R1 Frankfurt/Oder nach Osten – erster Teil 2017

Strecke 120 km, inklusive der 5 km zum Bahnhof am Morgen

Sonne, Wind und nicht ganz 10 °C

Unterkunft: Pension Roma in Pszczew, sehr zu empfehlen.

Ein Feiertag am 31.10. und ein Brückentag am Montag bringen mir vier freie Tage am Stück, die ich  für eine Radtour nach Osten nutzen will, den R1 entlang ab Küstrin an der polnischen Grenze. Ich scheitere, bevor es los geht. Erst bringt mich die Bahn nicht wie geplant an die polnische Grenze (Schienenersatzverkehr!), dann gibt es Sturm. Von den geplanten vier Tagen bleiben nur zwei.  Und die beginne ich nicht in Küstrin (wie gesagt: Schienenersatzverkehr!), sondern in Frankfurt/Oder.IMG_20171030_075837

Der Weg ab Frankfurt beschert mir auf den ersten 30km eine stark befahrene Landstraße, ein LKW jagt den nächsten, bis ich in Osno Lubuskie auf den Radweg (R1) treffe. Von hier an wird es ruhiger, der Weg ist fast perfekt ausgeschildert, hat nur geringe Steigungen und Gefälle, dafür zahlreiche unspektakuläre, aber hübsch hergerichtet Orte auf der Strecke. Überall gibt es Wegweiser und Schilder mit Erklärungen für Touristen. Und ich stelle fest, dass ich einmal wieder auf dem Jakobsweg bin. IMG_20171030_155542.jpg

Was es hinter Osno Lubuskie nicht mehr gibt, sind geöffnete Cafés und Restaurants. Selbst in einem Ort mit immerhin vier oder fünf Restaurants sind heute alle geschlossen. Und bei einstelligen Temperaturen kombiniert mit immer noch starkem Wind (manchmal von hinten!) sind Pausen draußen zwangsläufig eher kurz. Erst in Miedzyrzecz gibt es neben einer alten Burg auch ein geöffnete vietnamesisches Restaurant.  Das Essen ist spektakulär schlecht, ich bestelle aus Versehen Tomatensaft anstelle von Apfelsaft, aber immerhin ist es warm und ich kann mich um ein Zimmer für die Nacht kümmern.IMG_20171030_155606.jpg

Dann geht es weiter, die letzten Kilometer. Als ich in Pszczew ankomme, ist die Sonne schon untergegangen, Herbst eben. Ich habe mich meiner Wirtin erst etwas später angekündigt, also sehe ich erst noch die örtliche Kirche an und bekomme einen halben Gottesdienst mit, bevor ich in einer sehr schönen Pension mit sehr netter Wirtin lande. Sie spricht perfekt deutsch, wundert sich über mein Rad in dieser Jahreszeit und macht mir erst einen Tee, dann einen Pfannkuchen.

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Pszcz – Krzyz

70 km, Sonne-Wolken Mix, ca 8°C

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Es wäre keine gute Idee gewesen, gestern noch im Dunkeln weiter zu fahren. Bald hinter Pszczew kommen einige km Sand-Schlammpiste. Sie ist feucht und deshalb einigermaßen befahrbar, aber an einigen Stellen sind Riesenpfützen zu durchqueren, an anderen hätte man sich im Dunkeln leicht auf die Nase legen können. Als die Strecke überstanden ist, folgt eine endlose schnurgerade Landstraße, 27 km geradeaus, bevor es endlich wieder ein bisschen abwechslungsreicher wird. Große Feuchtgebiete gibt es, Wälder, Seen.

Ich bin morgens früh losgefahren, viel Gelegenheit für lange Pausen gibt es auch heute nicht. Also bin ich gegen 13 Uhr in Krzyz, ein kurzer Blick auf den Bahnfahrplan sagt mir, dass es nur schwieriger wird, nach Hause zu kommen, wenn ich noch weiter fahre.

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Der Bahnhof hat einen einzigen Fahkartenschalter mit langer Schlange davor. Als ich endlich an der Reihe bin, eröffnet mir die Verkäuferin, dass sie keine Fahrkarten nach Deutschland verkaufen kann. Stattdessen bekomme ich ein Ticket nach Poznan, wo ich ohnehin umsteigen muss, für einen früheren Zug als geplant, schließlich brauche ich dort Zeit, um eine Fahrkarte zu kaufen. In Poznan wieder eine lange Schlange. Und aus irgend einem Grund keine Fahrkarte bis Berlin, nur bis zum letzten Ort in Polen. Nun gut, ich bleibe natürlich im Zug sitzen, kein Problem. Aber besonders praktisch ist Bahnfahren in Polen offenbar nicht.

 

Durch Armenien

29.9.2017 Tbilisi – Alaverdi

78 km mit dem Rad, bewölkt und Nieselregen

Der Taxifahrer ist überpunktlich um 20 nach 8 am Hotel, ich stürze den Kaffee hinunter, lade das Fahrrad in den Kofferraum und es geht los. Taxifahrer sind immer wieder eine gute Gelegenheit, mein Russisch auszuprobieren. Es sind garantiert mehrere Fehler in jedem einzelnen Satz, aber davon abgesehen komme ich überraschend gut zurecht. Nur als der Fahrer mich fragt, wieviel ich verdiene, wage ich nicht, ihn zu verstehen. Ist ein deutsches Einkommen hier nicht ein bisschen unverschämt?

Gegen 9 sind wir in Marneuli und ich fahre mit dem Rad weiter. Immer mit leichtem Nieselregen, von der Temperatur her angenehm, aber als grau in grau. Am Straßenrand verkaufen kleine Stände ihre Waren. Und nein, dieses Mal handelt es sich nicht um Cola und Chips, sondern um Waschpulver: Ariel, Persil, Perwoll. Ich habe keine Ahnung, warum, aber ich fahre an sicher 20 Ständen vorbei, die in Wesentlichen Waschmittel im Angebot haben.

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Dann kommt die Grenze, Ausreisestempel, Einreisestempel und ich bin in Armenien. Am ersten Garagenladen, den ich sehe, kaufe ich eine SIM-card für umgerechnet 4 Euro.

Heute sind nur ein paar Höhenmeter zu bewältigen, aber rechts und links neben mir türmen sich bereits die Berge, ich fahre durch das Debed Canon. Auch hier wieder eine sehr beeindruckende Landschaft. Was ich leider nicht schaffe, ist, die Weltkulturerbestätten am Wegesrand anzusehen. Obwohl man sie eigentlich gesehen haben muss. Es sind einfach zu viele Höhenmeter zwischen mir und den Klöstern.

Das ist auch deshalb schade, weil es in Alaverdi offenbar ein interessantes Projekt gibt, mit dem Ziel,  lokale Guides für die Sehenswürdigkeiten und auch für Wanderungen in der Umgebung auszubilden und Führungen anzubieten:  www.alaverdiguides.com.

Schön ist hingegen der heutige Abend, es gibt Abendessen und Wodka gemeinsam mit den anderen Touristen in der Unterkunft, einem älteren französischen Paar mit ihrem Fahrer und einem deutschen Paar, das unterwegs ist zu einer Hochzeit in Yerevan.

30.9. – 1.10.2017 Alaverdi – Wanadsor

77 km, bewölkt, maximal 15 Grad, abends ganz schön kalt.

Übernachtung: Pension Iris in Alaverdi, nett und ein Treffpunkt für Reisende und MagHay in Wanadsor

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Ob ich etwas Falsches gegessen habe oder einfach nur der hausgebrannte Wodka zuviel war, mir ist morgens schlecht, es ist nicht an Frühstück zu denken, an Radfahren schon gar nicht. Ich schaffe es gerade mal, mich nach unten zu schleppen, Tee zu besorgen und meine Unterkunft um eine Nacht zu verlängern. Irina, die Wirtin der Pension Iris umsorgt mich mit Tee, weißem Reis und einen Radiator für das ziemlich kalte Zimmer – die Temperatur ist mittlerweile ganz schön gefallen. Erst am Nachmittag schaffe ich es kurz zum nächsten Geldautomaten.

Am nächsten Morgen geht es mir besser und ich fahre los. Die Straße nach Wanadsor ist wegen Bauarbeiten gesperrt, mir bringt das  zusätzliche 40 km ein, außerdem  einiges an Höhenmetern, OSM spricht von 1500 m Anstieg. Und das merkt man. Es beginnt mit Serpentinen, heraus aus dem Debed Canyon, geht weiter mit etwas sanfterem Anstieg über einen Pass und ein paar kleineren Abfahrten  um eine Schlucht herum bevor es dann noch einmal in Serpentinen ein gutes Stück nach oben geht.

IMG_20171001_101322Die Landschaft: tiefe Canyons und Hochebenen mit in dieser Jahreszeit trockenen und gelben Feldern. Und überall kreisen große Raubvögel, die ich für Adler halte. Die fast magische Landschaft ist aber überall durchsetzt von Bausünden der scheußlichsten Art, häufig halb verfallene, halb noch betriebene Industrieanlagen.

IMG_20171001_125521 Die Dörfer und Städte wirken ausgesprochen ärmlich, ich bin fast überrascht, als ich in einer größeren Stadt gegen Mittag noch ein Restaurant finde, in dem ich Tee und Hühnersuppe bekomme.

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Nach den endlosen Anstiege folgt ein langer Tunnel, in dem es leicht begab geht. Ich ziehe alles an, was auffällt und hell ist, die Stirnlampe, die Warnweste und entscheide mich dann doch für den schmalen Gehweg neben der Fahrbahn. Einerseits eine gute Entscheidung, die PKWs könnten mich auf der Fahrbahn sicher überholen, aber mit der LKW-Kolonne, die irgendwann durchkommt, wäre es schwierig. Aber auch der Gehweg ist nicht ohne : schmal, einen halben Meter oberhalb der Fahrbahn und an vielen Stellen eingebrochen. Letztlich schiebe ich das Rad den geschätzten Kilometer durch den Tunnel. Danach kommt dann glücklicherweise die ersehnte Abfahrt, die letzten 10 km rollen praktisch von selbst.

2.10.2017 Wanadsor – Sevan (mit dem Taxi!)

14 km mit dem Rad, von Sevan nach Sevanakan und zurück. Regen, dann noch mehr Regen und Hagel, dann ein bisschen Sonne.

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Ich sehe morgens aus dem Fenster, dann auf die Wetterapp, dann auf einen anderen Wetterbericht und schließlich frage ich noch die Wirtin meiner Unterkunft. Alles hilft nichts, es ist für den ganzen Tag Regen angesagt. Und das Programm heute ist umfangreich : nur etwa 75 km aber über 1500 Höhenmeter aufwärts  und ein Tunnel, von dem ich ohnehin nicht weiß , wie ich ihn bewältigen soll. Das geht nicht, ich frage nach einem Taxi und spaziere erst einmal ein bisschen durch die Stadt. Das Kunstmuseum ist montags leider geschlossen, dafür gibt es eine schöne Kirche (Hilfe, was für eine ist das? Brauche ich ein Kopftuch oder gucken die Leute komisch, weil ich mir vor der Kirche eins um den Kopf binde?)IMG_20171002_091848

Außerdem gibt es einen großen Markt mit Obst, Gemüse, Kaffee, Fleisch und Fisch (ungekühlt, zum Glück ist es nicht mehr warm) und überdimensional vielen Schuhen.

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Mittags bringt mich der Fahrer nach Sevan. Ich bin beeindruckt von den vielen Serpentinen, die ich nun nicht mit dem Rad zurücklegen muss und stelle fest, dass der Tunnel wirklich ein Problem wäre : schmal, dunkel, kein durchgehender Fußweg, über 2km lang und leicht ansteigend.

Sevan liegt an gleichnamigen See, ein riesiges Gewässer in fast 2000 Metern Höhe, umgeben von noch höheren Bergen. Leider auch umgeben von hässlichen Billig-Resorts fürs Party – Volk.

Meine Unterkunft liegt direkt in Sevan, ein Gästehaus bei einer Familie, in deren Wohnzimmer ich mich gleich zum Tee wiederfinde. Als ich losziehen will um zumindest noch ein Kloster zu sehen, bricht noch einmal ein Unwetter los mit Sturm und Hagel. Aber schließlich klappt es doch noch : kaum hört der Regen auf, radle ich die paar km auf der Autobahn nach Sevanakan und sehe neben zwei sehr alten, aber auch recht kleinen Kirchen von Nebel umspielte Berggipfel, und Sonnenstrahlen zwischen dunklen Wolken.IMG_20171002_161129IMG_20171002_162241

3.10.2017 Sevan – Yerevan

82 km bewölkt und gelegentlich Regen

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Ich habe die Wahl zwischen einer autobahnähnlich ausgebauten Straße und kleinen Straßen, deren Qualität nicht ganz klar ist. In beiden Fällen geht es nach Yerevan deutlich mehr bergab als bergauf, aber natürlich läuft es in Armenien nie ganz ohne Anstiege. Ich probiere die kleineren Straßen. Zunächst klappt das ziemlich gut, manchmal sieht der Weg allerdings auch so aus :IMG_20171003_092952

Und ab und zu ist auch mal eine Kuh- oder Schafherde  im Weg.

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Wenn man schon recht nah an einer Großstadt ist, kann man außerhalb der Niederlande und ähnlicher Fahrradländer kaum mit hübschen Landschaften und romantischen Radwegen rechnen. Und so bekomme ich heute noch mehr Bausünden, heruntergekommenen Industrieanlagen und (schwelende) Müllkippen zu sehen als zuvor.

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Die alten Busse, die hier fahren, sehen zwar sehr niedlich aus, aber der Qualm, den sie aus dem Auspuff pusten ist so dicht, dass man an einen staubbetriebenen Düsenantrieb denken muss.

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Zugegeben, dieser Bus fährt überhaupt nicht mehr

Die letzten 10 km durch den dichten Stadtverkehr sind anstrengend, mein Handy leitet mich aber ohne Probleme zum Hotel, das sich als ziemlich angenehm herausstellt: zentral, einigermaßen ruhig, riesiges Zimmer.

Eine Weile schlendere ich noch ziellos durch die Stadt: durch einen touristischen Straßenmarkt, über den Republikplatz, durch eine eher langweilige Fußgängerzone und eine Grünanlage. Immerhin eine kleine hübsche Innenstadt gibt es in Yerevan.

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4.-5.10.2017 Yerevan – Berlin

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Mir bleibt noch ein einziger Urlaubstag. Zeit für etwas Sightseeing und für die Vorbereitungen zur Rückreise. Wieder einmal besuche ich einen Markt, dieses Mal kaufe ich Tee, Gewürze, Honig, nun muss ich die Sachen ja nicht mehr durch die Gegend fahren. Der Markt liegt knapp außerhalb der touristischen Innenstadt, dennoch sind gute Teile davon wohl für Leute wie mich gemacht, es gibt viele Stände mit aufwändig drapierten Trockenfrüchten, vermutlich typische Mitbringsel. Manches ist auf Russisch ausgezeichnet, für die russischen Touristen. Es gibt aber auch Obst, Gemüse, Schweinehälften sowie lebende Hühner und Fische.

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Dann ein Museum, wieder einmal das örtliche Geschichtsmuseum, danach hole ich mein Fahrrad ab und mache mich auf den Weg zu meiner letzten Unterkunft, einer Pension sehr nahe am Flughafen, die außerdem kostenlosen Transfer dorthin, auch mitten in der Nacht, anbietet. Wie immer sind die Straßen aus der Stadt unangenehm: es geht los mit einer 8-10-spurigen Straße (will heißen: acht Spuren sind eingezeichnet, aber wenn pro Richtung 5 Autos nebeneinander passen, fahren sie so auch. Man muss sich auf dem Rad konzentrieren: unentwegt halten Kleinbusse an, die man umfahren muss, genau im falschen Moment fahren sie dann wieder los und drängen einen nach links. Natürlich rechnet niemand damit, dass ein Fahrzeug rechts der Autos auftauchen könnte. Soweit mich die Autofahrer sehen, nehmen sie aber Rücksicht. Mehr als einmal warte ich rechts von einem Auto an einer Ampel. Wenn die dann grün wird, fährt das Auto nicht los, bevor ich weg bin.

Dann geht es auf kleinere Straßen und bald finde ich mich, noch in Yerevan, wieder auf ungepflasterten Holperwegen wieder.

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Die ganze Zeit schon halte ich Ausschau nach einem Laden, der etwas verkauft, das als Verpackungsmaterial für mein Rad dienen kann. Beim Rückflug muss ich umsteigen, außerdem fordert die Fluggesellschaft eine Verpackung. Ich finde nichts Offensichtliches, schließlich frage ich meine Wirtin. Und tatsächlich: sie nimmt mich mit in einen kleinen Abstellraum, in dem mehrere komplette Fahrradkartons stehen – offensichtlich von Fahrern aus dem Baltikum, die hier ihre Räder ausgepackt haben. Wunderbar. Ich mache mich ans packen, Lenker querstellen, Vorderrad rausnehmen (Achse ebenfalls, dies wird erfahrungsgemäß leicht verbogen), Umwerfer abschrauben, empfindliche Teile in die Rohrisolierung wickeln, die ich die ganze Zeit mit mir herumtrage, alles in den Fahrradkarton, der so staubig ist, dass ich hinterher gelbbraun gepudert bin und mein Klebeband kaum hält. Erstmal abstauben wäre besser gewesen.

Am Morgen dann klingelt mein Wecker um drei Uhr, mein Wirt fährt mich pünktlich um halb vier zum Flughafen. Abgesehen davon, dass das Gepäck nun sehr unhandlich ist und es nicht einfach ist, den Trolley durch die Menschenmengen zu bekommen, läuft alles reibungslos. Nach kurzer Zeit bin ich das Gepäck los, muss vor dem Flieger fünf mal meinen Pass und die Bordkarte zeigen, einmal den Finger scannen lassen. Jedes einzelne Mal wird minutiös kontrolliert. Außerdem werde ich mein Schlüsselanhänger-Taschenmesser los, das nach europäischen Sicherheitsregelungen eindeutig handgepäckfähig ist (ja, die ganz winzigen Taschenmesser gehen wieder – aber nicht in Armenien). Aber schließlich bin ich im Flieger und erreiche auch den zweiten Teil der Umsteigeverbindung in Kiew.

In Berlin freue ich mich, dass mein Gepäck es ebenfalls geschafft hat, wenn auch der Fahrradkarton sehr gerupft aussieht. Es liegt wohl daran, dass es eine Weile ungeschützt im Regen auf dem Rollfeld stand. Das Rad ist in Ordnung.

Berlin empfängt mich mit eiskaltem strömenden Regen. Und dabei habe ich Glück. Es ist ein schwerer Sturm angesagt, aber noch ist der Wind erträglich. Nach 12 km komme ich völlig durchnässt zu Hause an, nur ein paar Stunden bevor hier die Hölle losbricht und nichts mehr geht: der Bahn- und S-Bahnverkehr wird eingestellt, Busse fahren nicht mehr, selbst einige U-Bahn-Linien sind betroffen. Auf der Straße vor meinem Haus liegt ein entwurzelter Baum, die abgebrochenen Äste sind beeindruckend. Als ich mich am Nachmittag noch einmal aus dem Haus traue, weil ja absolut nichts zu essen da ist, habe ich den Eindruck, dass es hier draußen viel gefährlicher ist als im  Kaukasus.

Durch Georgien

20.9.2017 Batumi – Khulo

Erster Tag auf dem Fahrrad, 83 km

Wie zum Teufel kann es Ende September so heiß sein?

Google Maps äußert sich in seiner mobilen Version nicht zu den zurückgelegten Höhenmetern heute, OSM behauptet, ich sei 3200 Höhenmeter nach oben und 2300 nach unten gefahren. Das ist vermutlich übertrieben, vollkommen erschöpft bin ich gegen Ende dennoch. Morgens ist die Temperatur eine Zeit lang angenehm, es tauchen paar wenige Wolken auf und ich schöpfe schon Hoffnung. Aber nein, am Mittag brennt die Sonne erbarmungslos, die Straße strahlt Wärme ab wie eine Kochplatte, auf den letzten Kilometern halte ich alle paar Meter an, um nicht überhitzt vom Rad zu fallen.

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Die Landschaft ist allerdings sensationell, bewaldete Berge, die Straße führt die ganze Zeit an einem Fluss (Tskali)  entlang, teilweise weit über ihm, teilweise direkt daneben. Zeitweise wirkt das Flusstal beinahe wie eine Schlucht. Was leider nicht dazu führt, dass wesentliche Teile des Weges im Schatten lägen.

Im Prinzip gibt es unterwegs auch ein paar Sehenswürdigkeiten, alte Forts, mehrere mittelalterliche Bogenbrücken. Ich bekomme davon nur eine Brücke und einen Wasserfall zu sehen, der Rest liegt etwas abseits des Weges und dazu fehlt mir die Kraft.

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Der Verkehr ist anfangs ziemlich stark und lässt dann nur langsam nach, gegen Ende gibt es zwar nicht mehr sehr viele der Kleintransporter und Marshrutkas, diejenigen, die mich überholen ziehen dafür aber dicke Rußwolken hinter sich her, während sie die starken Steigungen auf dem letzten Abschnitt bezwingen.

21.9.2017 Khulo-Goderdzi Resort

27 km, ab Mittags heiß

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OK, das war ein Versuch, herauszufinden, wie schlecht eine schlechte Straße wirklich ist. Kurz hinter Khulo ist Schluss mit dem Asphalt. Es folgt noch ein kurzes Stück wunderbarer Straßenbelag, wo eine türkische Firma dabei ist, einen Staudamm zu bauen, danach noch ein paar kümmerliche Reste. Und dann ist die Straße bestenfalls noch für Mountainbikes zu machen. Ich habe keins.

Statt der zuvor in den Dörfern zu sehenden orthodoxen Kirchen gibt es nun zunehmend Moscheen, die Bevölkerung ist hier überwiegend muslimisch. Baufahrzeuge, die gelegentlich vorbeikommen, haben fast durchweg türkische Aufschriften. Die Grenze ist von hier aus nicht weit.

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Ein ziemlich gutes Stück schiebe ich, selbst wo der Weg eigentlich flach ist, am frühen Nachmittag gebe ich auf.

Zu diesem Zeitpunkt ist das bereits einmal nachgekaufte Trinkwasser fast alle, kein Laden in Sicht, ein paar dunkle Wolken brauen sich am Himmel zusammen. Der Pass ist noch 5km entfernt, dafür gibt es hier ein Skiresort im Bau. Ein riesiger Hotelkasten wird gerade hochgezogen, neben einem Skilift stehen bereits eine Reihe kleiner Chalets. Ja, das ist ein Hotel und ja, es ist offen, sagt man mir auf Nachfrage. Der Chef wird geholt, er vermietet mir ein Doppelzimmer. Teilweise benutzt er Google Translate, um für mich ins Russische (!) zu übersetzen, dann habe ich so ein Häuschen für mich. Es enthält eigentlich mehrere Doppelzimmer im ersten Stock, darunter einen großen Wohn-und Küchenbereich.IMG_20170921_154228

22.9.2017 Goderdzi Ski-resort – Akhaltsikhe

59 km, Warm und sonnig, am Nachmittag Quellwolken

Übernachtung: Old Town, empfehlenswert.

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Ich schiebe und fahre abwechselnd die letzten 5,5 km zum Pass hoch. Das Wetter ist wieder gut, erstaunlich warm dafür, dass ich selbst zu Beginn schon 1700 m hoch bin.  Aber am Morgen doch noch OK.IMG_20170922_084736.jpg

Gegen halb 10 habe ich es geschafft: ich bin am Goderdzi Pass, 2025  hoch. Das Restaurant Edelweiß hat schon geöffnet, ich bestelle Tee und Frühstück. Ich bekomme eine Pfanne voll in Butter geschmolzener Käses. Es schmeckt gut, ist aber auch ganz schön schwer. Die Wirtin adoptiert mich derweil fast und erzählt mir sehr ausführlich, dass sie an meiner Stelle Angst hätte, so allein und als Frau.

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Dann geht es weiter, jetzt bergab, aber immer noch auf der Holperstrecke. Auch hier komme ich kaum über Schrittgeschwindigkeit hinaus. Für die ersten 24 km brauche ich glatte vier Stunden. Umso schneller rolle ich auf dem Rest des Weges, wo die Straße asphaltiert ist.  Immerhin vernichte ich 1000 der mühsam erkämpften  Höhenmeter gleich wieder.

Hinter dem Berg ist die Landschaft eine ganz andere: karge, trockene Hügel, in unterschiedlichen Brauntönen gelegentlich von einem Flüsschen durchzogen.IMG_20170922_134906.jpg

In Akhaltsikhe angekommen sehe ich noch die hiesige, wiederaufgebaute Burg, Rabath  aus dem 13. Jahrhundert an. Ein bisschen Disneyland, auf dem Gelände gibt es ein Hotel und mehrere Cafes, alt lässt sich von neu kaum unterscheiden. Dennoch ein eindrucksvoller Ort, auch das Museum auf dem Burggelände ist sehenswert.

23.9.2017 Vardzia

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Das Fahrrad hat heute Pause, stattdessen geht es per Marshrutka in gut eineinhalb Stunden zum Höhlenkloster in Vardzia, mit einem anderen deutschen, der in derselben Pension wohnt wie ich. Schon die Fahrt dorthin ist spektakulär, es geht durch das Tal des Mtkvari, ein kleiner Fluss, der hier ein tiefe Tal in die Landschaft geschnitten hat.

Das Höhlenkloster selbst ist ebenso eindrucksvoll, zahlreiche, übereinander gelegene, in den Felsen gehauen Höhlen, eine Kirche, die nun auch wieder in Betrieb ist – es leben wohl auch wieder Mönche in der Anlage aus dem 12. Jahrhundert.

24.9.2017 Akhaltsikhe – Borshomi

50 km, gutes Wetter

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Borshomi ist eine alte Kurstadt, die darüber hinaus direkt an einem großen Naturschutzgebiet liegt. Und nur 50 km von Akhaltsikhe entfernt, größerenteils bergab. Ich fahre nach dem wir immer sehr umfangreichen Frühstück gegen halb 9 los. Die Landschaft ist toll, wieder ein tiefes Tal mit einem kleinen Fluss, der Kura. Die Sonne scheint, ein paar Wolken finden sich am Himmel ebenfalls. Die Straße ist gut und es geht viel bergab.IMG_20170924_100351

Trotz zahlreicher Fotostops bin ich kurz nach 11 in Borshomi. Meine Unterkunft heute ist ein winziges Zimmer in der großen Wohnung einer älteren Frau, die mich überschwänglich begrüßt und mir sofort Tee kocht. Trotz meiner kaum vorhandenen Russischkenntnisse gelingt es ihr prima, mir alles Mögliche so zu erzählen, dass ich sie tatsächlich verstehe.

Den Nachmittag verbringe ich zum großen Teil in dem wunderschönen Naturschutzgebiet direkt vor der Haustür, bewaldete Hänge, plätschernde Bäche, Quellen, wer sich damit auskennt, findet offenbar zahlreiche endemische Pflanzenarten. Ich spazieren zunächst eine Weile einen Wanderweg entlang, danach miete ich ein Reitpferd. Letzteres stellt sich nicht als besonders gute Idee heraus: das Pferd ist zwar sehr gutmütig, aber offenbar auch schon sehr müde, es zockelt sehr langsam durch den Wald, gelegentlich stolpert es fast. Im Wesentlichen reagiert es auch nicht auf mich, sondern auf den begleitenden Guide. Wahrscheinlich zu erwarten, wenn man sich überlegt, mit welchen Reitstilen das Tier so zurechtkommen muss.IMG_20170924_143519.jpg

Nach diesem Ausflug folgt noch ein Spaziergang durch den Kurpark, eine Mischung aus Park und Rummel mit einer ziemlich schwefelhaltigen Mineralquelle und einer mit recht „normalem“ Mineralwasser. Und zum Abschluss geht es mit der kleinen Seilbahn, die in kaum einem georgischen Ort fehlen darf, auf den örtlichen Berg. IMG_20170924_175612

Am Abend sitze ich noch mit den anderen Gästen der Pension zusammen: einem jungen französischen Paar und zwei Polinnen mit ihrem Fahrer. Die Polinnen haben hausgekelterten Wein von Markt mitgebracht, die Wirtin hat riesige Mengen leckeren Hefekuchen gebacken, alles wird nun unter zahlreichen Trinksprüchen und Erzählungen, zumeist auf Russisch, vernichtet.

25.9.2017 Borjomi – Gori

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Die Fahrt geht auf der selben Straße los, auf der sie gestern aufgehört hat. Auch die Berge links und rechts sind noch genauso spektakulär.

IMG_20170925_084819Der Verkehr nimmt nun allerdings zu, bis schließlich zwei größere Straßen zu einer noch größeren zusammenlaufen. Zum Glück kann ich kurz darauf abbiegen und den Weg über eine Reihe von Dörfern südlich der Kura nehmen. Die Straße ist gut und überraschend attraktiv, sie führt durch eine Reihe ursprünglicher Dörfer, gelegentlich kreuzen Gänseherden die Straße, es gibt wohl auch einige sehenswerte Kirchen ein paar km links und rechts der Straße , die ich aber nicht ansehe. Keine unnötigen Umwege. IMG_20170925_103805

Wieder einmal wandelt sich die Landschaft, die ist nun eben, nur in der Ferne sind noch Berge zu sehen. Einen breiten grünen Streifen gibt es um den Fluss herum, daneben wirkt alles sehr trocken. Gegen zwei erreiche ich, schon einigermaßen K. O.  meine heutige Unterkunft bei einer Familie in Gori. Alles ziemlich einfach, aber mit schöner Terrasse.

Wie das in Georgien aber so ist: es gibt so viel zu sehen, dass man nie zum Ausruhen kommt. Hier in der Gegend ist das zum einen eine Höhlenstadt: musst du unbedingt ansehen, haben schon mehrere Leute gesagt. Also werfe ich mich kurz nach meiner Ankunft wieder in ein Taxi und lasse mich nach Uplistsikhe fahren. Ursprünglich soll die Stadt an die 3000 Jahre alt sein, mit einer Blütezeit im Mittelalter, in der hier 20. 000 Menschen gelebt haben sollen. Ich verzichte dieses Mal allerdings auf einen Audioguide und spaziere ziemlich ahnungslos zwischen den alten Steinen umher.IMG_20170925_150312

Außerdem habe ich nur eine Stunde, der Fahrer wartet auf mich.

Er fährt mich denn auch zurück in die Stadt, zur nächsten Sehenswürdigkeit: dem Stalinmuseum. Stalin ist in Gori geboren und natürlich hat die Sowjetunion ihm ein bombastisches Museum gebaut. Es sieht im Grunde noch so aus wie damals, kurz nach seinem Tod. Nur die Führerin, die zwei Schweizern und mir das Museum zeigt, deutet an, dass der Held vielleicht auch den einen oder anderen Fehler gemacht hat.IMG_20170925_161121

26.9.2017 Gori- Mtskheta

65 km warm, sonnig und Gegenwind

Übernachtung: Guesthouse Vertigo

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Ich bin früh unterwegs und hoffe auf ebenso gute Bedingungen wie gestern. Leider vergeblich, heute habe ich von Anfang an starken Gegenwind. Ich fahre nun auf und ab durch eine wüstenartige Landschaft, zu Beginn sehr trocken, später durchsetzt von Feldern und Gärten. Zum Gegenwind kommt, dass ich an einer Stelle den falschen Abzweig nehme, das bringt mir einige km sehr holprigen Weg ein. IMG_20170926_121641

Glücklicherweise habe ich esnicht sehr weit. So bin ich auch gegen den Wind um zwei in Mtskheta und kann mich der ausgiebigen Suche nach meiner gestern Abend gebuchten Unterkunft widmen. Nicht so einfach, heute, das Haus befindet sich in einer kleinen Seitenstraße, einen steilen Hügel hinauf und ohne von der Straße aus erkennbare Markierung. Bei dieser Gelegenheit begegne ich den ersten aggressiven Hunden in Georgien.  Zum Glück findet sich dann jemand, der helfen kann. Und dann stellt sich die Unterkunft auch als sehr schön heraus.

Mtskheta ist eine uralte Stadt am Zusammenfluss von Mtkvari (Kura, es scheinen beide Namen verwendet zu werden) und Aragvi, lange war sie Hauptstadt der iberischen Könige.

Heute ist die Stadt in erster Linie Ziel von Tagesausflügen aus Tbilisi. Mitten in der Stadt: die beeindruckende, von einer Wehrmauer umgebene Kirche Sveti Tshoveli. Als ich sie ansehe, wie immer bei den orthodoxen Kirchen braucht es dazu ein Kopftuch, gibt es einen Gottesdienst, Gesänge, viel Weihrauch.IMG_20170926_153657

Eine zweite Kirche besichtigte ich ebenfalls noch: die hoch über dem Flusstal auf einen Berg gelegene Jvari Kirche. Die Aussicht von hier auf den Zusammenfluss der beiden Flüsse mit den Bergen im Hintergrund ist sensationell. Und auch hier gibt es einen Gottesdienst mit viel Gemurmel, Gesängen, Weihrauch.

27.9.2017 Mtskheta – Tbilissi

27 km, bewölkt

Der Fahrer von zwei polnischen Touristinnen hat mir unterwegs gesagt, wie ich mit dem Rad nach Tbilisi hineinkomme, nachdem mir meine App konsistent einen 70km langen Umweg durch die Berge vorschlägt: auf der Autobahnbrücke über den Fluss – hier gibt es sogar einen Gehweg – dann auf der linken Seite der  Kura immer geradeaus. So mache ich es und abgesehen von den wahnwitzigen Abgasen, die die zahlreichen gelben Busse aus ihren Auspuffen pusten, funktioniert es. Nur ganz zum Schluss habe ich ein Problem : Ich finde mich auf der falschen Seite einer vierspurigen, sehr stark befahrenen Straße, und muss auf die andere Seite. Ampel gibt es weit und breit keine, selbst auf dem Gehweg ein Stück zurück fahren in der Hoffnung auf eine bessere Gelegenheit, geht nicht, weil der Gehweg eine einzige riesige Baustelle ist. Also : hoffen, dass die Autos schon halten werden und los.

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Im Hotel angekommen,  frühstücke ich erst einmal ausgiebig, dann geht es in die Stadt: Tbilisi hat eine schön sanierte, aber sehr touristische Altstadt, zahlreiche Kirchen, ein paar Museen.IMG_20170927_154433

Ich stolpere in das historische Museum, ein schönes, großes Gebäude in der Altstadt, eine ehemalige Karawanserei. Drinnen sind etwas wahllos Szenen aus dem alten Georgien, Trachten, alle möglichen Gegenstände aufgebaut. Falls es in den gibt, wird mir der innere Zusammenhang nicht klar. Aber das Gebäude lohnt sich.

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Am Abend beginnt es zu regnen und für den ganzen morgigen Tag ist ebenfalls Regen angesagt. Dazu kommt, dass ich etwas Respekt vor der Strecke in Armenien habe: ein neues Land, neue Sprache, neue Schrift  hohe Berge, Pässe, eine lange Strecke ohne Unterkunft, noch ärmer als Georgien. Regen. Ich verlängere meinen Aufenthalt erst einmal um eine weitere Nacht.

28.9.2017 Tbilisi

Bewölkt, leichter Regen, deutlich kühler

Der Regen ist längst nicht so stark, dass Fahrradfahren ein Problem wäre, die meiste Zeit regnet es gar nicht. Aber ein Ruhetag tut sehr gut.

Also : ich besichtigte die wirklich nebenan gelegene Trinity cathedral. Als ich das Gelände betrete, stehen überall Polizisten und sperren einen Teil der Straße, dann fährt neben mir eine Wagenkolonne aufs Gelände, von Hand betriebene Kirchenglocken läuten wild, Geistliche steigen aus dem Autos. Soviel Aufwand wäre meinetwegen gar nicht nötig gewesen.

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Ich nehme ein Taxi in die Altstadt und bitte bei der Gelegenheit den nicht sonderlich sympathischen Fahrer, mich morgen früh samt Fahrrad aus der Stadt heraus und nach Marneuli zu fahren. Mal sehen, ob es klappt.

Ich besichtigte das Georgien-Museum – es ist sehenswert, die Ausgrabungen in dieser Gegend geben einiges her, dann fahre ich mit der Zahnradbahn auf einen der Berge um die Stadt.  Oben ist ein Rummel, leider ist gerade praktisch alles geschlossen.IMG_20170928_135239

Und schließlich gehe ich ins Bad : es gibt in der Stadt heiße Schwefelquellen, zu denen bereits früh Bäder gebaut wurden. Die teure Einzelkabine lehne ich ab, der Eintritt in den öffentlichen Teil kostet umgerechnet gerade mal einen Euro. Plus Handtuchleihgebühren und Massage. Das Bad selbst stellt sich als Raum mit schöner Kuppel und Zierkacheln heraus, ansonsten besteht es aus einer Reihe von Duschen, aus denen das warme Mineralwasser fließt. Darunter stehen Frauen mit der üblichen Vielfalt an Körperformen, die wirklich stundenlang nichts tun, als sich unter der heißen Dusche zu waschen.

Ich lasse mich peelen und massieren, dass funktioniert hier ganz ähnlich wie in einem türkischen Hammam. Sehr entspannend nach den Tagen auf dem Fahrrad.IMG_20170927_122422

 

Wandern in Svanetien

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Der Plan: Mit meinen Sohn und seiner Freundin nach Georgien fliegen, eine knappe Woche zum Wandern nach Svanetien fahren, dann mit dem Rad durch die Region. Ein bisschen kompliziert ist schon vor dem Abflug die Logistik: ich brauche die Sachen zum Wandern und die zum Radfahren und einen Ort, wo ich das Rad für die erste Woche unterstellen kann.

Der Tag beginnt, natürlich viel zu früh: Vor halb fünf klingelt der Wecker. Der erste Schreck kommt, als ich die Wanderschuhe anziehe: die Sohle löst sich großflächig in den Schuhen. Ja, ich weiß, dass der Kleber nicht ewig hält und die Schuhe sind sich schon über zehn Jahre alt. Aber ich war vor ziemlich genau einem Monat mit diesen Schuhen unterwegs, und alles war noch in Ordnung.

Am Flughafen angekommen, geht gerade die Sonne auf, als ich das Rad verpacke. Die Fluggesellschaft will es so, ich habe bislang bessere Erfahrungen mit unverpackten Rädern. Da ich einen Karton kaum zum Flughafen bekommen hätte, habe ich jede Menge Knallfolie und eine Regenschutzhülle, die ich unten mit Hilfe von ein paar eingenähten Knopflöchern zubinde. Ob das reicht? – keine Ahnung, noch ist das Rad nicht ausgepackt.

In Kutaisi suchen wir ein Taxi, das groß genug ist, um drei Personen und das Fahrrad zu transportieren. Ein Fahrer nimmt uns mit, er hat einen älteren Mercedes. Das Fahrrad kommt auf den Rücksitz, ein Lenker schaut etwas aus dem Seitenfenster heraus. Wir beiden Frauen quetschen ins hinter das Rad auf die Rückbank. Leider kann ich kein Foto von uns machen, ich bin ja eingeklemmt. Zum Glück sehe ich so auch nichts von dem abenteuerlichen Fahrstil unseres Fahrers. Die beiden anderen versichern mir, dass die Fahrt sehr spannend war.

Im Hotel läuft alles wie geplant: mein Rad wird, noch immer vom Flug verpackt, auf dem Dachboden untergebracht und darf für die nächste Woche bleiben, ebenso wie die Fahrradtaschen. Außerdem reserviert uns der sehr nette Rezeptionist Plätze im Bus nach Mestia, bietet an, dass wir früher frühstücken können und ruft uns ein Taxi in die Innenstadt, wo es uns tatsächlich gelingt, einen Schuster zu finden, der meine Wanderschuhe klebt. Es ist ein winziger Laden, den wir auch dann nicht erkennen, als wir davor stehen. Zum Glück hilft die Verkäuferin im Nachbarladen.

Außer zu Essen (sehr gut) schaffen wir es noch in die örtliche Kathedrale, die auf Deutsch Maria Entschlafen heißt und in ihrer ursprünglichen Form mehr als 1000 Jahre alt ist. Beeindruckend ist vor allem das Gebäude und die Außenanlage.

Kathedrale Maria Entschlafen

Erkenntnisse des Tages:

  • Das Preisniveau ist sehr niedrig, jedenfalls für alles, was nicht importiert und nicht touristisch ist.
  • Meine Idee, vor der Fahrt meine sehr geringen Russischkenntnisse etwas aufzufrischen,  war extrem hilfreich. So lassen sich auch ein paar Worte mit dem Schuster oder dem Taxifahrer wechseln.

12.9.2017 Kutaisi – Mestia

knapp 30 Grad in Mestia, in Kutaisi mehr

Die Reise in schönere Gegenden dauert ja gern mal etwas länger, also gibt es heute eine Fahrt mit einem der Kleinbusse, die hier Marshrutka heißen. Der Bus fährt los, wenn er voll ist, zum Glück gibt es aber eine allgemein bekannte Uhrzeit, zu der das der Fall sein soll. All die Svanetien-Trekker mit ihren Rucksäcken finden sich zwischen halb neun und neun am Busbahnhof ein. Als der Bus losfährt ist er bis auf den letzten Platz besetzt, zusätzlich steht ein Hocker im Gang, für einen Mitreisenden, der später zusteigt.

Klimaanlage gibt es keine, dafür zwei  geöffnete Fenster. Wieder haben wir Gelegenheit, ein paar gewagte Überholmanöver zu besichtigen, der Fahrer scheint das aber doch recht gut einschätzen zu können.

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Dann kommen die Berge, natürlich beeindruckend, häufig sind Gletscher zu sehen, außerdem ein blasstürkisfarbener See, ein lehmiger Fluss und dann gegen Ende der Fahrt jede Menge alter Wehrtürme. Im Reiseführer steht, dass viele davon drohen, zu verfallen, weil die Familien kein Geld für ihren Unterhalt haben. Und tatsächlich fällt mir zu diesen fensterlosen schmalen Türmen kaum eine Verwendung ein.

13.9.2017 Mestia – Zhabeshi

ca. 14 km und viele Höhenmeter, vormittags angenehm, dann heiß

Jemand hat uns gesagt, dass wir den Wanderwege am schnellsten treffen, wenn wir über die Wiese hinter dem Haus gehen, uns durchs Gebüsch zwängen, über einen Zaun klettern und weiter über ein paar Felsen nach oben klettern. Es funktioniert, wie treffen zunächst  auf einen Fahrweg, der uns ein Stück nach oben führt und dann schmaler wird. Der Aufstieg liegt glücklicherweise fast ganz im Schatten, außerdem ist die Temperatur am Vormittag noch angenehm. An den meisten Stellen ist der Weg kaum zu verfehlen, nach der ersten Hälfte der Strecke ist auch die Markierung recht gut. Trotz allem erweist sich der GPS Track auf dem Handy (von www.caucasus-trekking.com) mehrmals als  nützlich.

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Vov Chkuti-Pass aus sieht man bereits Zhabeshi, allerdings als letztes einer ganzen Reihe von Dörfern. Nach dem Abstieg vom Pass brennt die Mittagssonne, nun gibt es auf dem Weg auch keinen Schatten mehr. Wir kommen an einem ganzen Dorf vorbei, das nur noch aus Ruinen besteht-.

Bisher hatten wir nur oben auf dem Pass eine kurze Pause, mittlerweile sind wir ziemlich KO. Ein Café finden wir leider nicht, immerhin aber eine Bierbar, in die wir uns setzen, Kekse essen und Cola trinken. Dann weiter. Wir sind mittlerweile im Tal angekommen, neben uns fließt ein Fluss, der offenbar Teile des Ufers weggespült hat, auf dem Weg zu einer Brücke stehen wir plötzlich vor einer Abbruchkante. Die Brücke ist noch da, nur etwas schwerer zu erreichen. Das GPS empfiehlt, auf unserer Seite des Flusses zu bleiben und ihn erst im Zhabeshi zu überqueren. Das tun wir. Der Weg ist schön und, vorsichtig ausgedrückt, interessant. Immer wieder versinken wir in Schlamm, hier kommt fast überall Wasser von den Bergen. Der Weg verschwindet immer wieder an der Bruchkante, 10 m über dem Flussbett. Zwei Brücken soll es über den Fluss geben. Irgendwann kommen wir zu der Stelle, wo die erste einmal war. Zahlreiche Wegweiser zeigen über den Fluss, außerdem Wegmarkierungen. Was fehlt, ist die Brücke. Immerhin könnte die zweite Brücke noch stehen. IMG_20170913_140655

Die Hoffnung wird enttäuscht. Auch hier keine Spur von einer Brücke. Dafür gibt es ein ein Drahtseil über dem Fluss. Einige Männer bieten an, Touristen per Seilrutsche auf die andere Seite zu bringen, klar, dass sie dafür Geld wollen. Wir handeln den Preis ein kleines bisschen runter, dann lassen wir uns der Reihe nach in einen Klettergurt binden und rollen über den Fluss.

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Am Abend ist Maria krank , ihr ist schlecht, sie übergibt sich , an Essen ist nicht zu denken. Die besorge Wirtin fragt mehrmals nach , ob sie nicht doch Medikamente brauchen und ob sie sonst etwas tun kann. Aber es ist wohl nichts zu machen .

heiß und sonnig

14.9.2017 Zhaleshi-Adishi

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Maria geht es zwar etwas besser, eine siebenstündige Wanderung durch die Sonne ist aber definitiv nicht drin. Also fragen wir unsere Wirtin nach einem Auto. Erst sagt sie, es geht nicht, die Straße sei zu schlecht, dann, dass der Weg mit einem Geländewagen schon machbar  ist. Sie ruft jemanden an und fragt nach dem Preis. Ein paar Minuten später hält ein Mann in Grenzschutzuniform vor dem Haus und wartet auf uns. Wir haben noch nicht einmal an Packen gedacht. Tatsächlich ist der erste Teil der Straße nach Adishi fast fertig ausgebaut, danach wird es holprig. Wir brauchen für den Weg von etwa 20km eine Stunde und überqueren unter anderem ein Flussbett, außerdem zahlreiche Stellen, die mit einem PKW nicht zu schaffen wären.
Damit sind wir natürlich am späteren Vormittag am Ziel. Ilja und ich spazieren noch zwei Stunden den Wanderwege entlang, Maria legt sich hin.

IMG_20170914_112137Adishi ist ein Bergdorf, das in den 80ger Jahren durch eine Lawine zerstört wurde, laut Reiseführer blieben nur die Kirchen und die Wehrtürme einigermaßen heil. Die Bewohner wurden danach umgesiedelt, viele kamen erst in den vergangenen Jahren zurück – und eröffneten offenbar zu 100% Gästehäuser. Das Dorf ist nun eine Mischung aus Ruinen und einfachen Unterkünften. Außerdem laufen überall Hühner und Schweine herum, am frühen Abend kommen die Kühe von den Weiden dazu.
Tagsüber kann man sehen,wie das Heu von den Feldern geholt wurde, mit Ochsenkarren, die Schlitten (ja,Schlitten!) über die Staubwege ziehen und sowohl durch die schmalen Gassen im Dorf als auch über die steilen Wiesen, kommen.IMG_20170914_125801

15.9.2017 Adishi – Ipral

8h, es ist wieder heiß

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Meine Halsschmerzen, die gestern Nachmittag angefangen haben, werden über Nacht schlimmer, ein heftiger Schnupfen kommt dazu. Auch Maria ist noch nicht wirklich fit. Trotzdem bleibt uns am Morgen nichts anderes übrig, als zu Fuß loszuziehen, dieses Mal gibt es wirklich keine Straße. Der Weg führt zunächst etwa 6km relativ flach durchs Tal und überquert dann eine kleinen Fluss. Wir sind anscheinend die einzigen, die dafür die angebotenen Pferde nutzen, unser Wirt ist zu diesem Zweck samt Pferd mitgekommen. Die wirklich vielen anderen Wanderer kreuzen zu Fuß durch das momentan relativ flache, eiskalte Wasser.IMG_20170915_102714
Danach geht es hinauf zum Chkunderi Pass, immer gegenüber einer Gletscherzunge und mit phantastischer Aussicht. Maria schleppt sich mehr oder weniger mit letzter Kraft nach oben, nach der Pause am Pass geht es ihr aber immer besser. Dafür bin ich nun ernsthaft erschöpft, meine Erkältung macht sich bemerkbar. Als wir in Iprali ankommen, kann ich mir nicht vorstellen, mich jemals wieder zu bewegen.IMG_20170915_095357.jpg

16.9.2017 Iprali-Ushguli

4h, heiß

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Wir haben überlegt , auf dem letzten Teil der Wanderung zu verzichten , weil er nicht sonderlich schön sein soll und weil wir nach wie vor etwas angeschlagen sind. Nach einiger Überlegung gehen wir doch los.
Manche Beschreibungen klingen, als liefe man den ganzen Tag die Straße entlang. Das könnte man zwar tatsächlich tun, man würde sich auch einiges an Höhenmetern sparen, aber zu empfehlen ist es nicht. Wir biegen im Dorf Dawgeli von der Straße ab, überqueren eine wackelige Holzbrücke und machen uns über einen schmalen Pfad auf den Weg nach oben.

Ein Hund, von dem es im Internet schon ein Foto gibt, weil er wohl öfter Wanderer spazieren führt, kommt mit und lässt sich sich nicht von den anderen angreifenden Hunden aus dem Dorf beeindrucken, schließt sich aber letztlich einer anderen Gruppe an.IMG_20170916_100144
Der Weg führt weit über dem Tal entlang, mit Blick auf grüne Hänge und häufig im Schatten, bis er schließlich wieder auf die Straße trifft.
In Ushguli angekommen, ist es sehr unkompliziert, Plätze in einem Kleinbus zurück nach Mestia zu bekommen, für 20 Lari das Stück. Eine Stunde haben wir noch, um durchs Dorf zu laufen und eine Cola zu trinken, dann lassen wir uns von dem geländegängigen Kleinbus zurückschaukeln. Die Strecke zwischen Ushguli und Mestia wird gerade befestigt. Unsere Fahrt machte das ein bisschen spannender, weil der Bus oft auf dem winzigen Streifen neben der neuen Straße auf der einen und dem Abgrund auf der anderen fahren muss, in Zukunft dürfte die Strecke aber einfacher werden.

17.9.-19.9. Mestia- Kutaisi – Batumi

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Zum Frühstück bekommen wir einen Eindruck von den Veränderungen, die in Mestia ablaufen: wir bekommen unser Frühstück in einem Hotel ein paar Meter von unserer einfachen Pension entfernt. Die Betreiberin hat offensichtlich bereits aufgerüstet und neu gebaut.   Das Haus ist noch nicht ganz fertig, sieht aber schick aus. Auch sonst wird an allen Ecken gebaut.

Nach dem Frühstück geht es dann mit der Marshrutka zurück nach Kutaisi. Beim ersten Teil der Fahrt haben wir Glück und sind praktisch allein im Bus. Zum Ausgleich müssen wir dann in Zugdidi umsteigen. Danach stellen wir fest, dass in einen Kleinbus doch viel mehr Menschen passen als es Plätze gibt.

In Kutaisi kümmere ich mich zunächst um die spannende Frage, ob mein Fahrrad den Flug unbeschadet überstanden hat, die erste Woche über stand es ja verpackt auf dem Speicher eines Hotels. Zum Glück stellt sich heraus, dass alles in Ordnung ist.

Am Abend verabschieden ich mich von  Sohn und seiner Freundin, denn Rest der Reise bin ich allein unterwegs.

Zunächst einmal geht es noch einmal mit der Marshrutka weiter. Es stellt sich am Morgen als relativ einfach heraus, mein Fahrrad in so einen Kleinbus zu bekommen. Das Vorderrad muss wieder ab und der Lenker quergestellt werden, aber dann passt es in den winzigen Kofferraum. Der Fahrer behandelt das Rad beim Packen wie ein rohes Ei. Dann geht es weiter nach Batumi, wo ich meine Radtour beginnen möchte.

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Radweg auf der Strandpromenade – ganz Batumi ist von Radwegen durchzogen, obwohl man Radfahrer mit der Lupe suchen muss.

Zunächst lege ich aber noch eine Pause ein und bleibe zwei Tage in der Stadt, vor allem um meine Erkältung auszukurieren. Nach dem heißen und staubigen Kutaisi tut die Seeluft richtig gut. Hier sind ein paar Grad weniger, wenn auch immer noch knapp 30, die Stadt ist wirklich schön und mein kleines Hotel (Hotel Elegant) ist sehr angenehm.  Ich habe Zeit auszuruhen, durch die Stadt zu bummeln, ein Museum und ein paar Kirchen anzusehen und im Meer zu baden.IMG_20170918_160156

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Strand in Batumi

 

Winterradtour

Drei Tage Spreeradweg von der Quelle bis Cottbus im Winter

imag036718.-21.12.2016 Spreeradweg von Ebersbach nach Cottbus

Nach vielen Frühjahrs-, Sommer- und Herbsttouren bin ich zum ersten Mal im Winter unterwegs. Geschneit hat es noch nicht, die Temperaturen liegen tagsüber um den Gefriepunkt. Abgesehen von kalten Zehenspitzen sind es ein paar schöne Tage. Das Wichtigste:

  • Natürlich ist der Spreeradweg perfekt ausgeschildert und führt auf sehr wenig befahrenen Straßen, meistens auf Radwegen entlang. Kein Grund, sich nicht gelegentlich zu verfahren. Es gibt so viele Radwege, dass man schon mal den Überblick verliert. Zu Beginn, an der Quelle ist der Weg etwas hügelig, danach geht es flach weiter.
  • Es lohnt sich, im Schuhschrank zu schauen, ob es außer diesen dünnen Halbschuhen noch etwas anderes gibt, das man an die Füße ziehen kann. In meinem Fall hätte das die Entwicklung meiner Zehen zu kleinen Eisklumpen verhindert.

  • Regen im Sommer kann ja schon unangenehm sein, aber das ist nichts gegen einen halben Tag im Regen knapp über dem Gefrierpunkt. Schnell trocknende Klamotten sind eine gute Idee.

  • Umso schöner, wenn am nächsten Tag die Sonne scheint.

  • Und ja, früh aufstehen ist eine gute Idee, wenn es schon um 4 dunkel wird.

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Donauradweg durch Rumänien: Silistra – Tulcea

19.9.2016 Silistra – Ion Corvin

Strecke: ca. 58 km,

Wetter: Regen, ab mittags Wind, etwas mehr als 20 °C

Übernachtung: Pensiunea Vivi;

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Ich fahre gegen halb neun über die rumänische Grenze. Alles am Grenzübergang wirkt heruntergekommen, es gibt neben der Ausweiskontrolle noch ein paar Schalter für die Fähre auf die andere Donauseite. Einen Ort direkt an der Grenze gibt es nicht. Bei nächster Gelegenheit biege ich aber ab und versuche, an Geld zu kommen. Es ist ein größeres Dorf, irgendwo gibt es tatsächlich einen Geldautomaten. Mit verschiedenen Karten versuche ich alle Eingaben, ohne dass der Automat am Ende Geld ausspuckt. Überraschenderweise bekomme ich aber am Schalter der Bank welches. Der Geldautomat ist schlicht leer.

Vor ein paar Tagen sagte mir jemand, dass Rumänien reicher sei als Bulgarien. Davon ist nichts zu sehen. Auf den ersten Blick wirkt die Gegend arm und unwirtlich. Die zahlreichen Weinberge auf dem Weg sind eingezäunt, soweit es etwas wie Cafes gibt, handelt es sich um kleine Läden mit ein paar Plastikstühlen und Männern, die davor sitzen.

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Die ganze Zeit schon regnet es immer wieder ein wenig. Auf den letzten Kilometern kommt ein ziemlich starker Wind dazu. Ich habe heute die Wahl, nur die kurzen 58 km oder aber gleich 135 km weit direkt nach Constanta zu fahren. Angesichts des Wetters entscheide ich mich für die kurze Strecke.

Mit der Übernachtung ist es allerdings etwas schwierig: Weil es im Ort nur eine Pension gibt und auch auf dem weiteren Weg keine im Bikeline-Führer steht, habe ich schon vorher versucht anzurufen. Der Erfolg war mittelmäßig, ich erreichte niemanden, der eine Sprache sprach, die ich auch kann, bekam aber den Eindruck dass die Pension offen ist. Als ich ankomme und klingle, kommt ein Zimmermädchen und beantwortet alle Fragen – ist die Pension offen, gibt es ein freies Zimmer, soll ich nochmal kommen, gibt es ein Restaurant?  – mit Nein. Sie versucht, ihren Chef anzurufen, erreicht ihn aber nicht. Ich mache noch einen Versuch im Dorfladen. Dort findet man schließlich den Chef, er sagt mir, dass er ein Zimmer hat. Mittlerweile bin ich fast auf die Weiterfahrt eingerichtet, bleibe aber natürlich doch. Später kommen auch die Belgier, nachdem sie einen weiteren aufgesammelt haben, sind sie mittlerweile zu viert. Der Ort hat kein Restaurant, dafür gibt es in unserer Unterkunft eine Küche. Wir fragen lieber nicht, ob wir sie benutzen können und tun es eben. Es gibt Nudeln mit Gemüse und eine Dose Ravioli, die einer von uns dabei hat. Dazu scheußlich süßen Wein aus dem Dorfladen.

20.9.2016 Ion Corvin – Mamaia

Strecke: 96 km

Wetter: 14°C, grau und immer wieder Regen

Übernachtung: Hotel Splendid, Mamaia, empfehlenswertes 4 Sterne Hotel mit Sauna und Schwimmbad

Es ist plötzlich ganz schön kühl geworden – es ist ja auch schon Ende September. Außerdem droht der Wetterbericht mit zunehmendem Wind. Wahrscheinlich deshalb sind heute alle früh unterwegs. Während die Belgier versuchen, im Dorfladen etwas wie ein Frühstück zu bekommen, mache ich mir in der Unterkunft Kaffee.

Beim Losfahren klemme ich mir den Riemen des Rucksacks in den Zahnrädern der Gangschaltung ein. Zum Glück bemerke ich es rechtzeitig, nur eine Schnalle am Rucksack ist kaputt. Aber ich ärgere mich über mich selbst. Ich weiß doch, dass ich auf den blöden Riemen aufpassen muss!

Wie schon gestern fällt auch heute auf, wie viele Klöster es hier gibt. Und zwar welche, die in Betrieb sind, vielfach sogar neu errichtete oder solche, die gerade ausgebaut werden.IMAG0234.jpg

Gegen Mittag endlich hole ich die drei Belgier ein, etwas nach mir trudelt auch der vierte ein, der ja eigentlich ebenfalls allein unterwegs ist. Wir fahren den Rest der Strecke gemeinsam weiter. Auf den letzten 20 km kommt zum Wind der Verkehr auf einer vierspurigen Straße, die Busse und LKW rasen zum Teil sehr knapp und sehr schnell an uns Radfahrern vorbei. Der Sog, den sie verursachen ist zusammen mit dem Seitenwind eine Herausforderung, vor allem, wenn man nicht unter das nächste heranrasende Auto geraten will.

Während meine Begleiter zum Bahnhof fahren, mache ich einen kurzen Abstecher in die Innenstadt von Constanta. Sie scheint zumindest auf den ersten Blick nicht besonders interessant, eine kleine Altstadt, wenige Museen, eine Fußgängerzone. Und dann natürlich: das Schwarze Meer! Es ist kalt, es regnet, das Meer ist eher grau… aber dennoch, ich habe es auf mehreren Reisen nun immerhin mit dem Rad vom Atlantik hierher geschafft, und dass ist doch ein Grund, tief durchzuatmen und eine Flasche Wein aufzumachen!

Das Hotel liegt noch etwa 10 km weiter in Mamaia, dem langen, mit Hotels gepflasterten Sandstrand. Als ich ankomme, lasse ich mich zur Feier des Tages erst einmal im hoteleigenen Spa massieren.

Dann treffe ich zum letzten Mal die Belgier zum Essen. Sie haben unterwegs ein Edel-Fischrestaurant entdeckt, wir gehen hin, trinken wirklich sehr guten rumänischen Wein, essen Fisch und bezahlen etwa das zehnfache dessen, wofür wir sonst ein ordentliches Essen bekommen.

21.9.2016 Mamaia – Jurilovca

Strecke: 87 km

Wetter: 15 °C und windig

Übernachtung: Hotel Herakleo, schöne Anlage mit merkwürdigem Geruch im Zimmer

Mamaia-Jurilovca_2016-09-21
Mamaia-Jurilovca_2016-09-21

Es ist nicht mehr heiss, also gibt es eigentlich auch kein Grund mehr, sehr früh aufzustehen. Ich bin aber gegen 7 wach und gegen halb 8 beim (heute ziemlich guten) Frühstück. Die Belgier sind überraschenderweise schon da. Drei von ihnen fahren heute noch zurück nach Bukarest, nur einer fährt weiter in Richtung Delta. Dann geht es los, zuerst den Mamaia-Boulevard entlang. Vierspurig, aber der Verkehr ist erträglich. Der Boulevard ist eine einzige endlose Ferienanlage zwischen dem schwarzen Meer und dem riesigen Lacul Siutghiol. Nach den Hotels folgen Industrieanlagen, vor allem eine sehr große Raffinerie, bevor die Strasse endlich zweispurig wird und der Verkehr etwas weniger. Die Fahrt ist heute anstrengend, vor allem wegen des Windes. Manchmal gibt es  auch kleine Steigungen.

In einem Dorf, nach etwa 30 km mache ich die erste kurze Pause. Ein Café gibt es nicht, aber ich kaufe im Dorfladen etwas zu trinken und setze mich damit draußen auf eine Bank. Als ich wieder losfahren will, stelle ich den zweiten Platten auf meiner Tour fest.  Wieder das Hinterrad. Ohne viel nachzudenken wechsle ich den Schlauch gegen den, den ich in Bulgarien gekauft habe, inmitten einer Horde Kinder, die gerade Schulschluss oder jedenfalls eine Pause haben. Alle fragen mich der Reihe nach, wie ich heiße und sagen mir ihre Namen. Keine Chance, bei dem Lärm ein kleines Loch im Schlauch zu finden.

Egal, es geht weiter. Größtenteils ist die Landschaft eher langweilig, abgeerntete, braune Felder, gelegentlich sieht man einen See. Häufiger sieht man Pferdegespanne, Esel, Schafherden, und natürlich wie immer jede Menge Hunde in den Dörfern. Bislang ist mir aber keiner begegnet, der wirklich aggressiv war. Wenn ich anhalte, und das Fahrrad zwischen mich und die Hunde stelle, erschrecken sie durchweg und bleiben stehen.

Ion_Corvin-Mamaia_2016-09-20
Ion_Corvin-Mamaia_2016-09-20

Unterwegs treffe ich außerdem auf zwei Australier, die in mehreren Monaten mehr als 4000 km durch Europa gefahren sind, ein älteres Paar, das deutlich schneller unterwegs ist, als ich.

Scheußlich sind die 10 km zwischen Mihai Viteazy und Baja: nur zweispurig, sehr viel Verkehr, Unmengen an LKW, die sehr dicht überholen.

In Jurilovca habe ich zunächst Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden: Keine der Pensionen im Ort hat ein Schild mit einem Namen oder irgend einen Hinweis darauf, dass es sich um eine Pension handelt. Auf einem Schild wird eine Pension zum Verkauf angeboten, ein Haus, das in Frage kommt, hat einen großen Hund im Garten, so dass ich mich zunächst nicht hineintraue – zumal ich gerade erst von einer ganzen Horde Hunde verfolgt wurde. Ich treffe hier wieder auf den übrig gebliebenen Belgier, der ein Zimmer vorgebucht hat und ebenfalls mit wachsender Verzweiflung versucht, es auch zu finden – wir bleiben erfolglos, zwar bietet dieses Haus im Internet Zimmer an, es scheint aber vom Erdboden verschluckt.  Schließlich trauen wir uns doch in den Garten mit dem Hund und siehe da: es ist ein hübsches Hotel, der Hund bellt nur, beißt aber nicht und wir bekommen unsere beiden Zimmer.

Abendessen gibt es im anscheinend einzigen Restaurant des Ortes. Wir treffen die Australier, dann auch noch zwei deutsche Studenten, und essen zusammen. Ein netter Abend.

22.9.2016 Jurilovca – Tulcea

Strecke: 109 km

Wetter: Ca. 20 °C, Sonne, etwas Wind

Übernachtung: Hotel Insula, hübsch und etwas hellhörig

Jurilovca-Tulcea_2016-09-22
Jurilovca-Tulcea_2016-09-22

Morgens bin ich früh wach, eine Menge Hunde bellen so laut, dass es unwahrscheinlich ist, wieder einzuschlafen. Dummerweise habe ich am Vorabend vergessen, nach den Frühstückszeiten zu fragen. Also packe ich erst einmal. Als alles fertig ist, ist es halb 8, von einem Frühstück ist weit und breit nichts zu sehen. Ich fahre los. Nach dem Grau der letzten Tage scheint wieder die Sonne und die Landschaft wirkt im Morgenlicht toll.

Jurilovca-Tulcea_2016-09-22
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Im nächsten Dorf gibt es Kaffee und ein abgepacktes Hörnchen im Magazin Mixt. Es läuft gut an diesem Morgen. Der Weg führt nun durch den Landteil des Donaudelta: viel hügeliges Gelände, mindestens eine alte Festung, steppenartige Vegetation, Weinberge, in den Dörfern Gänse, Truthühner. Überhaupt die Dörfer: vielleicht liegt es an der touristischer werdenden Gegend, aber sie sind plötzlich voller Blumen. Die Häuser sind oft farbenfroh gestrichen und haben allerlei Verzierungen, Säulen, Ornamente und ähnliches. Knapper sind dagegen Restaurants. Vormittags halte ich noch einmal an einem Laden an, trinke Kaffee und esse Kekse, nachmittags in einer Bar. Dort treffe ich auch zwei ältere Schweizerinnen – ich würde sie auf um die 70 schätzen – die mit dem Rad aus Österreich gekommen sind. Nicht schlecht.

Der Nachmittag wird dann doch noch recht anstrengend: die Hügel auf dem Weg nehmen insbesondere auf den letzten 30 Kilometern deutlich zu, es geht die ganze Zeit auf und ab. Als ich endlich mein Hotel in Tulcea gefunden habe, bin ich einigermaßen erschöpft.

23.-24.9.2016 Tulcea

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Ich habe nun zwei ganze Tage in Tulcea, bevor ich mich hier mit meiner Tochter treffe. Dabei ist die Stadt gar nicht so interessant. Also erkundige ich mich ausführlich  nach Möglichkeiten, mein Rad nach Bukarest zu bringen, hier das Ergebnis, Stand Ende September 2016:

  • Augustina, die Gesellschaft mit den meisten Verbindungen fährt mit Kleinbussen und nimmt keine Räder mit (könnte in der Hauptsaison anders sein).
  • Connextrans nimmt Räder mit. Die Gesellschaft hat im Prinzip nur internationale Verbindungen, teilweise aber mit Umsteigen in Bukarest. Man sagt mir, dass ich den Bus am Donnerstag, der der Zubringer für die Italienverbindung ist, nehmen kann. Er fährt am Nachmittag los. Man muss aber wohl am Schalter stehen, um diese Info zu bekommen, andere bekamen per Mail die Auskunft, dass die Fahrt nur bis Bukarest nicht möglich ist.
  • Es gibt einen Zug, der Räder mitnimmt. Er fährt zwei Mal täglich, Umsteigen in Medgidia. Der frühe Zug startet um 5:26, der späte kommt erst gegen 23:30 in Bukarest an. Langsam sind beide.
  • Eine zweite Busgesellschaft, die nur internationale Verbindungen anbietet ist Atlassib. Sie fährt Mittwochs nach Berlin, theoretisch ist auch ein reiner Transport des Rades möglich. Es wird dabei aber einige Male umgeladen.
  • CDI fährt mehrmals täglich, meistens mit Kleinbussen. Abhängig vom Platzangebot werden Räder mitgenommen, Auskunft darüber gibt es für konkrete Verbindungen erst ca. 2 Tage vorher.

Abgesehen von den Bus/ und Bahnverbindungen gebe ich Wäsche in einer Reinigung ab und schaue zwei Museen an: das örtliche Kunstmuseum und das Delta Museum. Beide sind sehenswert, allerdings hapert es im Delta Museum etwas mit englischsprachigen Erklärungen.

25.9.2016 – 28.09.2016 Paddeln in Crišan

Übernachtung: Petre und Caroline Vasiliu (empfehlenswert; im Voraus buchen, ist oft ausgebucht)

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Crisan_2016-09-26

Am letzten Abend in Tulcea treffe ich meine Tochter, gemeinsam wollen wir noch ein paar Tage im Donaudelta verbringen, genauer, in Crišan, einem langgestreckten Dorf an einem Donauarm.

Im Reiseführer steht, man solle nicht auf eigene Faust paddeln gehen, das Risiko, sich zu verfahren sei zu groß. Unser Gastgeber Petre sagt, kein Problem, er hat Routen, die leicht zu finden sind.

Das Boot liegt vorbereitet am Wasser, wir bekommen eine Karte und den Weg erklärt.  Wir ziehen das Boot ins Wasser und schaffen es, trockenen Fusses hineinzuklettern. Die Kanäle und Seen sind wirklich sehr schön, es gibt einige Landstellen mit Bäumen, sehr viel Schilf, Seerosen, viele Vögel, die ich leider nicht kenne, enge Kanäle und große, weite Seen. Wasser und Land sind kaum voneinander zu unterscheiden. Wir erschrecken etwas, als wir den großen See sehen, über den wir paddeln sollen, um an den Platz zu gelangen, den Petre für die Pause empfohlen hat. Die Fahrt dorthin ist tatsächlich kein Problem, zurück müssen wir später aber gegen den Wind paddeln, und auch Wellen gibt es. IMAG0287.jpg

Unsere Pause ist nicht besonders lang. Zum einen haben wir keine Unterlage dabei, auf die wir uns auf dem nassen Boden setzen könnten, zum anderen ziehen ziemlich dunkle Wolken auf. Dennoch: es ist ein wirklich schöner Ort, viele Vögel, ansonsten ganz einsam.  Einen Pelikan sehen wir, Kormorane, mehrere Eisvögel, Reiher und sehr viele Vögel, die ich nicht kenne.

Also weiter. Irgendwann hören wir etwas, was ein Donner sein könnte. Ich beginne mich zu fragen, wie wir von dem See herunterkommen könnten, wenn es ernsthaft beginnt zu gewittern. Überall um uns herum ist nur Schilf und Feuchtgebiet, kaum echtes Land.

Unser Weg führt nach dem riesigen See durch kleine Kanäle, unter anderem durch einen, der fast zugewachsen ist und auf dem wir uns mit den Paddeln zentimeterweise durch Gestrüpp quälen. Als wir schließlich zurück an unserer Pension sind, kündigt sich der Muskelkater schon an.

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An den nächsten beiden Tagen gibt es weitere sehr schöne Paddeltouren. Das Wetter ist nun besser, aber nicht besonders warm. Entgegen der ursprünglichen Planung zelten wir denn auch nicht im Delta – obwohl das sicher sehr schön wäre. Aber abgesehen von den Temperaturen wird es mittlerweile auch schon ziemlich früh dunkel.

 

 

Donauradweg durch Bulgarien: Negotin – Silistra

14.09.2016 Negotin – Vidin

Strecke: 72 km

Wetter: ab Mittag wieder ca. 32.℃

Übernachtung: Hotel Dunav, schönes altes Haus, schlechtes Frühstück

Nach dem Frühstück fahre ich zuerst bei der Post vorbei und gebe einen Brief mit Geld für das Hotel ab, das mir meinen Pass schicken soll. Dann geht es los. Der Radweg führt über eine Nebenstraße, die ein gutes Stück länger ist als die Hauptstraße. Sie ist etwas holprig, aber es gibt nur zu Beginn noch ein wenig Verkehr, danach habe ich die Fahrbahn für mich allein. Nach 25 km bin ich an der Grenze nach Bulgarien, der serbische Zoll hat kein Problem damit, dass ich mit Reisepass eingereist bin und mit Personalausweis wieder ausreise.

Die Landschaft auf dem weiteren Weg hat nichts Spektakuläres, es ist eine sanfte Hügellandschaft, immerhin geht es eine Zeit lang durch eine hübsche Allee.

Während in Serbien jedes Dorf ein schickes Cafe hatte, in dem es allerdings nichts zu essen gab, scheinen die Kneipen hier auf den ersten Blick knapper zu sein. Immerhin finde ich aber eine Art Café in einer alten Kirche. Es gibt Espresso aus Plastikbechern, Mineralwasser, Eis am Stiel und zum ersten Mal auf meiner Reise die Frage, ob ich denn keine Angst habe, so ganz allein.

Negotin-Vidin_2016-09-14

Am frühen Nachmittag bin ich in Vidin und habe also noch genug Zeit, mir ein paar Dinge anzusehen. Das ist zunächst einmal eine sympathische Kunstgalerie mit bulgarischen Werke aus dem 20. Jahrhundert. Ein Museumswärter schaltet das Licht an, als ich komme, Eintritt möchte er nicht. Dann eine Moschee, die offensichtlich sehr alt ist, der man den Halbmond auf dem Minarett durch ein anderes Symbol ersetzt hat, die aber durchaus noch als Moschee in Betrieb ist. Und schließlich eine mittelalterliche osmanische Festung. Überhaupt erkennt man die osmanischen Einflüsse überall, kein Wunder, über 500 Jahre regierten hier die Osmanen.

15.9.2016 Vidin -Lom –Ruse

Strecke: 56 km mit dem Rad, um die 300 km mit der Bahn

Wetter: wieder über 30 °C, Sonne

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Zwischen Serbien und  Bulgarien gibt es eine Zeitverschiebung um eine Stunde, gut, wenn man etwas Strecke hinter sich haben will, bevor es zu heiß wird.  Die Straße aus Vidin heraus führt durch ein Industriegebiet und ist Zubringer zu einer Autobahn. Entsprechend unangenehm ist der LKW-Verkehr. Es gibt allerdings zu Beginn eine kleine, holprige Nebenstraße. Ich nehme sie kurzzeitig und prompt öffnet sich meine Wasserflasche. Das wäre nicht so schlimm, wenn das Wasser nicht ausgerechnet mein  Handy ertränken würde. Es funktioniert erst einmal nicht mehr. Unangenehm, mitten auf irgendwelchen abgelegenen Landstraßen mitten in Bulgarien. Dafür hält irgendwann neben mir die Französin an, die ich nun schon mehrmals getroffen habe. Wir bleiben bei der weiteren Fahrt zusammen. Sie stammt aus Paris und hat zwischen Studium und Jobsuche ein paar Monate Zeit für eine längere Radtour.

Es geht durch eine hübsche, wenn auch nicht sonderlich spektakuläre Hügellandschaft, teilweise auf einer asphaltierten, aber sehr holprigen Straße, teilweise auf einer nagelneuen.

Wir beschließen,  von Lom aus einen Zug  nach Ruse zu nehmen. Der soll nach der Auskunft am Bahnhof etwa eine Stunde später fahren. Was wir mangels Sprachkenntnissen nicht verstehen ist, dass wir für die Strecke von etwas mehr als 300 km zweimal umsteigen müssen und insgesamt etwa 8 Stunden brauchen sollen (tatsächlich werden es 9) – das merken wir erst im Zug. Überhaupt ist die Fahrt abenteuerlich: ein paar Jugendliche helfen uns, mit unseren großen Gepäckmengen und den Rädern die sehr steilen Stufen in den Zug hoch, wir verstauen die Räder irgendwie zwischen zwei Wagons, vor beinahe jedem Halt räumt der Schaffner sie um.

Dann umsteigen innerhalb von 7 Minuten. Wieder gibt es mehrere hilfsbereite Leute, die mit uns zusammen  den ganzen Krempel in den Zug direkt gegenüber bugsieren. Es handelt sich um die uralt-Version eines deutschen IRE, einem ohne echten Fahrradstellplatz. Die Türen werden durchweg nicht richtig geschlossen, ob wegen der Lüftung bei wieder über 30 ℃ oder weil sie nicht zu schließen sind, weiß ich nicht.

Dann haben wir fast zwei Stunden Aufenthalt (Kaffee, Eis, Hotel buchen) in Mesdra, bevor wir wieder den Bahnsteig entlangrennen, um ganz nach hinten in den Zug zu kommen, wo die Räder hinsollen. Fahrradtaschen hineinwerfen, Fahrräder unendlich steile Treppen heraufheben. Immerhin finden wir einen guten Platz, sowohl für die Räder als auch für uns. Und das Beste: am Abend funktioniert mein Handy wieder.

16.9.2016 Ruse und Umgebung

Strecke: keine mit dem Rad

Wetter: ca. 33 °C, Sonne (schon wieder!)

Übernachtung: City House Hotel

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Wir bleiben beine in Ruse und beschließen, für den Tag ein Auto zu mieten, um ein paar Sehenswürdigkeiten in der Umgebung anzuschauen. Die Autovermietung, bei der wir am Vormittag landen, wirkt etwas fragwürdig, es ist nur ein Parkplatz, eine Sitzgelegenheit, ein etwas windiger Vermieter, der gut Englisch spricht, wenn er gerade keine Fragen von uns beantworten soll. Der Vertrag, den wir schließlich trotz Bauchschmerzen unterschreiben,  ist ausschließlich bulgarisch, die Frage nach der Selbstbeteiligung löst ungläubiges Kopfschütteln aus, immerhin geht nach mehrmaligem Nachfragen ein Kollege des Vermieters um das Fahrzeug herum und fotografiert es aus allen Richtungen.

Schließlich geht es los, zuerst zum FelsenkloIMAG0162.jpgster in Basarovo. Es handelt sich um einige in die Felsen hineingebauten Räume und eine kleine Kirche. In fast jedem Raum haben Besucher vor uns Münzen hinterlassen und Zettel mit Namen darauf.

Als nächstes die Orlova Chuka Höhle. Es handelt sich um ein insgesamt 14 km langes Hoehlensystem mit zahlreichen Tropfsteinen, und, irgendwo im hinteren Teil riesigen Fledermauskolonien. Wir sind für diese Tour die einzigen Besucherinnen und werden von einem Führer durch die Höhle gelotst, der recht gut französisch spricht und zu jeder Felsformation erklärt, was sie darstellen könnte – Schneewittchen zum  Beispiel oder einen Thyrannosaurus Rex. Zweimal auf dem Weg singt er auch, an Stellen mit besonders guter Akustik.

Danach fahren wir noch zur Cherven Festung und zu den Felsenkirchen von Ivanovo. Von der Festung ist nicht mehr viel zu sehen, vor allem eine Reihe von Grundmauern zu denen es aber keinerlei Erklärung gibt. Von den Felsenkirchen finden wir eine, wir wissen nicht, ob und wie die zahlreichen anderen, die es in der Umgebung geben muss, zugänglich sind. Wirklich beeindruckend ist aber sowohl bei der Festung als auch bei der Felsenkirche die Umgebung. Der erste Eindruck ist der einer sanften Hügellandschaft, gelegentlich gibt es aber tiefe Taleinschnitte mit steilen Sandsteinfelsen, Höhlen und darin eben auch einige sehr alte Kirchen, etwa aus dem 14. Jahrhundert.

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17.9.2016 Ruse – Tutrakan

Strecke: 66 km,

Wetter: Sonne, 35 °C (Tendenz zu unerträglich warm)

Übernachtung: Hotel Lodkata, direkt an der Donau, hübsche Terasse

Tutrakan_2016-09-17
Tutrakan_2016-09-17

Der Weg in Ruse ist noch recht gut, es gibt gut ausgebaute Radwege. Danach wird es erst einmal grausam: es folgt eine vierspurige, autobahnähnlich ausgebaute Strasse. Wenn es ein Seitensträßchen gibt, dann führt es neben Industriegebieten mit Hunden entlang, die manchmal unvermittelt laut bellend herausstürzen.

Irgendwann wird die Strasse zweispurig, der Verkehr bleibt aber unangenehm. Und dann stelle ich den ersten Platten am Hinterrad fest. Ich schiebe das Rad zur nächsten Bushaltestelle, wo etwas Platz und außerdem Schatten ist und versuche mich an der Reparatur. Nach dem ersten Loch stelle ich ein zweites direkt daneben fest, versuche es ebenfalls zu reparieren. Vielleicht lasse ich dem Kleber nicht genug Zeit zum Antrocknen, jedenfalls funktioniert es partout nicht, immer pfeift Luft über dem Flicken hervor. Schließlich tausche ich den Schlauch aus. Das geht relativ schnell, aber nun habe ich keinen Ersatzschlauch mehr und nur wenige Flicken übrig. Glück habe ich, als kurz bevor ich fertig bin, ein Autofahrer neben mir hält und tatsächlich einen Kompressor dabei hat. Mit meiner winzigen Handpumpe bekomme ich kaum  ausreichend Druck auf den Reifen.

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Abgesehen von dieser Zwangspause fahre ich die heutige Strecke mehr oder weniger durch und bin gegen 13 Uhr in Tutrakan. Nachdem ich ein Hotel gefunden und gleich bezahlt habe, mache ich mich auf den Weg durch die Stadt und stelle nach kurzer Zeit fest, dass ich ein weiteres Problem habe: fast kein Geld mehr. Und die ganze Stadt hat gerade Stromausfall, also funktionieren auch die Bankautomaten nicht. Ich gebe meine letzten Lei für einen Ersatzschlauch aus. Flickzeug finde ich leider keines. Dann setze ich mich in den Park und trinke das Wasser aus, das ich vorher noch gekauft habe. Ich denke schonmal darüber nach, wie ich den Tag ohne Geld, Essen, Trinkwasser überlebe, als der Strom wieder anspringt. Ich werde also doch nicht verhungern.

18.9.2016 Tutrakan- Silistra

Strecke: ca. 73 km

Wetter: ca. 32 °C, nachmittags endlich Regen

Übernachtung: Hotel Danube, fünf Sterne (wenn auch nicht nach westeuropäischem Standard, dennoch ein schönes Haus)

Tutrakan-Silistra_2016-09-18
Tutrakan-Silistra_2016-09-18

Ich verzichte auf das Hotelfrühstück, das es erst ab 8 gibt, esse im Zimmer etwas und trinke unten noch einen Kaffee, dann geht es los, zunächst zwei wirklich steile Steigungen hoch. Der erste Teil des Radweges ist sehr schön, einsam, er führt über eine kleine, aber recht gute Landstrasse. Allerdings enthält er auch einen kleinen Teil auf dem so genannenten römischen Weg. Der ist so steinig, dass ich mein nicht wirklich geländegängiges Fahrrad trotz ebener Strecke ein Stück schiebe. Dann ein sehr ursprüngliches Dorf, Gänse auf der Strasse, traditionelle Häuser. Es gibt auch einen Brunnen, an dem ich anhalte. Ich frage einen Mann, der daneben steht, ob das Wasser trinkbar ist und er antwortet in schönstem Französisch. Er erzählt, dass er in Bruessel lebt und gerade seine Grossmutter in ihrem Heimatdorf besucht. Und ja, es ist Trinkwasser.IMAG0219.jpg

Weil die Karte noch einige schlechte Strecken ausweist, wechsle ich danach auf die Hauptstrasse mit zwar relativ wenigen aber sehr schnellen Autos und LKWs. Der Verkehr ist dabei heute, an einem Sonntag sicher nicht so schlimm wie an einem Wochentag.

Hinweis: andere Radfahrer sagen, dass der offizielle Radweg bis Popina OK ist, danach sei aber definitiv der Wechsel auf die Hauptstraße angesagt.

Gegen 14 Uhr erreiche ich dann Silistra und miete mich im besten Hotel der Stadt ein, dem Hotel Danube.

In der Stadt gibt es eine Reihe von Ruinen, mittelalterliche und roemische, auch hier mit wenigen Informationen. Mitten zwischen diesen Ruinen: ein Einkaufszentrum. Die Museen, eine Kunstgalerie und ein Geschichtsmuseum sind leider gerade geschlossen.

Mittlerweile haben mich die drei Belgier eingeholt, die ich schon in Donji Milanovac getroffen habe, also gehen wir gemeinsam essen, ziemlich gut sogar. Sie haben zwischendurch ebenfalls per Bahn „geschummelt“.

 

 

Donauradweg durch Serbien: Belgrad – Negotin

10.September 2016, Berlin – Pančevo

Strecke: 51 km mit dem Rad, 1000 km mit dem Flugzeug 

Wetter: bewölkt, knapp 30 °C, schwül.

Übernachtung: Guesthouse Perla, 40 Euro für ein DZ mit Frühstück, hübsches, aber hellhöriges Zimmer.

Belgrad-Tulcea
Quelle: OpenStreetMaps

Vor dem Urlaub haben meine Kollegen auffällig oft wiederholt, dass ich auf mich aufpassen und gesund zurückkommen soll. Das färbt ab. Ich bin also etwas nervös, als ich mich allein zu meiner Radtour aufmache.

Es geht sehr früh morgens mit der Fahrt zum Flughafen los. Dort schraube ich die Pedale ab, stelle den Lenker quer und lege versuchsweise die mitgebrachte Plastikplane über das Fahrrad. Lasse das Rad doch unverpackt. Pro Forma klebe ich nur Luftpolsterfolie über Scheinwerfer, Rücklicht, Umwerfer.

Ich bin über zwei Stunden vor Abflug am Flughafen. Und natürlich ist es auch dieses Mal wie erwartet: es dauert alles länger. Die sehr nette Frau am Check In ist auch für das Kassieren der Gebühr für den Fahrradtransport zuständig, weil Air Serbia keinen eigenen Ticketschalter hat. Sie nimmt weder EC, noch Kreditkarten und kann Bargeld nicht wechseln. Stattdessen läuft sie um den halben Flughafen, um einen Quittungsblock zu besorgen und mir von Hand eine Quittung auszustellen. Ausserdem muss sie sich bei jemandem, der nicht zu erreichen ist, nach dem Preis für die Fahrradmitnahme erkundigen. Wenn ich nun noch am Sperrgepaeckschalter diskutieren muss und vielleicht noch einpacken, und dann meine Fahrradtaschen mit dem Werkzeug abgeben… dann kann es trotz des großen Puffers knapp werden.

Wird es aber glücklicherweise nicht. Die Dame am Sperrgepäckschalter fragt nur kurz nach, ob ich sicher bin, mein Fahrrad so aufgeben zu wollen, dann nimmt sie es. Ich komme nicht einmal dazu, etwas Luft herauszulassen.

Wenige Stunden später bekomme ich mein Rad und das Gepäck in Belgrad zurück, alles in gutem Zustand, auch die Luft ist noch in den Reifen. Es kann losgehen.

Wie erwartet ist die Fahrt durch Belgrad nicht sehr erfreulich, verkehrsreich, staubig, und alle paar Meter halte ich an, um sicher zu gehen, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin.

Nach etwa 25 Kilometern habe ich es endlich geschafft: ich bin aus der Stadt raus und habe die Wegweiser des Donauradwegs erreicht. Später stelle ich fest, dass diese Donaubrücke wegen des Verkehrs berüchtigt ist. Für Fahrräder ist sie theoretisch gesperrt, aber es gibt keine Alternative und so gehört die Kraftfahrstraße zur offiziellen Fahrradroute. Mich stört der Verkehr nach der Stadtdurchfahrt in Belgrad nicht mehr. Hinter der Donaubrücke stellt mich ein Wegweiser vor die Wahl: „Wir konnten die Strecke nicht auf der Straße markieren, weil sie für Fahrräder nicht zugelassen ist. Der Radweg führt deshalb etwa 10 km auf einer Staubstrasse entlang. Fahrräder werden auf der Kaftfahrstrasse aber toleriert.“ Es folgt eine Beschreibung der verbotenen Strasse. Ich entscheide mich für die Erlaubte. Sie ist trocken und in diesem Zustand zwar etwas holprig, aber gut machbar.

Pančevo ist eine Mischung aus nachsozialistischem Verfall, schönen alten Gebäuden, sehr viel Fussgängerzone, einer grösseren Grünanlage in der Stadtmitte und unendlich vielen Cafes und Eisdielen.

Deutlich schlechter sieht es mit Restaurants aus. Schliesslich finde ich eines, in dem ich eine recht gute Fischsuppe und ein Bier, zusammen für umgerechnet etwa drei Euro bekomme.

11.9.2016 Pancevo – Stara Palanka

94 km inklusive Schlagloch-Slalom,

Wetter: ca. 30 °C, Sonne

Übernachtung in Stara Palanka, billig aber schmuddelig

Pancevo-Stara_Palanka_2016-09-11
Pancevo-Stara_Palanka_2016-09-11

Ich bin gegen 6 Uhr wach und entschließe mich, Reste von gestern aufzuessen und auf das Hotelfrühstück zu verzichten. So bin ich um kurz nach 7 unterwegs. Einen Kaffee bekomme ich einen Ort weiter.

Der Weg führt zunächst auf eine Hauptstraße entlang, die Sonntags morgens um diese Zeit glücklicherweise nicht sehr befahren ist. Es geht an einer riesigen Raffinerie vorbei, es riecht nach Mineralöl. Es gibt hier auch einen Radweg, der in relativ gutem Zustand ist, den ich aber angesichts der freien Straße am Sonntag morgen nicht benutze.

Achtung: später erfahre ich, dass dieser Radweg berüchtigt ist für Dornenpflanzen, die sich durch jeden(! Ja, auch Schwalbe Marathon!) Fahrradmantel arbeiten und im Schlauch viele Löcher gleichzeitig verursachen.

Schließlich biegt der Weg zur Donau hin ab und führt dann über etwa 25 km auf einem nicht asphaltierten Dammweg entlang. Landschaftlich ist das reizvoll: sehr einsam, rechts neben dem Weg eine Art Feuchtgebiete aus einem Donauarm, wenn man auch die Donau selbst selten sieht. Der Weg lässt sich zu Beginn noch recht gut befahren, allerdings rutschen mir von Anfang an öfter die Fahrradtaschen aus der Halterung, immer wenn ich durch ein Schlagloch fahre. Vielleicht hätte ich vor der Tour doch in neue Taschen investieren sollen, ich fahre noch mit welchen, die ich vor mehr als 10 Jahren im Supermarkt gekauft habe.

 

Als ich mittags endlich Kovin erreiche, brauche ich eine Pause. Zum schlechten Weg kommt, dass es wieder schwül ist und wieder um die 30 °C. Ich finde in Kovin ein Eiscafé. Kaum versuche ich, unbeholfen meinen Kaffee zu bestellen, holt sich die Bedienung auch schon Hilfe von einer Frau an einem der Tische. Die Frau spricht hervorragend deutsch, bittet mich zu sich und ihrem Mann an den Tisch und erzählt, dass sie in den 70er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kamen und seither in Wahrendorf leben.  Das Eiscafé gehört zur Familie. Ich verbringe die Pause mit dem Paar, bekomme noch die Kneipe nebenan gezeigt, die dem in Deutschland lebenden Sohn gehört, dann geht es weiter, nach der Erfahrung am Vormittag die Strasse entlang. Landschaftlich nicht so schön, aber asphaltiert.

Im Laufe des Nachmittags begegnen mir auch die ersten Radwanderer: zwei Spanier, die bereits den Weg aus Nordspanien hinter sich haben und vielleicht nach Thailand wollen, vielleicht aber auch nicht.

Eine Unterkunft suche ich mir wie geplant in Stara Palanka, einem Ort, der offenbar ausschließlich aus zwei oder drei Fischrestaurants und ein oder zwei Unterkünften besteht. Das Zimmer, das ich bekomme, ist zwar gelb gestrichen und hat bunte Bettwäsche, die Betten sind aber eher Sofas,  das Bad ist schmutzig, der Duschvorhang droht, herunterzukommen und den Teppich möchte man nicht näher ansehen.

Und dann stelle ich fest, dass ich meinen Pass im Hotel in Pančevo vergessen habe. Und die Unterlagen zum Rückflug. Es sollte eigentlich kein großes Problem sein: ich habe noch den Personalausweis und der reicht im Prinzip für die Ein- und Ausreise nach Serbien aus. Trotzdem erst einmal ein Schreck: meine beiden Reiseführer behaupten, dass der Pass nötig ist.

12.9.2016 Stara Palanka – Donji Milhanovac

Strecke: 101 km

Wetter: wieder sonnig und heiß, ca. 31 °C

Übernachtung: Pension Jankovic: sehr sauber, Gemeinschaftsbad, schöner Balkon direkt an der Donau, kein Frühstück

Stara_Palanka-Donji_Milanovac_2016-09-12
Stara_Palanka-Donji_Milanovac_2016-09-12

Kurz vor 8 bin ich unterwegs, zunächst mit der Fähre über die Donau nach Ram. Mit etwas Verspätung komme ich dort  an und kann losfahren. Die Strassen sind heute durchweg asphaltiert und einigermaßen gut. Es geht  ein kleines Stück ins Landesinnere, über ein paar Hügel durch das Städtchen Veliko Tradiere, danach an der Donau entlang. In Vinci, einem kleinen Ort am Weg gibt es eine Kuriosität: einen nagelneuen, wunderbar ausgebauten Radweg, der aber zur Strasse hin so mit einer Leitplanke abgesperrt ist, dass man keine Chance hat, ihn auch zu nutzen.

Stara_Palanka-Donji_Milanovac_2016-09-12

Hinter Golubac wird die Landschaft wird spektakulär. Die Donau verengt sich von einem breiten See und fließt dann zwischen hohen Felsen der Karpaten hindurch. Am Eingang stehen die Ruinen einer mittelalterlichen Burg. Danach geht es direkt am Fluss  Weitgehend liegt der heutige Weg sogar im Schatten.  Abgesehen natürlich vom weitesten Anstieg des Tages: der kommt nachmittags und liegt in der prallen Sonne.

Unterwegs treffe ich heute drei Belgier, die auf dem gleichen Weg sind wie ich. Während ich an einem Flussradweg in Deutschland schnell weiterfahren würde – es sind ja so viele Radfahrer unterwegs – halte ich hier sofort an und plaudere ein bisschen mit ihnen. Auch sie übernachten in Donji Milanovac, scheinen insgesamt aber etwas langsamer unterwegs zu sein als ich. Am Abend trinken etwas zusammen und gehen dann noch gemeinsam essen.

Derweil hoffe ich, dass sich mein vergessener Pass nicht zum Problem entwickelt. Das Hotel möchte erst Geld sehen, bevor sie ihn verschicken, die serbische Botschaft schrieb auf meine unvorsichtige Nachfrage, dass es Probleme geben könnte, wenn ich mit einem anderen Dokument ausreisen möchte als ich eingereist bin.

13.9.2016 Donji Milanovac- Negotin

Strecke: 124,6 km,

Wetter: Vormittags bewölkt und angenehm, ab Mittag wieder über 30 ℃

Übernachtung: Hotel Vila Delux, kleiner Pool, ordentliches Zimmer.

Donji_Milanovac-Negotin_2016-09-13
Donji_Milanovac-Negotin_2016-09-13

Der Ausblick ist atemberaubend. Am Vormittag halte ich alle paar Minuten an und mache ein Foto – leider nur mit meinem Handy, einen anderen Fotoapparat habe ich nicht dabei. Die Donau fließt hier zwischen engen Felsen hindurch, verengt sich, weitet sich wieder und verengt sich von neuem. Der Radweg führt kurzzeitig direkt über dem Fluss entlang, man hat wunderbare Ausblicke. An einem Rastplatz über der Donau treffe ich eine junge Französin, die ebenfalls mit dem Rad und ebenfalls allein unterwegs ist. Allerdings deutlich weiter als ich: von Paris nach Istanbul.

Donji_Milanovac-Negotin_2016-09-13

Gegen Mittag bin ich in Kladovo und versuche, bei einer Bank das Geld einzuzahlen, damit mein erstes Hotel mir den Reisepasses nach Hause schickt. Die erste Bank schickt mich zu einer zweiten. Dort sagt man mir, dass die Nummer, die ich per SMS bekommen habe, keine Kontonummer, sondern eine Kartennummer ist und man dorthin kein Geld überweisen kann. Geld loszuwerden scheint nicht immer einfach zu sein.

Donji_Milanovac-Negotin_2016-09-13
Donji_Milanovac-Negotin_2016-09-13

Vorerst fahre ich weiter. Die nächste Stadt ist relativ weit entfernt, insgesamt sind es am Ende fast 125 km und ich bin ganz schön erschöpft, als ich ankomme.   Der zweite Teil des Tages bietet landschaftlich auch nicht mehr sehr viel: gelegentlich ist die Donau zu sehen oder mal ein Taleinschnitt, aber mit den wunderbaren Blicken auf den Donaudurchbruch ist es vorbei.

14.9.2016 Negotin-Vidin

Strecke: 72 km

Wetter: ab Mittag wieder ca. 32.℃

Übernachtung: Hotel Dunav, schönes altes Haus, schlechtes Frühstück

Vidin_2016-09-14
Vidin_2016-09-14

Nach dem Frühstück fahre ich zuerst bei der Post vorbei und gebe einen Brief mit Geld für das Hotel ab, das mir meinen Pass schicken soll. Dann geht es los. Der Radweg führt über eine Nebenstraße, die ein gutes Stück länger ist als die Hauptstraße. Sie ist etwas holprig, aber es gibt nur zu Beginn noch ein wenig Verkehr, danach habe ich die Fahrbahn für mich allein. Nach 25 km bin ich an der Grenze nach Bulgarien, der serbische Zoll hat kein Problem damit, dass ich mit Reisepass eingereist bin und mit Personalausweis wieder ausreise.

Die Landschaft auf dem weiteren Weg hat nichts Spektakuläres, es ist eine sanfte Hügellandschaft, immerhin geht es eine Zeit lang durch eine hübsche Allee.

Während in Serbien jedes Dorf ein schickes Cafe hatte, in dem es allerdings nichts zu essen gab, scheinen die Kneipen hier auf den ersten Blick knapper zu sein. Immerhin finde ich aber eine Art Café in einer alten Kirche. Es gibt Espresso aus Plastikbechern, Mineralwasser, Eis am Stiel und zum ersten Mal auf meiner Reise die Frage, ob ich denn keine Angst habe, so ganz allein.

Negotin-Vidin_2016-09-14

Am frühen Nachmittag bin ich in Vidin und habe also noch genug Zeit, mir ein paar Dinge anzusehen. Das ist zunächst einmal eine sympathische Kunstgalerie mit bulgarischen Werke aus dem 20. Jahrhundert. Ein Museumswärter schaltet das Licht an, als ich komme, Eintritt möchte er nicht. Dann eine Moschee, die offensichtlich sehr alt ist, der man den Halbmond auf dem Minarett durch ein anderes Symbol ersetzt hat, die aber durchaus noch als Moschee in Betrieb ist. Und schließlich eine mittelalterliche osmanische Festung. Überhaupt erkennt man die osmanischen Einflüsse überall, kein Wunder, über 500 Jahre regierten hier die Osmanen.

„Donauradweg durch Serbien: Belgrad – Negotin“ weiterlesen

Prag – Budapest-Belgrad 2015

Quelle: OpenStreetMaps
Quelle: OpenStreetMaps

Im September 2015 fahren mit zu zweit dem Rad von Prag (bis dorthin sind wir einige Jahre vorher schon gekommen)  nach Belgrad. Zwischen Prag und Belgrad habe ich vorab eine Strecke auf kleinen Straßen herausgesucht und in Osmand importiert, danach geht es auf dem prima ausgeschilderten Donauradweg weiter.

29.8.2015 Uvaly – Kolin

46 km ( +3,6 km zum Bahnhof)

Sonne, 30 °C

Die Fahrt beginnt morgens in Berlin. Wir laden unsere Räder in den ziemlich voll besetzten Zug nach Prag. Theoretisch müssten wir in Dresden aussteigen und zwei Stunden warten, weil ab Dresden die wenigen Fahrradplätze ausgebucht sind. Und das, obwohl wir uns schon einen Monat vorher um die Karten bemüht haben. Wir beschließen, im Zug zu bleiben. In Dresden gehe ich zum Fahrradabteil und dirigiere gemeinsam mit einen anderen Reisenden einsteigende Räder mit gebuchten Plätzen hin und her. Am Ende stehen alle Räder im Abteil und kein einziges auf seinem gebuchten Platz. Alles klar, ich bin zufrieden, alle anderen auch, wir fahren weiter und gehen im Bordrestaurant essen.

Da wir keine Lust auf die Straßen aus Prag heraus haben, nehmen wir für vielleicht 20 km einen Vorortzug nach Uvaly, dann geht es mit dem Rad weiter. Die Navigation per osmand funktioniert prima und die kleinen Straßen, die ich zu Hause herausgesucht habe, sind sogar hübscher als gedacht. Über lange Strecken fahren wir durch sanfte Hügellandschaften, sehr oft auf Alleen aus Apfelbäumen.

Unser Ziel für den heutigen Tag, Kolin, sieht von weitem langweilig aus: Plattenbau an Plattenbau. Der Eindruck ändert sich aus der Nähe, es gibt einen alten, eindrucksvollen, sehr schönen Marktplatz und ein Rathaus aus dem 15. Jahrhundert.

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30.8.2015 Kolin -Zdar nad Sazavou

102 km inclusive Verfahren, über Žleby und Chotebor, 30 °C, Sonne, Sonne, Sonne

Übernachtung: Pension v Kapel, in einer alten Kapelle, sehr hübsch eingerichtet freistehender Badewanne im Zimmer, sehr zu empfehlen

Die ersten 30 km sind flach, der Weg führt manchmal am Wasser entlang, ansonsten zwischen Feldern hindurch. Zur ersten Pause folgt die erste Steigung: Um an unsere Limonade zu kommen, müssen wir nach Žleby hinunter, zum Berg mit einem Schloss hinauf und später zurück.

Wir haben für Tschechien keinen Reiseführer dabei. Das bedeutet: die Landschaft und jede Sehenswürdigkeit kommt als Überraschung. Wie eben Das Schloss in Žleby und wie auch die Steigungen, die danach kommen. Nicht sehr steil, Aber endlos. Gern in der Sonne und heute bei mehr als 30 Grad im Schatten.

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Es bleibt übrigens dabei, dass die Alleen hier deutlich interessanter sind als zu Hause. Sie bestehen aus Birnen, Apfel, Mirabellen, Pflaumen und Kirschbäumen. Und gerade jetzt ist das Obst reif.

Unsere Pension ist in einer ehemaligen Kapelle, mitten in einer Klosteranlage.

31.8.2015 Zdar nad Sazavou- Brno

77 km, Ca. 35 Grad, Sonne

Es geht weiter mit den Steigungen. Am Vormittag kommen wir ganz gut voran, die Berge kriegen wir noch hin, die Landschaft ist abwechslungsreich, nur die Strecke, bis wir in Strisow auf ein Café treffen, ist sehr lang – die kleinen Orte auf dem Weg haben meistens keine Dorfgaststätte (schwerer Fehler).

Nach der Pause und dem mittäglichen Eisbecher wird es dann aber doch unerträglich heiß, die Steigungen lassen nicht nach und zeitweise gibt es ziemlich viel Verkehr. Wir halten alle paar km an, weil wir sehr erschöpft sind.

Gegen halb 5 dann kommen wir endlich in Brno an: lebendige Stadt, knapp 400.000 Einwohner, auffällig viele junge Leute – Brno ist Universitätsstadt. Außerdem eine ehemalige Festung, viele Kirchen und Stuckfassaden.

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1.9.2015 Brno -Hodonin

65 km, 35 Grad , Sonne

Eigentlich haben wir uns heute die Strecke bis Senica, ca. 90 km vorgenommen. Aber es ist einfach zu heiß. Um 13 Uhr machen wir eine Mittagspause, gefolgt von einem Radler und einem Eisbecher. Dann geben wir auf und mieten uns kurz vor der slowakischen Grenze in einem Hotel mit sozialistischem Charme ein.

2.9.2015 Hodonin -Nitra

126 km, etwas bewölkt, dann Sonne, ca. 25°C

Unser sozialistisches Hotel hat den Vorteil relativ früher Frühstückszeiten, wir sind wir früh unterwegs. Das Wetter ist deutlich angenehmer, zwar windig, aber oft genug kommt der Wind von hinten. Zum Ausgleich erwischen wir nicht immer den richtigen Weg: Zweimal lässt uns das Navi im Stich. Es will uns durch einen Bach und über einen Zaun schicken. Wir weigern uns und fahren stattdessen Umwege.

Dann verpassen wir noch einen Abzweig. Statt auf einem vermutlich sehr bergigen Waldweg durch die kleinen Karpaten fahren wir auf einer größeren Straße durch die Berge. Das erspart uns zweifellos einen Teil der Steigungen und schlechte Wege, dafür haben wir es mit unendlich vielen LKWs zu tun, die uns auf der recht schmalen Fahrbahn in Irrsinnstempo überholen. Die meisten in sinnvollem Abstand, aber es gibt Ausnahmen.

Nachmittags kommen wir in Nitra an, einer Stadt mit knapp 80.000 Einwohnern, einer Burg und einigen bedeutenden Kirchen. Im Übrigen Eine Stadt, von der ich zuvor noch nie gehört hatte.

Übernachtung: City Hotel Nitra, schönes, modernes Zimmer, am autofreien Hauptplatz gelegen, Bad mit Glaswand.

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3.9.2015 Nitra – Sturovo

96 km, Sonne, kurz Regen, um 27 Grad

Der größte Teil der Strecke ist flach, und führt auf wenig befahrenen Straßen entlang. Ein kurzer Abschnitt auf einem sehr schlechten Feldweg bringt uns dazu, bei nächster Gelegenheit einen Umweg über die Landstraße zu machen.

Sturovo liegt gerade noch in der Slowakei, gegenüber von Esztergom mit seinem sehr beeindruckenden Dom. Den sehen wir am Nachmittag noch an, danach ein Spaziergang über die Donaubrücke. Wir beobachten, wie an der Grenze wieder kontrolliert wird, der erste Hinweis darauf, dass wir nah an der aktuellen Flüchtlingsroute sind: jeder Kleinbus oder Laster wird offenbar nach Flüchtlingen durchsucht. PKW und Fußgänger kommen ohne Kontrolle durch.

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4.9.2015 Starovo – Budapest

85 km, morgens bewölkt, dann Sonne

Ich hatte für die Strecke bis Budapest eine „Abkürzung“ herausgesucht, allerdings möglicherweise eine recht bergige. Wir entscheiden uns stattdessen für dem eigentlichen Radweg an der Donau entlang. Hübsch, relativ abwechslungsreich mit Abschnitten in natürlichen Wäldern und an Donaustränden. Das Wasser wirkt wunderschön klar, dennoch ist es mir heute zu aufwändig, unterwegs baden zu gehen. Vielleicht klappt es in den nächsten Tagen noch, falls das Wasser hinter Budapest noch in Ordnung ist. Unangenehm ist die lange Fahrt in die Stadt hinein: sehr viel Verkehr, Radwege sind Glückssache.

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5.9.2015 Budapest

Keine Radtour heute, stattdessen: Im Thermalbad gewesen (Gellert, Anfang 20. Jahrhundert, viele Mosaiken, sehr schön) Auf den Burghügel gegangen, das örtliche historische Museum angesehen, weil es dort ein Klo gibt, das ich gerade brauchte. Mittelmäßige Nudeln in einer Touristenkaschemme gegessen, ausgeruht, verschiedene Versuche gestartet, teuer zu Abend zu essen, weil die Restaurants voll waren, dann aber in einer Kneipe Kleinigkeiten zu uns genommen.

6.9.2015 Budapest – Dunaföldvar

105 km, Sonne und Wolken, windig

Den Weg aus Budapest heraus finden wir relativ einfach, dann geht es an einem Seitenarm der Donau entlang. Der Weg ist nun ganz flach, meistens gut ausgebaut, Ein paar Abschnitte auf Trampelpfaden gibt es aber auch noch.

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Am Nachmittag stellt es sich als einigermaßen schwierig heraus, ein Zimmer zu finden: im Internet sind nur zwei Unterkünfte angegeben, in einer gibt es kein eigenes Bad zu den Zimmern. Mir egal, aber mein Begleiter will kein Bad teilen. Also dauert es Eine Weile, bis wir doch im Rosmarin landen. Eine kleine Pension, etwas museumsartig, mit Zimmern, die mit hübschen alten Möbeln vollgestellt sind und „Nostalgie“, Sozialismus“ und „Romantik“ heißen.

7.9.2015 Dunaföldvar- Baja

92 km, Sonne und Wolken, 20 Grad

Zum Frühstück schickt unser Wirt uns in das Gymnasium gegenüber, wo es im Kiosk am Eingang belegte Brötchen und Kaffee gibt. Eine Englisch-Lehrerin hilft ins bei der Bestellung, wir sehen zu, wie die Schüler*innen eintrudeln. Dann fahren wir wieder. Außer einer Straßenumfahrung durch Weinberge mit sehr schlechtem Weg gibt es keine Steigungen. Teile der in unserem Radreiseführer noch als unbefestigt angegebenem Weg sind zudem mittlerweile asphaltiert. Landschaftlich ist der Weg ganz schön, wenn so ein Flussradweg auch immer ein bisschen eintönig ist.

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Am Nachmittag sind wir dann im Baja. Hübsche Stadt, riesiger Marktplatz, die beiden Museen sind schon geschlossen, als wir ankommen.

Abendessen gibt es in einem sehr guten Fischrestaurant, Vendio an der Donau.

8.9.2015 Baja – Osijek

115 km, Sonne, Wolken, um 20 Grad

Unser Weg führt fast endlos lange auf einem Deich an der Donau entlang. Landschaftlich ganz hübsch, auf der Donauseite liegt ein Nationalpark, der offenbar als Überschwemmungsgebiet dient. Der Weg ist sehr gut ausgebaut. Dennoch: nach einiger Zeit wünscht man sich fast die abwechslungsreicheren Berge zurück.

Gegen Mittag überqueren wir die Grenze nach Kroatien. Relativ unkompliziert, LKWs müssen allerdings länger warten.

Wieder gibt es Nun eine neue Währung, die Vierte auf dieser Reise. Die verschiedenen Scheine sammeln sich langsam an.

Kurz vor 5 erreichen wir schließlich Osijek, die größte Stadt Slawoniens. Bislang wusste ich nicht einmal, dass ein solcher Landesteil existiert.

Es gibt viele alte, imposante Häuser mit viel Stuck. Gründerzeitliche Häuser vielleicht? Oder schon ältere? Einiges zerfällt, an manchen Häusern sind Einschusslöcher aus dem Bürgerkrieg zu sehen. Teile der Stadt sind aber auch frisch hergerichtet, es gibt schöne Parks, neue Brücken, gemütliche Plätze.

9.9.2015 Osijek – Ilok

91 km, Sonne, ca. 23 °C

Einschusslöcher sehen wir im Laufe des Tages noch mehr, in Osijek, in den darauf folgenden Orten und insbesondere in Vukovar, wo wir nachmittags Kaffee trinken. Hier hat man einen im Bürgerkrieg zerschossenen Wasserturm als Mahnmal stehen lassen. Daneben gibt es doch tatsächlich einen Souvenirshop, in dem man kleine kaputte Wassertürme kaufen kann.

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Unser Weg führt heute die ganze Zeit Auf Straßen entlang, teilweise auf zu großen Straßen, auf denen Laster an uns vorbeirauschen. Manchmal mit ordentlichem Abstand, wenn das Aber gerade nicht passt, auch mal millimetergenau.

Ende Der Fahrt heute ist in Ilok, die letzte Stadt vor der serbischen Grenze. Der Ort ist erstaunlich: schön hergerichteter Park, imposantes Museum in einem Schloss über der Donau, großes, schönes Hotel mit riesigem Restaurant. Und dann: in Der Innenstadt fast nur leerstehendes Häuser und Läden, Zerfall wohin man schaut.

10.9.3015 Ilok-Novi Sad

52 km, strömender Regen

Die Idee für den heutigen Tag: Nicht so weit fahren, dann noch genug Zeit für Novi Sad haben. Die Realität: Es regnet und regnet. Morgens überqueren wir die Grenze nach Serbien (schnell und unkompliziert) fahren ein Stück auf einer Hauptstraße mit viel Verkehr und Seen in den Spurrillen, dann weiter auf einem Deich ohne asphaltierte Straße.

Dann habe ich einen Platten. Es ist eiskalt und schüttet. Wir schieben bis zum nächsten Ort, unter der Dusche lässt sich ein Fahrrad schließlich auch nicht reparieren. An einer Bushaltestelle flicke ich das Rad. Ich erfriere fast. Als wir gegen Mittag in Novi Sad ankommen, ist unser Zimmer noch nicht fertig. Wir essen also erst einmal zu Mittag. Übrigens sehr gut und direkt in unserem Hotel Veliki. Dann duschen, ausruhen, ein Museum (Wojvodina Museum).

Übernachtung: Hotel Veliki, wir habe ein sehr hübsches kleines Apartment, und auch das zugehörige Restaurant ist sehr gut.

11.9.2015 Novi Sad – Belgrad

97 km, etwas Nieselregen, bewölkt

Hinter Novi Sad geht es zunächst über den Berg, ein lang anhaltender Anstieg, im Straßenverkehr. Erst nachdem die Steigung geschafft ist, wird auch die Straße, auf der wir fahren, kleiner.

In einem Dorf halten wir an und picknicken auf einer Bank am Wegesrand. Dann wollen wir im örtlichen Restaurant eigentlich nur noch eine Kleinigkeit. Die stellt sich aber doch als ziemlich groß heraus: meine Fischsuppe kommt in einem riesigen Topf, der an einem Haken über einem Spiritusfeuer hängt.

Vor Belgrad wird das Radfahren noch einmal ziemlich anstrengend, der Weg führt lange auf einer engen Straße durch sehr viel Verkehr. In die Stadt hinein geht es dann aber auf einem Radweg an der Save entlang.

Erster Eindruck von Belgrad: Schöne alte Gebäude im Überfluss in einer sehr lebendigen und auch ziemlich schicken Innenstadt, das Leben pulsiert. Es gibt ein kleines, aber sehenswertes Museum für moderne Kunst, eine beeindruckende Festung und sehr viele Cafés und Restaurants.

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2014: Logroño – Santiago de Compostela – Porto

Route
Quelle: OpenStreetMaps

Warum ein Jakobsweg, wenn auch zwei gehen? Wir fahren von Logroño zunächst den spanischen Haupt-Radweg nach Santiago de Compostela, dann weiter mehr oder weniger entlang des Camino Portugues nach Porto.

Unterwegs sind wir zu zweit, ohne Zelt, hier gibt es definitiv genügend Unterkünfte.

Open Street Maps behauptet, dass wir insgesamt etwas mehr als 10.000 Höhenmeter zurücklegen, aber immerhin ist es um Ostern noch nicht heiß, die Straßen sind weitgehend gut und landschaftlich schön. Am besten ist es, wenn man sich auch noch für Kathedralen interessiert.

14.4. Logrono – Santo Domigo de la Calzada 

Strecke mit dem Rad: 58 km

Übernachtung: Hesperia de las Cisterziensas

Die Ticketverkäuferin am Busbahnhof drückt uns einen Zettel in die Hand, auf dem steht, was man alles mit dem Fahrrad anstellen soll, bevor es in den Laderaum des Busses darf.  Also schrauben wir Vorderräder ab, drehen Lenker und entfernen Pedale. Schließlich stecken wir die Räder in riesige Mülltüten, die ich in Berlin zu diesem Zweck gekauft habe, und laden sie in den Bus nach Logroño.

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Dort kommen wir planmäßig 2 Stunden später an, machen die Verpackungsaktion rückwärts und könnten losfahren, wenn wir denn herausbekämen, welche Straße die Richtige ist. Stattdessen irren wir ungefähr eine Stunde durch die Stadt auf der Suche nach einer Straße, die keine Autobahn ist und trotzdem in ungefähr die richtige Richtung führt. Die Suche wird dadurch erschwert, dass “unsere” Landstraße gerade in eine Autobahn verwandelt wird. An einigen Stellen ist dieser Prozess schon abgeschlossen, an anderen nicht.

Als wir die Stadt endlich hinter uns gelassen haben, sind wir zunächst auf dem Wanderweg. Der ist an manchen Stellen halbwegs befahrbar, an anderen leider gar nicht. Also Straße. Das geht ein Stück ganz gut, dann nicht mehr. An uns rauschen endlose Lastwagenkolonnen vorbei. Die Sonne brennt, das Trinkwasser geht aus und es gibt lange Steigungen. Kurz vor Santo Domingo landen wir für ein paar Meter tatsächlich auf der hier schon fertiggestellten Autobahn. Als wir schließlich an unserem Ziel ankommen, sind wir völlig erledigt. Noch bevor wir unser Hotel suchen, stürzen wir in ein Cafe und bestellen jeweils mehrere Getränke gleichzeitig.

Das Städtchen Santo Domingo de la Calzada ist relativ klein, hat aber eine sehr schöne Altstadt mit vielen kleinen Geschäften – Schuhmacher, Metzger, kleine Lebensmittelgeschäfte, all die Läden, die an anderen Orten von großen Supermärkten ersetzt wurden. Außerdem gibt es eine Kathedrale mit zwei Hühnern darin. Wir sehen sie nur von außen, für die Besichtigung kommen wir leider zu spät.

Zum Ausgleich gibt es gutes Abendessen im Restaurant  Caballero. Als wir, kaum dass das Lokal für den Abend öffnet, gegen 19:30, kommen, ist uns schon klar, dass wir die ersten sein werden. Aber als wir gegen halb 10 noch immer allein sind, beginnen wir uns Sorgen um das Restaurant zu machen. Wo es doch wirklich gut ist. Kurz danach stellen sich die Bedenken als unbegründet heraus. Um 10 ist der Laden bis auf den letzten Platz besetzt, man isst eben spät hier.

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15.4.2014 Santo Domingo de la Calzada – Ibeas de Juarros

Strecke: 86 km

Bewölkt, Sonne und etwas Regen

Wir entscheiden uns gegen die Autobahn-Landstraßen-Kombination und für die kleinen Straßen, die der Radwanderführer vorschlägt. Die sind deutlich weiter, aber kaum befahren. Die Landschaft wirkt zwar eher hügelig als gebirgig, die Anstiege ziehen sich aber endlos hin. Es gibt zwischendurch auch Abfahrten, aber es ist klar, was länger dauert.

Schon am Vormittag verlassen wir die Rioja und pünktlich an der Grenze werden die Weinberge durch andere Felder abgelöst. Auffällig sind die vielen verfallenen Kirchen am Weg, umgeben von einigen ebenso alten und verfallenen Gebäuden. IMAG0109.jpg

Nachmittags gibt es noch Kaffee in einem alten Konvent, zwischen zahlreichen Pilgern, fast alle mit einer vom Rucksack baumelnden Jakobsmuschel. Da sind sie also wieder, die Pilgermassen. Habe ich erwähnt, dass wir auch dieses Mal unsere Pilgerpässe zu Hause gelassen haben? Nun gut, ich habe mit der Kirche auch nichts am Hut und mein Freund weigert sich ohnehin, eine Pilgerherberge in Betracht zu ziehen. Wir können auf die Pässe also verzichten.

Wir wären ganz gern bis Burgos gefahren, aber etwa 15 km vor dem Ziel streikt mein Freund. Wir landen in einer Art Ausflugshotel an der Straße. Kurz nach uns wird noch eine größere Busladung spanischer Rentner angekarrt. Burgos muss bis morgen warten.

16.4.2014 Ibeas de Juarros – Castrogeriz

Strecke: 70 km

Wetter: Sonne, ca. 23 °C

Für die letzten 11 km nach Burgos entscheiden wir uns für die Hauptstraße. Eine gute Wahl in diesem Fall, die Straße hat einen gut befahrbaren Seitenstreifen und wir sparen ums damit mehrere Anstiege.

In Burgos angekommen, sehen wir natürlich die Kathedrale an. Es ist die älteste Gotische in Spanien. Sie ist riesig, imposant und voller kleiner Kapellen. Viel Gold ist zu sehen, außerdem zahlreiche Gefäße für Reliquien. Welche Heiligen man dafür allerdings welcher Körperteile beraubt hat, erkenne ich nicht.

Burgos
Burgos

Während wir die Kirche besichtigen, sammeln sich in einer größere. Seitenkapelle Männer, viele davon offenbar Priester, ziehen aus ihren mitgebrachten Taschen weiße Gewänder und streife sie über. Sie treffen nach und nach ein, die Letzten huschen in die Umkleidekapelle, als ein Helfer sie schon abschließen will. Dann ziehen sie plaudernd in einen weiteren Kirchenraum und beginnen zu singen. Ein Gottesdienst offenbar, aber was es damit auf sich hat?

Gegen Mittag geht es weiter. Ein Stück müssen wir den Wanderweg nehmen, der nicht sonderlich gut befahrbar ist, außerdem geht es noch einige Male lange bergauf.

Die Nacht verbringen wir in Castrogeriz, einem netten größeren Dorf, in dem es von Pilgern und Pilgerherbergen wimmelt. Außerdem gibt es eine Burgruine und, wie überall, mehrere Kirchen.

Castrogeriz

17.4.2014 Castrogeriz – Sahagun

Strecke: ca. 94 km

Wetter: Sonne, ca. 24°C

Heute ist Gründonnerstag und wie wir im Laufe des Tages feststellen, ist das in Spanien ein Feiertag. Es sind viel mehr Pilger auf dem Weg als an den Tagen zuvor.

Die Landschaft wird zusehends flacher. Zwar gibt es noch einige Steigungen, sie sind aber meist kurz.

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Wir fahren einen guten Teil des Tages auf einer wenig befahrenen Landstraße neben dem Wanderweg entlang.Während wir zügig vorankommen, beobachten wir, wie die Wanderer am Morgen frisch und fröhlich losziehen und dann von Stunde zu Stunde erschöpfter aussehen. Als wir eine kleine Pause an einer Pilgerherberge einlegen, humpeln viele nur noch, wenn sie ihr Bier holen. Einen Franzosen am Tisch nebenan höre ich in sein Handy sprechen: „Das ist die Hölle, langweilig, anstrengend. Ich gehe noch zum nächsten Bahnhof, dann breche ich das hier ab.“ Offenbar versucht die Person am anderen Ende, ihn umzustimmen. Aber mein Nachbar bleibt dabei und nimmt einen weiteren großen Schluck aus dem Whiskeyglas.

Gegen 16 erreichen wir schließlich Sahagun, eine Kleinstadt mit zumindest einer bemerkenswerten Kirche, neben mehreren anderen, weniger besonderen. Drinnen sind bereits die Figuren für eine Osterprozession aufgebaut. Es sind um die 15 schwere Gestelle, mit Blumengestecken verziert und mit Darstellungen  von Christus mit Kreuz bis Christus am Kreuz. Bemerkenswert noch eine Art Schneewittchensarg mit darum drapierten schwarzen und violetten Kapuzenkostümen.

Wir haben gerade begonnen, in einem Restaurant zu essen, als erste, wie immer in Spanien, als wir von draußen Trommeln und Trompeten hören. Zwischen den Gängen laufe ich hinaus und sehe sie, die Figuren aus der Kirche und die Gestalten in Schwarz oder Violett, die sie tragen.

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18.4.2014 Sahagun – Leon

Strecke: 60 km, viel Sonne

Es ist schwierig, für Karfreitag kurzfristig ein Zimmer in Leon zu bekommen. Wir buchen schließlich eines, das eigentlich außerhalb unserer Preisklasse liegt. Per Handy, bei schlechter Internetverbindung. Kurz darauf stellen wir fest, dass etwas schief gegangen ist: Statt einer gibt es zwei Bestätigungsmails. Telefonisch versuchen wir, eine der Buchungen rückgängig zu machen. Man verspricht, zu helfen, aber bis zum Abend passiert nichts. Stattdessen gibt uns die Rezeptionistin, als wir ankommen, statt des gebuchten Zimmers eine Suite. Und erklärt, dass sie auch nichts tun könne, weil die Buchung über eine Internetplattform lief.

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In Leon ist einiges los, als wir ankommen. Schon auf  dem Weg werden wir von einem weiteren Osterumzug aufgehalten, er führt mitten auf unserem Weg vorbei. Wieder Trommeln, Christus am Kreuz, Träger in schwarzen oder lila Kostümen, mit kleinen Augenlöchern.

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Auf den nächsten Umzug haben wir dann von unserer Suite aus eine phantastische Aussicht.  Und am Abend hören wir die Trommeln noch lange.

19.4.2014 Leon – Astorga

50 km, vormittags Sonne, dann bewölkt und etwas Regen

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Vor Astorga biegen wir zu früh ab. Das bringt uns eine lange Strecke auf der viel befahrenen Nationalstraße ein. Nicht sehr schön, aber einigermaßen schnell. Der Weg ist zumeist relativ flach, nur gegen Ende gibt es einen erheblichen Anstieg. Morgen wird das wohl anders: da liegen 600 Höhenmeter vor uns.
Aber zunächst diese Stadt: Wieder einmal gibt es eine sehenswerte gotische Kathedrale, außerdem einen von Gaudy entworfenen Bischofspalast – der sieht ein bißchen nach Walt Disney aus und es hat nie ein Bischof darin gewohnt, außerdem gibt es eine Stadtmauer. Berühmt ist die Stadt offenbar auch für Süßigkeiten: vor allem für Gebäck, aber auch handwerklich hergestellte Schokolade gibt es an jeder Ecke.

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20.4.2014 Astorga – Villafranca del Bierzo

86 km, ca. 700 Höhenmeter, windig, bewölkt und etwas Regen

Wie erwartet ist der Tag ziemlich anstrengend. Mit langen, steilen Anstiegen hatten wir nach einem Blick auf die Karte gerechnet. Aber was soll der Wind? Und wieso ist es plötzlich so kalt?

Aber immerhin, die Bergdörfer, durch die wir kommen, sind sehr malerisch, Häuser aus rötlichem Naturstein drängen sich um enge Gassen. Und die Landschaft ist wieder abwechslungsreicher als im Flachland.

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Auch heute, am Ostersonntag haben einige Lebensmittelgeschäfte geöffnet. Wir kaufen Brot, das wir nicht essen, weil es einfach zu kalt und windig ist, um draußen zu sitzen. Stattdessen Kaffee und Bocadillo mit Hühnchen kurz vor dem Gipfel. Dann noch ein paar Meter nach oben hecheln, ein Foto am Cruz de Ferro und weiter.

Durch die Stadt Ponferrada mit ihrer eindrucksvollen Templerburg radeln wir mit einer kleinen Pause durch. Noch einiger Kilometer an einem Kanal entlang und ein letzter, viel zu langer Anstieg dann sind wir in Villafranca.

21.4.2014 Villafranca dem Bierzos – Samos

68 km,  geschätzte 1000 Höhenmeter, morgens blauer Himmel, danach kalt kalt kalt

Ein Blick in den Radwanderführer verheißt Fürchterliches: wir starten in einer Höhe von 505 Metern über dem Meeresspiegel, die höchsten Punkte der heutigen Tour liegen auf 1330 Metern. Im Plural, wohlgemerkt, zwischendurch geht es weit bergab.

Wir quälen uns also die Straße nach oben, teilweise auf einer nicht vorgesehenen Nebenstraße. Mein Partner vertritt die Auffassung, dass diese Abweichung von der offiziellen Route der einzige Grund für die Anstrengung ist. Nicht etwa der Höhenunterschied nein, auf keinen Fall!

 

Gegen Mittag picknicken wir zunächst draußen. Ein Fehler: Danach sind wir völlig durchgefroren. Der Versuch, uns in einem hässlichen Café aufzuwärmen misslingt weitgehend. Aber wozu geht der Anstieg hinterher weiter?  Wir werden nur mäßig warm, sind aber bald sehr verschwitzt. So wird uns auch bei der Abfahrt ins Tal noch ein bisschen kälter. Mein Freund zieht auf halbem Weg seine Handschuhe an, ich habe keine mit.

Wir sind heute sehr froh, als wir unser Ziel, Samos, erreichen.

Hier gibt es ein Kloster, das wir noch besichtigen. 14 Mönche leben im noch auf einen sehr eindrucksvollen Klostergelände von 3 Quadratkilometern. 8 davon sind schon über 80, wie in den meisten Klöstern ist Nachwuchs knapp. Das Kloster ist eine Mischung aus unterschiedlichsten Baustilen. Alles von romanischen bis zu modernen Elementen ist vertreten – wozu ist ein Teil des Klosters in den 60er Jahren abgebrannt.IMAG0261.jpg

Besonderes Glück haben wir heute übrigens mit den Hotel (A Veiga): Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar uns das Menü wirklich gut. Besonders die kleinen Forellen, die ich esse, sind hervorragend.

22.4.2014 Samos – Melide

79 km, Gebirge

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Galizien sieht auf Bildern aus wie eine Landschaft voller sanfter, grüner Hügel. Diese Hügel verwandeln sich in Hochgebirge, sobald man auf dem Fahrrad sitzt. Gelegentlich gibt es in einem Café eine heiße Schokolade, der Rest ist heute vor allem Anstrengung, unterbrochen von gelegentlichen schnellen Abfahrten, bei denen all die schönen Höhenmeter wieder draufgehen.

Wir übernachten in einem günstigen Hotel, heute direkt an der Hauptstraße. Nicht schön, aber annehmbar.  Und die Portionen beim Abendessen sind riesig.

 

 

 

23.4.2014 Melide – SANTIAGO DE COMPOSTELA

69 km, kein Mangel an Steigungen

Nicht nur das Abendessen ist in unserem Hotel reichlich. Auch zum Frühstück gibt es anstelle von ein bisschen Brot mit Marmelade endlich einmal ein echtes Frühstücksbuffet. Dann geht es weiter. Die Anstiege wollen partout nicht weniger werden. Wir fahren eine Straße entlang, an der schon zu Beginn auf eine Sperrung wegen Bauarbeiten hingewiesen wird. Wir versuchen es dennoch. Eine Brücke wird gerade erneuert, die Baustelle ist weiträumig und unmissverständlich abgesperrt. Ich krabble unter der Absperrung durch und sehe die Bauarbeiter so lange hilflos an,  bis sie uns die Räder über die unfertige Brücke schieben lassen. Nicht ohne vorher ausführlich auf die gute Aussicht von der viel und weiteren bergigen Alternativstrecke aus hinzuweisen.

Kurz vor Santiago ein letzter kleiner Berg. Die Stadt ist schon zu sehen, als uns eine Gruppe von Wanderern, eher Tagesausflügler als Pilger, im Weg steht. Wir klingeln sie zur Seite. Sie machen Platz und applaudieren, als wir zwischen ihnen in die Stadt hineinrollen. „Angemessen“, denke ich.

Dann ist nur noch das Labyrinth der Altstadt zu überwinden, bevor wir endlich in unserem Hotel Felisa ankommen. Es ist ein Haus in der Altstadt, mit Wänden aus riesigen Natursteinen. Wo diese Steine kleine Absätze bilden, stehen Cent- Münzen an der Wand. Wir stellen welche dazu.

Es gibt auch einen sehr schönen Garten, leider ist es aber viel zu kalt, um draußen zu sitzen.

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Natürlich sehen wir uns noch die Kathedrale an. Natürlich schön, aber wir haben langsam den Eindruck, genügend Kathedralen gesehen zu haben.

Abends, während wir essen, ein wichtiges Fußballspiel, das, natürlich, auch auf dem Fernseher in unserem Speiseraum läuft. Obwohl wir in der sehr touristischen Altstadt und dort in einem Hotel sind, füllt sich der Raum relativ schnell mit einheimischen Studenten, die zum Fußball schauen kommen. Die Altstadt scheint zumindest am Abend nicht ausschließlich in Touristenhand zu sein.

 

24.4.2014 Santiago de Compostela

Heute stehen Ein paar praktische Dinge auf dem Programm, die auch recht reibungslos funktionieren: Eine Wäscherei finden, dann eine Buchhandlung, um Landkarten für den weiteren Weg zu kaufen, ein Ausflug zum Bahnhof, weil wir mit der Bahn aus Der Stadt herausfahren wollen. Dann gehen wir erst einmal essen. Das Restaurant, „A Contadina“, stellt sich als erstaunlich gut heraus. Und weil wir am Mittag das günstige Tagesmenü essen, obwohl doch auch so viele andere interessante Sachen auf der Karte stehen, gehen wir am Abend gleich noch einmal hin.

Ansonsten: Santiago gilt als die regenreichste Stadt Spaniens und macht auch heute diesem Titel alle Ehre. Wir haben echte Schwierigkeiten, gelegentlich einen Blick auf den Stadtplan zu werfen, ohne das der hinterher völlig durchnässt ist.

25.4.2014 Santiago de Compostela – Pontevedra

30 km, riesige Regenmengen

Weil es ziemlich schrecklich ist, mit dem Fahrrad aus einer größeren Stadt herauszufinden und es auch noch regnet, setzen wir uns erst einmal in den Zug. Der Schaffner wird  böse, weil schon 2 Fahrräder im Zug sind, und es insgesamt nur 3 Plätze gibt. Er scheint es für eine Zumutung zu halten, dass die spanische Bahn überhaupt Räder mitnimmt. Aber letztlich finden wir Platz.

Als wir in Vilanova de Arousa aussteigen, regnet es stärker als zuvor. Auf den nächsten 30 Kilometern legt der Regen weiter zu. Die Etappe ist zwar kurz, dennoch kommen wir völlig durchnässt und durchgefroren in Pontevedra an. Ich befürchte schon, dass uns  so, wie wir aussehen, kein Mensch ein Zimmer vermietet. Aber die Rezeptionistin eines kleinen Hotels stört sich nicht an tropfenden Haaren, zitternden Menschen und miserabler Gesamterscheinung.

Den Nachmittag über wird das Wetter nicht besser. Wir versuchen, noch durch die Altstadt zu bummeln, flüchten aber nach kurzer Zeit vor dem Regen in die örtliche Kirche.

Am Abend essen wir Tapas, zuerst in einer Kneipe, die reichlich nach Frittierfett riecht, dann in einer weiteren Bar. Als Der Wirt feststellt, dass wir Deutsche sind, holt er seine Mutter. Die macht nämlich gerade einen Deutschkurs und muss üben. Wir unterhalten uns in einer wilden Mischung aus Deutsch, Englisch und Spanisch.

 

26.4.2014 Pontevedra – TUI

59 km, Wolken und etwas Sonne

Der Tag beginnt damit, dass ich aus dem Fenster sehe feststell, dass der Regen aufgehört hat. Und damit, dass unser Wirt uns zum im Preis inbegriffenen Frühstück in eine Kneipe um die Ecke schickt. Die ist noch geschlossen. Also zurück. Nächster Versuch: der Wirt schickt uns in eine Art Eisdiele. Beinahe dürfen wir auch dort nicht hinein, aber gerade noch rechtzeitig ruft der Wirt an, um uns anzukündigen. Wir bekommen einen Kaffee und ein Croissant, dazu ein paar Churros.

Dann geht es weiter. Der Weg ist heute nicht sonderlich schön: Wegweiser sind Mangelware und so landen wir nach kurzer Zeit von der kleinen Straße, die wir eigentlich nehmen wollten auf der Nationalstraße, die auch relativ stark befahren ist. Wegweiser sind überhaupt so ein Thema: Nationalstraßen und Autobahnen sind ganz gut zu finden, aber auf kleineren Straßen fehlen Wegweiser entweder völlig oder sie weisen auf Orte hin, die die Straßenkarte nicht kennt. Das Mindeste ist, dass die Orte anders geschrieben sind.

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Am Nachmittag kommen wir in Tui an, dem Grenzstädtchen, direkt vor Protugal.  Dort ist heute einiges los: Der lokale Heilige hat Jahresfest. Überall in der Stadt sind Lautsprecher aufgehängt, aus denen laute Musik dudelt.

Ansonsten: Auch hier gibt es eine Kathedrale, in diesem Fall eine, die mehr einer Festung ähnelt. Sie steht auf einem Hügel, gegenüber von einem weiteren Exemplar auf der portugiesischen Seite.

27.4.2014 Tui – Braga

75 km, Sonne und Wolken, Ca. 16 °C

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Wir rollen über eine der örtlichen Attraktionen, eine von Eiffel erbaute Brücke über den Grenzfluss Minho und sind in Portugal. Dann geht es erst einmal wieder in die Berge, der Anstieg will gar kein Ende nehmen. Weil wir uns nicht sicher über den Weg sind, halte ich an einem Café an und frage. Wie schon an den Vortagen bekomme ich eine kleine Zeichnung mit und – weil Portugiesisch nicht zu meinen Stärken zählt – einer sehr ausführlicIMAG0292.jpghen Erläuterung. Der Cafébetreiber kringelt die Kreisverkehre vielfach ein, schreibt eine 1 und eine 2 daneben, um mir klar zu machen, dass wir am zweiten Kreisverkehr abbiegen müssen. Ich beschließe, diese kleinen Kunstwerke zu sammeln. Ein paar habe ich schon dabei. Auf den kleinen Zetteln tauchen nie Straßennamen auf. Dafür ist aber immer irgendwo ein Café markiert.

Wir können nun nicht anders, als den richtigen Weg zu finden. Er führt zwar auch heute eine Nationalstraße entlang, die ist aber nicht stark befahren. Landschaftlich ist die Gegend sehr schön: Berge, Wein, urwaldähnliche Eukalyptuswälder, mehr Berge.

Mörderisch ist der letzte Anstieg vor der Altstadt von Braga, dann haben wir es geschafft.

Braga ist relativ groß, auch hier haben wir die üblichen Schwierigkeiten mit Wegweisern: sie zeigen innerhalb der Städte zur nächsten Apotheke, zum Gericht, zur Schule, zum Sportzentrum. Das Zentrum oder die Altstadt oder der Weg aus der Stadt heraus ist deutlich schwieriger zu finden.

Ansonsten: Kathedrale. Schöne, malerische Altstadt mit Kachelfassaden, geschlossene Restaurants, geöffnete Cafès, Springbrunnen.

 

28.4.2014 Braga-Fajozes

63 km, vormittags Regen danach Sonne

 Auf der Karte sieht der restliche Weg ziemlich einfach aus, aber diese Karte hat auch eine Auflösung von 1:400000. Bei Google wirkt die Streckenführung schon komplizierter. Im richtigen Leben landen wir ziemlich schnell auf einer Hauptstraße, dann auf einer viel zu stark befahrenen Nebenstraße, dann verpassen wir eine Abzweigung. Und die Beschreibung auf Google maps sieht immer noch schwierig aus. Erschwerend hinzu kommt die fast vollständige Abwesenheit von Straßennamen, Wegweisern und Markierungen.

Am frühen Nachmittag haben wir es immerhin bis Vila Do Conde geschafft, einer Stadt am Meer nördlich von Porto. Ein Kaffee mit Meerblick, dann fahren wir weiter. Die letzten Kilometer sind ein Suchspiel auf Holperpflaster. Wir haben am Abend vorher per Internet ein Zimmer für ein paar Tage gebucht, ländlich, aber nicht weit vom Meer und von der Bahn entfernt. Bevor wir nach Porto fahren, von wo aus unser Rückflug startet, wollen wir noch ein paar Tage ausruhen. Nach dem verschlungenen Holperweg wirkt unsere Unterkunft – Quinta de Alfaias –  wie das Ende der Welt.

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Unsere Unterkunft entpuppt sich als schönes altes Anwesen mit Park und, was das Haupthaus betrifft, voll von Antiquitäten. Alles geführt von einem netten Paar mittleren Alters. Der Hausherr fängt uns nach dem Abendessen regelrecht ab, um sich noch eine ganze Weile mit uns zu unterhalten. Er spricht über Gott und die Welt, über den Fall der Mauer, das Ende der Kolonialzeit in Portugal, über die Hochzeit des Präsidenten des FC Porto in seinem Haus und über Fußball.

29.4.2014 – 1.5. Fajozes

Wir sind hergekommen, um uns ein paar Tage lang auszuruhen. Also: Spaziergang zum etwa 5 km entfernten Strand, weiter am Strand entlang, Füße ins Wasser halten, zurück spazieren. Auf der Veranda sitzen. Hörbuch hören, stricken.

Außerdem machen wir Spaziergänge am Strand, z.B. in Richtung Vila do Conde. Leider ist es noch ziemlich kalt, um baden zu gehen.

 

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2.5. – 4.5.2014  Porto

Wir nehmen die Metro, nach Porto hinein, stellen unser Gepäck und unsere Fahrräder im Hotel ab und sehen uns erst einmal in der Stadt um. Porto ist eine Millionenstadt mit viel Geschichte, also: schön anzusehen. Azulejo-Fassaden in der Altstadt, natürlich eine Kathedrale, imposante Gebäude, auch hier eine schöne, von Eiffel erbaute Brücke. Im berühmten Jugendstilcafé der Stadt bekommen wir leider keinen Platz.

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Während wir in den letzten Wochen oft gefroren haben, ist es nun richtig heiß. Nach ein paar Metern in der Sonne, brauche ich jeweils wieder ein kaltes Getränk im Schatten. Aber über schönes Wetter sollte man sich nicht beschweren.

Und was muss man in Porto außerdem dringend tun? – eine Kellerei besichtigen. Wir entscheiden uns auf Empfehlung unserer Wirtin in Fajozes für Taylors. Gerade als wir ankommen, beginnt tatsächlich eine Führung auf Deutsch, durchgeführt von einem jungen Mann aus der Familie des Betriebs. Er spricht hervorragend Deutsch und erzählt durchaus interessant.

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4.5.2014 Rückflug

Auch für den Rückflug können wir unsere Fahrräder nach kurzer Diskussion völlig unverpackt abgeben. Wir fliegen, wie schon auf dem Hinflug, über Frankfurt, haben aber dieses Mal sage und schreibe 5 Stunden Aufenthalt dort.

Und das Beste: auch dieses Mal kommen die Fahrräder unbeschädigt, wenn auch mal wieder platt an. Offenbar bringt man es nicht über sich, ein Fahrrad mit aufgepumpten Reifen in ein Flugzeug zu laden.