Radfahren in Kenia – das Wichtigste

Sicherheit

scheint in erster Linie ein Großstadtproblem zu sein. Nairobi soll in den letzten Jahren deutlich sicherer geworden sein, aber noch immer gibt es offenbar ziemlich viele Raubüberfälle. Auch Menschenansammlungen (Streik, Demo, Straßensperre…) sind ernst zu nehmen, vor allem als brauchbare Kulisse für Diebstähle und Überfälle. Die Kenya Bike Odyssey umfährt Städte aber weitgehend und auf dem Land gibt es offenbar kaum Probleme.

Straßenqualität

Meistens: nein.

Es gibt sie, die gut asphaltierten, ruhigen Straßen durch wunderschöne Landschaften, aber sie sind schon eher die Ausnahme. Die offizielle Kenya Bike Odyssey führt auch dort, wo sie existieren, nicht immer darauf entlang. Viel öfter rumpelt man über extrem steinige Wege und das kann sehr anstrengend werden. Ist halt eher was für Mountainbiker.

OK, als ich losfuhr war ich dieses Mal absolut nicht fit, monatelanger Stress bei der Arbeit, kaum Sport, kurz zuvor krank gewesen, jung bin ich auch nicht mehr… aber auch andere warnen davor, die eher kurzen Tagesetappen zu unterschätzen. Das Rift Valley hat sehr viele Steigungen, und die kommen zur schlechten Straßenqualität dazu. Teilweise kann es auch ziemlich heiß werden, das hängt davon ab, auf welcher Höhe man sich gerade befindet. (aber es ist selten so heiß, wie man denkt, wenn man „Äquator“ hört)

Als ich mal einfach nach Navi (Komoot bzw. Osmand) gefahren bin, stieß ich schnell auf ein Problem, das wohl verbreitet ist: Kleine Straßen führen oft über Privatbesitz und da war dann mehrmals ein verschlossenes Tor vor der Straße. War in meinem Fall nicht schlimm, weil ich die Hauptstraße als Alternative hatte, aber dennoch: kleine Straßen, die auf den Navis auftauchen, sind nicht immer öffentlich.

Fahrräder in Kenia

Ja, gibt es relativ viele, wenn auch die riesigen Mengen an Motorrädern ihnen den Rang abgelaufen haben. Viel sieht man noch eine (britische?) Bauart aus den 1960ern. Die meisten Räder werden für kurze Strecken genutzt, in Nakuru gab es außerdem viele Fahrradtaxis (Ja, wirklich, man setzt sich auf den gut gepolsterten Sitz hinter den Fahrer, wie bei Motorradtaxis auch). Die Existenz bedeutet nicht, dass Räder als Verkehrsmittel ernst genommen werden, aber zumindest haben die meisten Autofahrer Erfahrung damit, wieviel Platz ein Rad braucht oder wo es überall auftauchen kann. Trotzdem möchte man auf vielen Hauptstraßen wirklich nicht fahren – wenn eine Straße keinen Seitenstreifen hat und der Verkehr dicht ist, wirkt es schon sehr gefährlich.

Dass Leute per Fahrrad reisen finden die meisten Kenianer vermutlich überraschend, aber die Kenya Bike Odyssey ist schon einigermaßen bekannt und man hat sich darauf eingestellt: erste Unterkünfte und Campingplätze richten sich gezielt auf Radfahrer ein, manche Hotels haben Sonderpreise für Radfahrer und viele bieten an, auf ihrem Gelände zu zelten.

Fahrrad in öffentlichen Verkehrsmitteln

Angesichts der Kombination aus meinem Fitnesslevel zu Beginn der Tour und der Straßenqualität habe ich in kurzer Zeit viel Erfahrung damit gesammelt, mein Rad in öffentlichen Verkehrsmitteln unterzubringen. Ergebnis: kein Problem. So gut wie überall gibt es Matatus, also Kleinbusse mit festgelegten Strecken. So jedes fünfte davon hat einen Dachgepäckträger und bindet ungefähr für den Preis eines Personentickets Fahrräder und bei Bedarf anderes Gepäck drauf. Von anderen Leuten habe ich gehört, dass man sich im Zweifel auch aus weiter entfernten Städten ein Uber kommen lassen kann. Habe ich nicht probiert, aber im Zweifel wird es einem praktisch immer gelingen, ein Auto aufzutreiben, dass einen relativ günstig von A nach B bringt. Ah, und nicht zu vergessen: Boda-Bodas (Motorradtaxis) können auch praktisch alles transportieren: andere Motorräder, große Mengen Holzkohle, große Sofas, vier Personen gleichzeitig…ich weiß nicht genau, wie Fahrrad, Fahrradgepäck, Fahrradfahrer und Motorradfahrer gleichzeitig auf ein Motorrad passen, habe aber keinen Zweifel, dass es geht.

Übernachtung

Vom wild campen wird zumeist abgeraten, zu viele Nilpferde, Büffel und Elefanten, die so ein Zelt auch mal übersehen können. Aber auf der Route gibt es ausreichend Unterkünfte und Campingplätze. Im Zweifel kann man sicher auch fragen, ob man neben einem Haus o.ä. zelten kann. Ein Zelt sollte man in jedem Fall dabeihaben, auf einigen wenigen Etappen gibt es keine Alternative.

Hotels können extrem unterschiedliche Preise haben, darauf sollte man bei der Planung immer einen Blick werfen. Es gibt relativ günstige Gästehäuser und dann Hotels, die mehrere 100 Euro pro Nacht und Person (!) kosten – wenn diese Touristen schonmal da sind, sind sie ja oft auch bereit zu zahlen. Anrufen hilft oft. während auf Booking.com oft Mondpreise stehen, war das, was mir am Telefon gesagt wurde, meistens schon viel günstiger.

Hotels

sind nicht immer Häuser, in denen man übernachten kann. Oft handelt es sich um kleine Läden, in denen man unterwegs etwas essen kann und in jedem Fall sehr heißen Tee mit vielviel stark gesüßter Milch bekommt. Wichtig ist das, weil Google maps diese Läden nicht immer von richtigen Hotels unterscheiden kann.

Nationalparks

haben oft Preise, die sich gewaschen haben. Sie unterteilen fast durchweg in drei Kategorien: Staatsbürger (günstig), Residents (völlig OK) und Ausländer (richtig teuer). In ganz wenigen Fällen habe ich es geschafft, neben meinen in Kenia lebenden Freunden als Resident durchzugehen, normalerweise wird das kontrolliert. Klar, die Parks lohnen sich trotzdem, aber einfach nur kurz durchfahren ist tendenziell zu teuer.

Mobiltelefon und Geld

Nach allgemeiner Auffassung hat Safaricom das beste Netz, wo ich unterwegs war, gab es praktisch immer Internet. Andere Anbieter können billiger sein (ist aber angesichts der günstigen Preise irrelevant), Esims sind erhältlich, aber nicht überall.

Der Geldverkehr funktioniert weitgehend elektronisch. Fast alles wird per Handy bezahlt, mit einem System namens MPesa. Es funktioniert zwischen kenianischen Handynummern und gehört zum ebenfalls zum Netzprovider Safaricom. Man richtet es in einem der unzähligen Läden ein und lädt Geld auf, dann bezahlt man jeweils, indem man Geld an eine anderes Mobiltelefon schickt.

Bargeld-Fans kommen auch zurecht, sollten aber darauf achten, immer auch kleine Scheine zu haben, Wechselgeld ist eher Glücksache. Mit Kreditkarte kann man m.E. vor allem Touristendinge (Hotel, Restaurant in Nairobi, Nationalparks) bezahlen.

Tiere

Hunde: sieht man öfter, sind durchweg maximal tiefenentspannt.

Affen: An manchen Stellen habe ich an der Straße soo viele davon gesehen, einmal zogen da mehrere 100 Paviane durch die Gegend. Die größeren unter ihnen sind ganz schön groß und wenn man sich die Zähne ansieht, möchte man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Allgemeiner Hinweis ist, ihnen nie etwas essbares zu zeigen. Ein anderer Radfahrer wollte eine Banane essen und war bevor er begriff, was passierte nicht nur die Banane, sondern auch seine Müslidose los. Ich kam auf einem Platz mit kleinen Äffchen mit einem Müsliriegel aus meinem Zelt und sie guckten sofort im Vorzelt nach, ob da nicht noch mehr ist. Also: Affen sind Diebe, und zwar geschickte. Sie interessieren sich wohl nur für Essen, können sich im Eifer des Gefechts aber schonmal irren und ein Handy mitnehmen.

Nilpferde: gelten als ziemlich gefährlich und können den Campingplätzen im Rift Valley sehr nahe kommen, nachdem der Wasserstand der Seen seit Jahren steigt. Das scheint keinen weiter zu beunruhigen. Tagsüber dösen die Hippos im flachen Wasser und lassen sich nicht stören, wenn sie abends aus dem Wasser kommen, muss man vorsichtig sein.

Büffel: Herden gelten als nicht so schlimm, aber einzelne männliche Tiere sind Incels: von ihrer Herde verstoßen, auf der Suche nach einer neuen und immer aggro. Als mal einer am Straßenrand (außerhalb eines Reservats) war, war die allgemeine Aufregung ziemlich groß.

Elefanten: angesichts der deutlich gekürzent Radtour kam ich nicht in Elefantenland, aber die allgemeine Meinung klingt wie bei Büffeln.

Schlangen: viele habe ich nicht gesehen. Die Python und die vielen Baby-Pythons, die mir in einem Park gezeigt wurden, waren aber recht beeindruckend.

Löwen: fallen allen Leuten als erstes ein, wenn ich von einer Radtour in Kenia erzähle. Dass man mit ihnen Probleme bekommt, ist aber wohl sehr unwahrscheinlich.

Kenia Bike Odyssey – die erste Hälfte

Nairobi – Kilmende

65 km, 1200 Höhenmeter

Ich war nun schon fünf Tage in Nairobi und mache mich endlich auf den Weg zu meiner Radtour. Ein kleines bisschen mulmig ist mir schon nach all den Geschichten über Überfälle, die ich in wenigen Tagen gehört habe. Es scheint aber ein Nairobi-Problem zu sein, wenn man mal aus der Stadt raus ist, sieht es anders aus. Jedenfalls hoffe ich das, schließlich habe ich auf dem Rad keine andere Chance, als alle Wertsachen immer mit mir herumzutragen.

Mein erster Fahrradtag geht gleich mit 1200 Höhenmetern bergauf los. Und, was soll ich sagen, mir ist das zu viel. Ich hätte ja gern vor der Reise etwas trainiert, aber dazu war in den letzten Monaten überhaupt keine Zeit. Und so fängt die Radtour dann auch an. Ich schiebe selbst kleine Steigungen rauf, keuche schon nach wenigen Metern und frage mich, wie ich das schaffen soll.

Landschaftlich geht es viel durch Teeplantagen und etwas durch Wälder. Schön ist das schon und zumindest ein Teil der Strecke führt auf kleinem asphaltierten Straßen entlang.

Ich bin froh, als endlich Zeit für eine Mittagspause ist. Die mache ich in einem in eine schicken Anlage, offenbar Hotel, Konferenzzentrum und Schule in einem. Es gibt einen Schattenplatz und von einer längeren Speisekarte Wraps mit gebratenem Käse.

Kaum, fahre ich weiter, passiert  ein Malheur, von dem ich kurz denke, dass damit der Urlaub vorbei ist: ich bleibe mit einer Fahrradtasche an einem Tor hängen und beide Haken der Tasche brechen glatt durch. So kann ich also nicht weiterfahren. Ich packe um: möglichst viel von meinen Sachen in die Lowrider-Tasche, in der zum Glück noch Platz ist, die große Tasche lässt sich dann festzurren. Ich kann weiter holpern.

Einfacher wird die Strecke allerdings nicht. Irgendwann stelle ich fest, dass es mir wohl nicht gelingen wird, bei Tageslicht bis etwa 18:30 mein Ziel zu erreichen.  Ich sehe noch zu, dass ich zur Hauptstraße komme und lege die letzten paar Kilometer dann mit einem Matatu (Kleinbus) zurück. Mein Fahrrad wird mal wieder relativ unkompliziert auf Dach geladen.

Teeplantagen um Limuru
Schafe auf dem Weg

Kilmende – Naivasha

mit dem Rad nur so 230 km, aber der Transport im Kleinbus funktioniert gut

Der Tag gestern steckt mir noch in den Knochen. Ich stelle ziemlich schnell fest, dass ich die die ersten Anstiege mit dem Rad kaum schaffe. Ein Stück fahre ich trotzdem, an einem Wald entlang immer bergauf, landschaftlich sehr schön, aber eben auch anstrengend. Nach kurzer Zeit beschließe ich deshalb, dass heute nicht mein Tag ist. Wo der Radweg die Hauptstraße kreuzt, stelle ich mich zu einigen Leuten, die auf ein Matatu warten. Relativ bald wird mein Rad wieder auf einen Dachgepäckträger geladen. Eine Weile später wird noch einmal umgeladen. Alle Passagiere steigen in einen anderen Kleinbus, mein Rad landet jetzt auf einem Dach ohne Gepäckträger und wird an den Streben zwischen Fenstern festgezurrt. Das geht offenbar auch. Relativ  bald bin ich in Naivasha, einer ziemlich quirligen Stadt mit großem Markt, die ich mit dem Rad, aber schnell wieder verlasse.

Ich mache mich auf die Suche nach einer Unterkunft und fahre etwas hinter Naivasha in Richtung See – und stehe vor einer Reihe kleiner Häuschen, die 10-20 cm unter Wasser stehen. Trotzdem wird gearbeitet, als sei das normal. Ein Zimmer möchte man mir trotzdem nicht vermieten und schickt mich stattdessen ein Stück zurück in Richtung Straße. Dort bekomme ich meine Unterkunft.

Tatsächlich steigt seit Jahren der Wasserspiegel der Seen im Rift Vallley kontinuierlich an. Der See hat keinen Abfluss, der Wasserstand wird nur durch Verdunstung und die Zuflüsse bestimmt. Ganze Häuser stehen schon weit entfernt vom Ufer im See, auch Strommasten sind zu sehen, Touristenresorts, Fußballstadien. Woran es genau liegt, dass der Wasserspiegel steigt, ist nicht ganz klar. Vielleicht der Klimawandel, vielleicht einfach eine zufällige Schwankung. Der See reagiert so wie alle Seen im Rift Valley schon auf kleine Änderungen der Niederschläge sehr empfindlich.

Naivasha

Fahrrad: na so 20 km, Umzug zu einer ruhigeren Unterkunft ein bisschen näher an den Hell’s Gate Nationalpark

Meine letzte Unterkunft war eigentlich ganz nett, aber Kommentare auf Google schrieben von wahnsinnig lauter Musik und ein Blick auf die Karte zeigt einen Nachtclub genau nebenan, der ab Freitagabend (also morgen) wieder offen sein sollte. Also nichts wie weg. Bei lauter Musik schlafen kann ich wirklich nicht gut. Also fahre ich ungefähr 15 Kilometer weiter zu einer Anlage mit dem Namen Crayfish Camp. Schöner ist sie ehrlich gesagt nicht, aber die Rezeptionistin ist sehr bemüht, mir ein Zimmer zurecht zu machen und ruhig ist es auch. Ich verzichte darauf, zu zelten, was auch möglich wäre, ein Bett ist einfach bequemer.

Am Nachmittag fahre ich dann noch ein Stück weiter zu einer anderen Anlage. Von dort miete ich ein kleines Motorboot mit Kapitän, um zur Crescent Island zu fahren, eine Art kleines Naturschutzgebiet auf etwas, das einmal eine Halbinsel war. Wegen des steigenden Wasserspiegels ist es nun eine Insel. Wir fahren vielleicht eine Dreiviertelstunde dem See entlang, überall ragen Häuser zur Hälfte aus dem Wasser, manchmal Telefonmasten oder gar Stromleitungen. Und riesige Mengen abgestorbener Bäume. Zusätzlich zur Bootsmiete  kostet auch die Insel eine Menge Eintritt, aber es lohnt sich durchaus. So viele Tiere auf so kleinen Raum habe ich noch nie gesehen, außer vielleicht im Zoo. Zebras, Gnus, Antilopen, Giraffen, Nilpferde, Fischadler, jede Menge Kormorane, ein Pelikan und sind von  nahem zu sehen.

Hell’s Gate Nationalpark und noch mehr Naivasha

40 km, einige Höhenmeter und viel Sand

Meine Freunde aus Nairobi sind fürs Wochenende nach Naivasha gekommen und gemeinsam fahren wir zum Hell’s Gate Nationalpark. Kein Problem, denke ich, der Park ist relativ klein, man darf mit Fahrrädern durchfahren, weil es keine gefährlichen Raubtiere gibt.

Und da sind sie auch schon wieder, jede Menge Zebras, Giraffen, so etwas wie Murmeltiere, große und kleinere Gazellen, Warzenschweine und ein paar Schmetterlinge. Die Tour stellt sich trotz der kleinen Fläche als ziemlich anstrengend heraus: es geht bergauf und bergab, der Weg ist an vielen Stellen sehr sandig. Zuerst einmal fahren wir zu einer Obsidian Höhle, die aber als etwas enttäuschend ist, eine kleine Aushöhlung unter den Felsen. Was es aber im großen Mengen gibt, ist tatsächlich Obsidian in allen Formen, riesige Steinbrocken und kleine, faustkeilartige Stücke. Tatsächlich kann man das Material relativ leicht zerschlagen und erhält sehr scharfe Kanten.

Beeindruckend sind die Schluchten zwischen großen Felsen, die wir später durchqueren.

Geothermiestation

Crayfish Camp Naivasha – Camelboy overlander Camp

47 km klingen nicht furchtbar viel und 700 Höhenmeter müssten ja eigentlich auch zu schaffen sein. Aber es ist ganz schön anstrengend!

Los geht es den See entlang mit sanftem auf und ab, anfangs auch noch mit Asphalt. Der endet leider früh (taucht aber immer wieder unerwartet auf), das Geholper überall sonst macht das Fahren deutlich schwieriger.

Am Wegrand gibt es heute viele Warzenschweine, ein paar Giraffe und…dann hält ein Motorradfahrer neben mir und sagt, ich könne weiter fahren, solle aber vorsichtig sein, weiter vorn an der Straße sei ein einzelner Büffel. Ich fahre erstmal auf der falschen Steaßenseite weiter. Und dann sehe ich auch schon ein Rangerfahrzeug, bevor ich den Büffel sehe. Ich soll mein Rad stehen lassen und zum Auto kommen, sagen sie. Das sei ein gefährliches wildes Tier. Und dann ist der Spuk schon wieder vorbei und der Büffel verjagt. Trotzdem bin ich einigermaßen beeindruckt.

Mittags bekomme ich Tee in einem sehr schicken Golfresort, dann beginnt die Steigung im Ernst. Ich schiebe und schiebe. Zumeist auf extrem schlechter Oberfläche, öfter mal eingehüllt von Staubwolken, wenn LKW vorbeifahren.

Gegen vier endlich schaffe ich es zu einem sehr netten kleinen, privaten Campingplatz: Camelboy Overlander. Es wird noch renoviert, Anschluss an Wasser oder Strom gibt es nicht, aber ein Gast geht gerade, zumal ich ja ein Zelt dabei habe.

Camelboy Camp zum Lake Elementaita

Über Eburru Forrest

58 km, 630 Hm

Der Eburru Forrest ist sehr schön, sattes Grün, zugewachsene Wege, Geräusche von Tieren im Wald, die ich nicht zu Gesicht bekomme. (Hey, von wem sind diese Spuren? Sind die nicht zu groß dafür, dass ich mit dem Rad unterwegs bin?)

Ich komme extrem langsam vorwärts, jetzt, nach der Regenzeit sind die Wege oft ausgewaschen, manchmal auch unter dem Gras kaum zu sehen.

Nach dem Nationalpark verfahre ich mich einige Male und stelle am Ende fest, dass ich das Ziel falsch in meine Karte eingetragen habe. Also noch einmal umkehren. Obwohl ich früh aufgebrochen bin und kaum Pause gemacht habe, ist es fast dunkel, als ich schließlich am Oasis Camp am Lake Elementaita ankomme.

Ich bekomme ein Hauszelt mit Bett und eigenen Bad, und einer Moskitoinvasion, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wirklich, nie. Das Zelt selbst ist eigentlich gut geschützt, aber das zum Hauszelt gehörende Bad ist nach außen offen, und nachdem zwei Minuten das Licht gebrannt hat, sind die Oberflächen schwarz von Moskitos. Ich dusche so, dass möglichst immer jedes Körperteil unter einen Wasserstrahl ist. Dann muss ich es durch eine Reißverschlusstür ins Hauptzelt schaffen, ohne verfolgt zu werden. Klappt natürlich nicht. Mehr Glück habe ich mit dem moskitonetz ums Bett herum. Aber das traue ich mich nicht mehr zu verlassen. Draußen sitzen, Lätzchen umgebunden, Besteck in der Hand, all die Moskitos, die es mit mir aus dem Bad geschafft haben.

Lake Elementaita

Lake Elementaita – Maili Saba

Per Matatu

Nachdem ich mich gestern etwas überanstrengt habe, beschließe ich nach wenigen Minuten, dass heute nicht der Tag für eine neue lange Radtour ist. Der erste, der mich mitnimmt, ist eine Motorradrikscha mit Ladefläche. Ich passe knapp in die Kabine komme so  zur Hauptstraße, auf der ein matatu nach dem anderen in Richtung Nakuru fährt. Abgesehen von der starken Sonne und dem Fischgestank im kleinen Bus klappt alles wie am Schnürchen. In Nakuro muss ich noch einmal das Matatu wechseln, dann bin ich gegen Mittag an meinem nächsten Ziel. Ich bekomme ein schickes Zimmer mit super Aussicht und sehr bequemem Bett. Und klar, ich schlafe gleich ein.

Weil es so entspannt ist, bleibe ich gleich zwei Tage da. Ich mache eine sehr kleine geführte Wanderung in den Menengai-Krater. Extrem sehenswert. Außerdem wandere ich auf eigene Faust noch zu einem Aussichtspunkt ein Stück weiter. Alles in allem ein ziemlich entspannter Tag. Und am Abend treffe ich auch den ersten anderen Radfahrer, den ich in Kenia sehe. Ein Deutscher (klar!) aus Thüringen, der mit dem Rad noch etwas weiter gereist ist als ich.

Maili Saba – Mogotio

41,5 km, 110 Hm

Eine einigermaßen kurze und einfache Etappe – meistens geht es bergab und meistens ist der Weg zwar nicht gut, aber fahrbar. Bis auf da, wo eben kein Weg zu erkennen ist oder wo ich plötzlich mitten in einem Maisfeld stehe. Jedenfalls bin ich schon um 13 Uhr in einem neuen, viel zu heißen Hotelzimmer und tue den Rest des Nachmittags gar nichts mehr.

Ja, das ist der Weg.
Im Übrigen habe ich heute den Äquator überfahren.

Na, und außerdem überfahre ich heute den Äquator und bin wieder in der nördlichen Hemisphäre. Ich verzichte darauf, in dem Hotel zu übernachten, in dem man mit dem Kopf auf der einen und den Füßen auf der anderen Seite des Äquator schlafen kann. Scheint mir nicht so wichtig.

Mogotio – Nimbus Resort and Campsite

48 km, 950 Hm

Meine Freund kommen übers Wochenende und fahren zwei Tage mit mir. Ich habe Bedenken: 950 Höhenmeter ( das ist schon die Strecke mit Abkürzung, eigentlich hat die Etappe über 1400 Höhenmeter) bei den üblichen Wegverhältnissen sind ganz schön viel. Und weil meine Freunde erstmal aus Nairobi nach Mogotio kommen müssen, können wir auch nicht früh los. Aber wir haben Glück: ganz unerwartet fahren wir so gut wie den ganzen Tag auf Asphalt, dabei viel auch im Schatten. Einzige Schwierigkeit: der größte Teil der Höhenmeter kommt ganz am Ende der Etappe – wo ich sowieso schon nicht mehr ganz fit bin.

Die Unterkunft für die Nacht stellt sich als eher spartanisch heraus: eine Bar auf den Berg zwischen zwei Dörfern, neben der es Platz für ein paar Zelte gibt. Die Dusche ist kaputt, die Klospülung geht auch nicht, aber wir bekommen einen großen Wassereimer. Darauf, dass wir essen wollen, ist der Wirt nicht eingestellt, aber da wir mit dem thüringer Radfahrer zu viert sind, fährt er los, kauft ein und kocht dann für uns.

In der Nacht ist allerdings nur wenig an Schlaf zu denken: es findet ein Champions League Spiel statt, die Bar ist voll, Alkohol fließt in Strömen und obwohl die falsche Mannschaft gewinnt, wird bis morgens um 7 gefeiert. Immerhin ist der Sonnenaufgang sehr sehenswert.

Nimbus Camp – Kabarnet

34 km, 810 Höhenmeter

Die offizielle KBO Route führt auf weiter Strecke über Holperwege ziemlich parallel zu einer gut ausgebauten und verkehrsarmen Straße entlang. Wir nehmen wieder die Straße und quälen uns erst einmal weiter den Berg hoch.

Die Ausblicke sind heute wieder toll, die Berge im Rift Valley wirklich beeindruckend. Und weil die Straße auch noch gut ist, sind wir am frühen Nachmittag in Kabarnet, einer echten Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, kleinen Restaurants und viel Trubel

Kabarnet – Lake Baringo

60 km, 350 Hm aufwärts und viele abwärts.

Die Freunde aus Nairobi müssen zurück nach Hause, ich bringe sie früh morgens noch zum Matatu und fahre dann selbst los. Allerdings wieder einmal nicht den vorgesehenen Radweg, sondern die Hauptstraße entlang. Ich schwöre, die ist auch sehr schön, und ziemlich wenig befahren. Außerdem geht es heute vor allem bergab: über 1400 m zum Lake Baringo. Lediglich die letzte Stunde zieht sich, die Mittagshitze brennt deutlich heißer als weiter oben.

Ich komme mal wieder in einem kleinen Häuschen in einer Hotelanlage unter. Camping wäre auch möglich, aber ein Bett ist ja schon bequemer.

Außerdem bleibe ich gleich zwei Tage und mache noch eine Bootstour zum Sonnenaufgang mit. Ein bisschen ähnlich wie am Lake Naivasha, aber der Guide kennt sich dieses Mal besser aus. Als wir morgens aufs Boot gehen, werden neben uns Wasserkanister abgefüllt, ein Motorad nach dem anderen mit jeweils vielen Kanistern kommt, der Fahrer füllt, befestigt, fährt wieder weg. Ja, sagt uns der Guide, das Wasser wird für alles im Haushalt benutzt, auch zum Trinken. Und, ja, es enthielt immer viel zu viel Fluorid, daher die braunen Zähne der Leute und die vielen gebückt gehenden älteren Leute. Jetzt, wo das Wasser durch den auch hier steigenden Wasserspiegel verdünnt ist, ist es besser. Es lässt sich jetzt auch zum Bewässern nutzen.

Die Fläche des Lake Baringo ist noch deutlich stärker gewachsen als am Lake Naivasha und so hat der See zahlreiche Wohnhäuser, Betriebe und Hotels geschluckt. Nilpferde finden sich nun manchmal in Dörfern wieder, wenn sie abends zum Grasen aus dem Wasser kommen. Ein Hotel, in dem ich später Tee trinken, hat Stege zwischen dem zweiten Stock seiner Gebäude gebaut und ist weiter geöffnet, während das erste Stockwerkvollständig unter Wasser steht.

Hotel mit einem Stockwerk unter Wasser – ja, es ist noch geöffnet.
Krokodil unterwegs zum Dorf (frisst angeblich nur Fische)

Lake Baringo – Bogoria Spa

37 km, 150 Höhenmeter

Abgesehen von der Hitze schon früh am Morgen ist die Radtour kurz und einfach: durchweg asphaltiert und kaum Steigungen. Entsprechend früh bin ich am heutigen Ziel: einer riesigen schicken Hotelanlage mit zwei Pools – einer gespeist von einer warmen Quelle, der andere angeblich kalt (aber ich befinde mich jetzt in einer Höhe über Meeresspiegel, in der nichts kalt ist). Das Hotel hat Preise, die mich überzeugen, zu campen, auch das geht auf der großen Wiese. Und dann verbringe ich große Teile des Tages mit einem Buch am Pool. Immer wenn ich hochschauen, gibt es etwas zu sehen: Affen, die sich gegenseitig übers Gelände jagen, Marabus, die aus dem Pool trinken, Ziegen, die vorbeischauen. Auch die Massage, zu der ich Abends noch gehe, ist überzeugend.

Als ich am nächsten Morgen meine Nase aus dem Zelt stecke, sind da tatsächlich fünf oder sechs Strauße, die sich von mir absolut nicht stören lassen.

Auch hier scheint übrigens der steigende Wasserspiegel zugeschlagen zu haben. Die Flamingos sind nicht mehr da – und die waren für mein Hotel ein wesentlicher Selling point.

Lake Bogoria – Maji Moto camp

12,5 km, 200 Hm (yes!!)

Ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich die paar Kilometer zum nächsten Campingplatz fahren soll, das Spa-Hotel ist ja auch sehr schön. Schließlich mache ich mich relativ spät auf den Weg. Was soll ich sagen, die kurze Strecke hat es in sich, soo große Steine müssen auf Wegen wirklich nicht herumliegen. Und das hier soll sogar eine einigermaßen relevante Straße sein. Damit habe ich vielleicht gar nicht den schlimmsten Weg erwischt, der am See entlang soll noch schlechter sein. Dafür bekomme ich den Lake Bogoria dann auch gar nicht zu sehen.

Highlight des neuen Campingplatzes ist ein warmer Fluss, der aus einer heißen Quellen gespeist wird und in dem man baden kann. Geothermie überall in dieser Gegend..

Warmer Fluß aus heißer Quelle

Mogotio – Nakuru

46 km, 490 Hm

Für mich ist dies die letzte Etappe, ich möchte noch einen Tag in Nakuru bleiben und dann nach Nairobi zurück. Und sagen wir so, ich bringe es schnell hinter mich und fahre Hauptstraße. Schön ist das nicht, aber der Verkehr ist erträglich. Und klar, überall Asphalt. Ein paar mal versuche ich, komoot zu folgen, das Abweichungen von der Hauptstraße vorschlägt. Jedes mal lande ich schnell vor einem Tor, weil der entsprechende Weg über Privatbesitz führt. Das soll auch ein wesentliches Problem sein, wenn man sich in Kenia selbst seine Wege sucht.

Nakuru ist eine Großstadt, Wikipedia spricht von 570.000 Einwohnern und wirkt nicht sehr groß, aber einigermaßen trubelig. Es gibt einen kleinen Markt für Souvenirs (ich verschiebe das auf Nairobi) und mehrere Shopping-Malls. Außerdem ein Schloss/Herrenhaus aus der Kolonialzeit (ich verzichte ebenfalls). Da ich etwas von interessanten Museen gelesen hatte, schaue ich nach, es geht tatsächlich um spannende Ausgrabungsstätten, die aber dann für Radfahrer doch zu weit sind. Hätte ich mal früher drauf geachtet, ich bin mit dem Fahrrad zu Anfang praktisch vorbeigefahren.

Also, was bleibt? – um den Lake Nakuru herum gibt es einen relativ großen Nationalpark. Der Reiseführer empfiehlt eine Halbtages- oder Tagessafari. Also versuche ich mein Glück. Es ist gar nicht so einfach, einen Anbieter zu finden, der Touren nicht in Nairobi startet, sondern direkt in Nakuru und der im Zweifel auch einzelne Plätze, nicht nur komplette Landrover anbietet. Als mir das gelingt (Accomplir Tours and Travel), ist der Jeep für den nächsten Tag schon voll. Aber, sagen sie, ich könne eine Privattour mit PKW haben. Ist auch etwas billiger. Wir einigen uns und der Fahrer holt ich am nächsten Morgen im Hotel ab. Es ist tatsächlich ein bisschen lustig: zum ersten Mal seit ich in Kenia bin, sehe ich Touristen in größeren Mengen. Alle in Landrovern mit anhebbarem Dach und vielen Kameras. Ich in einem kleinen PKW, mit dem der Fahrer zwar sehr vorsichtig ´über die steinigen und schlammigen Pisten fährt, der aber tatsächlich alles schafft.

Löwen bekommeich leider keine zu sehen, aber dafür riesige Büffelherden, viele Nashörner, Giraffen, Zebras, Affen, Pelikane, Gnus, Gazellen, und viel mehr. Wieder einmal überrascht mich, wie viele dieser großen Tiere in dem dann doch nicht riesigen Park leben.

Nairobi

Dann geht es zurück nach Nairobi. Ich bekomme ein Matatu von einer Firma, die tatsächlich zwischen beiden Städten durchfährt, ohne Passagiere aufzunehmen („Prestige“) oder aussteigen zu lassen. Ich frage mich zuerst, wie sie das Rad ohne Dachgepäckträger transportieren wollen, aber tatsächlich wird noch einer gebracht und montiert. Alles geht schnell und unproblematisch…bis wir in Nairobi sind. Dort stehen wir im Stau um die Matatu-Terminals der einzelnen Firmen herum und nichts geht vor oder zurück. Lange.

Dann endlich können wir aussteigen, ich bekomme Rad und Gepäck und bestelle sofort ein Uber. Leider hat das das gleiche Problem wie all die Busse, es ist kein Durchkommen in den engen Straßen. Alle 10 Minuten versucht Uber, mir einen neuen Fahrer zu finden, weil…sie stehen ja ganz in der Nähe und kommen trotzdem nicht. Ist natürlich nicht hilfreich. Eine Frau sagt mir schließlich, in welcher Richtung ich eine Chance auf ein Auto haben könnte und ich schiebe mein Rad dorthin. Als ich in das Auto einsteige, hat Uber die Fahrt schon wieder aufgegeben, aber der Fahrer und ich haben uns noch rechtzeitig gefunden. Uff!

Die letzten beiden Tage verbringe ich in Nairobi. Nachdem die Streiks und Unruhen vorbei sind, schaffe ich es nun auch in die Stadt, spaziere mit hunderten Schulkindern durch das eine große Museum (OK, aber nicht überwältigend) und schaffe es nicht zum Maasai-Markt (fun-fact: der ist jeden Tag woanders).

Dann ist es Zeit für den Rückflug. Der Flughafen in Nairobi ist ineffektiv und hoffnungslos überfüllt. Zum ersten Mal seit ich Radreisen mache, wird die (auch ohne Rad schwere) Kiste mit meinem Rad gewogen und ich muss nachzahlen. Am nächsten Tag hat Berlin mich wieder.