in den Zug nach Leipzig (dorthin bin ich schonmal geradelt). Klappt erstmal gut. Ein bisschen unzufrieden bin ich nur mit der Hülle, die Decathlon zum Rad verkauft hat – zu schwer, nicht besonders praktisch.

Die großen Fahrradtaschen passen an den Gepäckträger des Faltrads, für mich jedenfalls. Der Catch; ich habe Schuhgröße 37 und die Taschen hängen ganz hinten am Gepäckträger. Wer größere Füße hat, stößt an den Taschen an.

In Leipzig wühle ich mich erstmal durch Verkehr und Fußgängerzone, dann durch ein Fest am Völkerschlachtdenkmal, bevor ich außerhalb der Stadt (Markkleeberg) auf einem Campingplatz lande. Nett, klein, nur wenige Gäste da., außer mir alle mit Campern.

Mein Zelt ist trotz mehrfachem Abwischen und Waschmaschine noch immer sandig, wirkt aber sonst erstmal OK.

Auenhain – kurz vor Jena

90 km, 520 Hm

Von Anfang an fahre ich fast nur Radwanderwege entlang, natürlich mit kurzen Unterbrechungen. Es beginnt mit einem Weg an ehemaligen Tagebauen, geht weiter mit dem Elster- Radweg, dem Saale- Radweg und schließlich einem „Erneuerbare-Energien-Radweg‘, alles von Komoot zusammengebastelt, alles mit glatt Asphalt. Ja, auch mit bepacktem Faltrad fahrbar.

Wie das in Deutschland so ist, jagt auch eine Burg oder ein Schloss das nächste. Eine erste Pause gibt es an der Burgruine Groitzsch, essen möchte ich eigentlich in Zeitz. Aber das Schloßrestaurant ist ausgebucht, das Eiscafé, das Google verspricht, gibt es nicht und so wird es nur eine schlechte Pizza in einer kleinen Kneipe (die Speisekarte enthält so interessante Dinge wie Gyros-Pizza).

Am späten Nachmittag schlage ich mein Zelt auf einem Campingplatz kurz vor Jena auf. Wieder gibt es außer mir eigentlich nur Wohnwagen. Außerdem werden die Camper auch immer älter. Immerhin zwei Leute sehe ich, die mit Auto zum Waschhaus fahren und dort erstmal den Rollator ausladen.

Jena – Naturcamping Meyergrund

90 km, 910 Hm

Durch Jena fahre ich gleich morgens durch, danach hügelt sich die Strecke durch den Thüringer Wald und längere Zeit die Ilm entlang bis hinter Ilmenau. Alles sehr hübsch und glücklicherweise ohne allzu starke Steigungen. Das Faltrad hat 7 Gänge, aber die Spreizung ist nicht toll, wenn die Steigungen zu steil werden. Da das Gepäck ganz hinten befestigt ist, droht das Rad manchmal auch vorn abzuheben.

Schon seit gestern bin ich auf verzweifelter Suche nach einem Eisbecher. Radtouren in Deutschland funktionieren nur in Verbindung mit Eisbechern. Aber das Eiscafé, das Google in Zeitz zeigt, gibt es nicht. In Jena gibt es ein Café, aber als ich dort vorbeikommen, ist es erst 9 Uhr morgens und das Café geschlossen – die Nachfrage nach Eis zum Frühstück scheint zu klein zu sein. Die nächsten Orte: Montag Ruhetag, Montag und Dienstag Ruhetag. Nachmittags endlich komme ich nach Ilmenau und endlich, endlich zu meinem Eisbecher mit viel Sahne.

Ein paar Kilometer weiter bin ich dann auch am Ziel für heute, dem „Naturcampingplatz Meyerhof“ im Thüringer Wald. An der Rezeption ist niemand mehr, aber ein Aushang sagt, man möge sich einen Platz aussuchen und sich morgens anmelden.

Auch dieser Platz ist voller Dauercamper und Wohnmobile,es sind aber nur wenige Menschen da. Der Platz liegt im Wald in einpaarhundert Meter Höhe und an einem Bach und scheint ein Kälteloch zu sein – schon am Abend, als es dunkel wird, ist es ziemlich kalt.

Ilmenau – Neustadt an der Saale

80 km, 600 Hm

Wie sich am Abend schon angekündigt hat, die Nacht ist kalt. Irgendwann ziehe ich das Schlafsackinlett, mit dem ich die Isomatte bezogen habe, ab, schlüpfe hinein und schließe zum ersten mal seit langem den Schlafsack. Morgens wische ich dann nicht Kondenswasser vom Zelt, sondern krümle Eis herunter.

Dann führt der Weg erstmal nach oben – irgendwann müssen im Thüringer Wald ja auch die Anstiege kommen. Die Strecke ist hier auch nicht asphaltiert, aber Komoot hat mir immerhin einen gut befahrbaren Wirtschaftsweg ausgesucht. Die negative Überraschung ist dann der Weg vom Berg hinunter: Ich schiebe zuerst rutschige Schotterwege, dann einen steilen Pfad hinunter. Unterwegs begegnet mir ein Schweizer Paar, das seine E-bikes ebenso stöhnend bergauf schiebt. Kurz gesagt: kein typischer Radweg.

Danach komme ich gut vorwärts, die Radwege sind wieder gut und tendenziell geht es leicht bergab. Wie schon gestern kaufe ich mir zum Mittagessen ein paar Snacks in einem Supermarkt. Heute finde ich zum richtigen Zeitpunkt leider nur Norma und so gibt es eben Pizzabrötchen statt Butterbrezeln (schade!)

Am Abend gibt es heute leider keinen Campingplatz für mich. Weit und breit nur Stellplätze für Wohnmobile. Ich habe keine Lust, wild zu campen und ehrlich gesagt, es scheint auch schwierig, einen Platz zu finden. Zu viele Dörfer, zu viele Felder, zu wenig Möglichkeit, sich unauffällig hinzustellen. In Neustadt finde ich auch kein Zimmer. Etwas außerhalb immerhin klappt es, ich bekomme noch ein schönes Zimmer mit gutem Frühstück und gesprächiger ukrainischer Bewirtschaftung, wenn ich auch das zu teure Familienzimmer nehmen muss.

Neustadt an der Saale – Würzburg

83 km, 490 Hm

Heute gibt es keine Trampelpfade und keine starken Steigungen, die angeblich fast 500 Höhenmeter fahren sich gut. Durch die feste Unterkunft komme ich auch etwas früher los als sonst – obwohl ich mir beim Frühstück durchaus Zeit lasse.

Damit bin ich am Nachmittag in Würzburg, bekomme den notwendigen Eisbecher und sitze gegen halb 4 nachmittags im Zug zu meinem endgültigen Ziel, Pforzheim. Das ist viel früher, als ursprünglich geplant und sehr angenehm, so kann ich auch die letzten Meter am Ziel noch mit dem Rad zurücklegen und mich – klar – hungrig an den gedeckten Tisch setzen.

19.12.2018 Hitzacker – Lüneburg

etwa 50 km

Der Sonnenaufgang am Morgen ist sensationell. Danach spielt das Wetter leider nicht mehr mit: am Morgen liegt Rauhreif auf der Straße, es ist ziemlich glatt und ausgerechnet hier gibt es im völlig flachen Niedersachsen ein paar Hügel. Und dann ist der Sonnenaufgang wirklich das einzige, das heute von der Sonne zu sehen ist. Es ist grau, nieselt, die Luft ist feucht und kühl. Bei schönem Wetter hätte ich die Tour vielleicht nach Hamburg verlängert, aber so… Lüneburg ist auch hübsch.

Wieder eine Hansestadt, eine sehr hübsche mittelalterliche Altstadt, jede Menge Fachwerkhäuser, jede Menge Backstein, im Internet ist auch von mehreren Weihnachtsmärkten die Rede. Stimmt auch, sie sind durchweg relativ klein, man stolpert bei einem kleinen Spaziergang durch die Altstadt über fast alle. Ich trinke Glühwein, esse Bratwurst, finde sonst nichts weiter Interessantes zu kaufen, setze mich in ein Café und sehe mir schlussendlich noch das Salzmuseum an. Es ist im ehemaligen Salinengebäude untergebracht, zusammen mit einem Supermarkt. Es ist nett aufbereitet, ein paar interessante Informationen stehen auf großen Schautafeln, über den Handel mit Salz im Mittelalter und das Aufkommen von Raffinadesalz.

Am Nachmittag dann schiebe ich mein Rad einmal wieder in den Zug: mein kleiner Vorweihnachtsausflug ist zu Ende.

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18.12.2018 Havelberg -Hitzacker

104 km

Hamburg, Lübeck, Bremen, Rostock, Wismar… eine Reihe großer Hansestädte kennt man ja. Dass Havelberg auch zum Club gehört, fiel mir erst im letzte Sommer auf. Aber Hansestadt Werben? Oder Seehausen? Nie gehört. Werben wirkt tatsächlich eher wie ein größeres Dorf mit überdimensionierter Backsteinkirche, Stadttor und vielen hübschen Fachwerkhäusern. Dafür gibt es nicht einmal einen Bäcker, lediglich einen Discounter am Ortsrand. Seehausen ist ein bisschen größer, auch hier eine riesige, alte Kirche, außerdem ein paar weitere Sehenswürdigkeiten.

Immer wieder fahre ich heute an der Elbe entlang, dann entferne ich mich wieder vom Fluss, wenn ich damit die Strecke verkürzen kann.

Von Sachsen-Anhalt geht es nach Lüchow-Dannenberg, alles sieht etwas wohlhabender aus, die alten Häuser sind saniert, kaum eins steht leer und überall haben Leute anti-Endlager-Kreuze aufgestellt.

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Die Strecke heute ist gut 100km lang und tatsächlich schaffe ich sie nicht bei Tageslicht. Ein ganz kleiner heller Streifen ist vielleicht noch am Horizont zu sehen  als ich in Hitzacker ankomme. Nun ja,  länger sollte die Strecke um diese Jahreszeit  nicht werden.

17.12.2018 Nauen – Havelberg

Nauen-Havelberg, 80km

Ein paar freie Tage, es ist zwar grau, regnet aber nicht.  Also los.

Nach einer Tour durch Armenien und den Iran kann man sich über die Anzahl der Radweg ein Brandenburg und Sachsen-Anhalt nicht beschweren. Höchstens über die Qualität mancher Betonplattenwege. Und über den Sand  durch den man an und zu schiebt. Alles in allem aber komme ich gut voran, zwischen Nauen und Havelberg. Natürlich komme ich durch einige Dörfer  aber in keinem drängt sich ein Restaurant auf. Es ist Montag, wer nicht sowieso an Winter – Wochentagen geschlossen hat, hat zumindest montags Ruhetag. Die Temperatur liegt so um den Gefrierpunkt  auf vielen Wasserflächen schwimmt eine dünne Eisschicht. Trotzdem geht es auch ohne Café: ich habe heißen Tee und Stullen dabei und ich halte die Pausen eben einigermaßen kurz. Problempunkte sind nur die Nase, die in der kalten Luft pausenlos läuft und die Füße, die trotz der Winterstiefel und der Wollsocken kalt werden.

Zum Ausgleich habe ich in Havelberg ein Zimmer in einem Hotel mit Sauna und gutem Restaurant gebucht – das Arthotel am Kiebitzberg.

Havelberg ist überhaupt ein hübsches Städtchen, alte Hansestadt, Backsteindom, viele schöne alte Häuser. Im Sommer gibt es vermutlich ein paar Touristen, Wasserwanderer, die über die Havel kommen. Heute wirkt die Stadt schon kurz nach 5 ziemlich tot. Viele Geschäfte haben geschlossen, Restaurants sowieso und Menschen sieht man kaum auf der Straße.

 

Winterradtour

Drei Tage Spreeradweg von der Quelle bis Cottbus im Winter

imag036718.-21.12.2016 Spreeradweg von Ebersbach nach Cottbus

Nach vielen Frühjahrs-, Sommer- und Herbsttouren bin ich zum ersten Mal im Winter unterwegs. Geschneit hat es noch nicht, die Temperaturen liegen tagsüber um den Gefriepunkt. Abgesehen von kalten Zehenspitzen sind es ein paar schöne Tage. Das Wichtigste:

  • Natürlich ist der Spreeradweg perfekt ausgeschildert und führt auf sehr wenig befahrenen Straßen, meistens auf Radwegen entlang. Kein Grund, sich nicht gelegentlich zu verfahren. Es gibt so viele Radwege, dass man schon mal den Überblick verliert. Zu Beginn, an der Quelle ist der Weg etwas hügelig, danach geht es flach weiter.
  • Es lohnt sich, im Schuhschrank zu schauen, ob es außer diesen dünnen Halbschuhen noch etwas anderes gibt, das man an die Füße ziehen kann. In meinem Fall hätte das die Entwicklung meiner Zehen zu kleinen Eisklumpen verhindert.

  • Regen im Sommer kann ja schon unangenehm sein, aber das ist nichts gegen einen halben Tag im Regen knapp über dem Gefrierpunkt. Schnell trocknende Klamotten sind eine gute Idee.

  • Umso schöner, wenn am nächsten Tag die Sonne scheint.

  • Und ja, früh aufstehen ist eine gute Idee, wenn es schon um 4 dunkel wird.

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