Mogotio – Nimbus Camp

48 km, 950 Hm

Meine Freund kommen übers Wochenende und fahren zwei Tage mit mir. Ich habe Bedenken: 950 Höhenmeter ( das ist schon die Strecke mit Abkürzung, eigentlich hat die Etappe über 1400 Höhenmeter) bei den üblichen Wegverhältnissen sind ganz schön viel. Und weil meine Freunde erstmal aus Nairobi nach Mogotio kommen müssen, können wir auch nicht früh los. Aber wir haben Glück: ganz unerwartet fahren wir so gut wie den ganzen Tag auf Asphalt, dabei viel auch im Schatten. Einzige Schwierigkeit: der größte Teil der Höhenmeter kommt ganz am Ende der Etappe – wo ich sowieso schon nicht mehr ganz fit bin.

Die Unterkunft für die Nacht stellt sich als eher spartanisch heraus: eine Bar auf den Berg zwischen zwei Dörfern, neben der es Platz für ein paar Zelte gibt. Die Dusche ist kaputt, die Klospülung geht auch nicht, aber wir bekommen einen großen Wassereimer. Darauf, dass wir essen wollen, ist der Wirt auch nicht eingestellt, aber da wir mit einem weiteren Radfahrer zu viert sind, fährt er los, kauft ein und kocht dann für uns.

In der Nacht ist allerdings nur wenig an Schlaf zu denken: es findet ein Champions League Spiel statt, die Bar ist voll, Alkohol fließt in Strömen und obwohl die falsche Mannschaft gewinnt, wird bis morgens um 7 gefeiert.

Lake Elementaita – Maili Saba Camp

Per Matatu

Nachdem ich mich gestern etwas überanstrengt habe, beschließe ich nach wenigen Minuten, dass heute nicht der Tag für eine neue lange Radtour ist. Der erste, der mich mitnimmt, ist eine Motorradrikscha mit Ladefläche. Ich passe knapp in die Kabine komme so  zur Hauptstraße, auf der ein matatu nach dem anderen in Richtung Nakuru fährt. Abgesehen von der starken Sonne und dem Fischgestank im kleinen Bus klappt alles wie am Schnürchen. In Nakuro muss ich noch einmal das Matatu wechseln, dann bin ich gegen Mittag an meinem nächsten Ziel. Ich bekomme ein schickes Zimmer mit super Aussicht und sehr bequemem Bett. Und klar, ich schlafe gleich ein.

Weil es so entspannt ist, bleibe ich gleich zwei Tage da. Ich mache eine sehr kleine geführte Wanderung in den Mengengei-Krater. Extrem sehenswert. Außerdem wandere ich auf eigene Faust noch zu einem Aussichtspunkt ein Stück weiter. Alles in allem ein ziemlich entspannter Tag. Und am Abend treffe ich auch den ersten anderen Radfahrer, den ich in Kenia sehe. Ein Deutscher (klar!) aus Thüringen, der mit dem Rad noch etwas weiter gereist ist als ich.

Camelboy Camp – Lake Elementaita

Über Eburru Forrest

58 km, 630 Hm

Der Eburru Forrest ist sehr schön, sattes Grün, zugewachsene Wege, Geräusche von Tieren im Wald, die ich nicht zu Gesicht bekomme. (Hey, von wem sind diese Spuren? Sind die nicht zu groß dafür, dass ich mit dem Rad unterwegs bin?)

Ich komme extrem langsam vorwärts, jetzt, nach der Regenzeit sind die Wege oft ausgewaschen, manchmal auch unter dem Gras kaum zu sehen.

Nach dem Nationalpark verfahre ich mich einige Male und stelle am Ende fest, dass ich das Ziel falsch in meine Karte eingetragen habe. Also noch einmal umkehren. Obwohl ich früh aufgebrochen bin und kaum Pause gemacht habe, ist es fast dunkel, als ich schließlich am Oasis Camp am Lake Elementaita ankomme.

Ich bekomme ein Hauszelt mit Bett und eigenen Bad, und einer Moskitoinvasion, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wirklich, nie. Das Zelt selbst ist eigentlich gut geschützt, aber das Bad ist nach außen offen, und nachdem zwei Minuten das Licht gebrannt hat, sind die Oberflächen schwarz von Moskitos. Ich dusche so, dass möglichst immer jedes Körperteil unter einen Wasserstrahl ist. Dann muss ich es durch eine Reißverschlusstür ins Hauptzelt schaffen, ohne verfolgt zu werden. Klappt natürlich nicht. Mehr Glück habe ich mit dem moskitonetz ums Bett herum. Aber das traue ich mich nicht mehr zu verlassen. Draußen sitzen, Lätzchen umgebunden, Besteck in der Hand, all die Moskitos, die es mit mir aus dem Bad geschafft haben.

Lake Elementaita

Maili Saba Camp – Mogotio

41,5 km, 110 Hm

Eine einigermaßen kurze und einfache Etappe – meistens geht es bergab und meistens ist der Weg zwar nicht gut, aber fahrbar. Bis auf da, wo eben kein Weg zu erkennen ist. Jedenfalls bin ich schon um 13 Uhr in einem neuen, viel zu heißen Hotelzimmer und tue den Rest des Nachmittags gar nichts mehr.

Ja, das ist der Weg.
Im Übrigen habe ich heute den Äquator überfahren.

Crayfish Camp, Naivasha – Camelboy Camp

47 km klingen nicht furchtbar viel und 700 Höhenmeter müssten ja eigentlich auch zu schaffen sein. Aber es ist ganz schön anstrengend!

Los geht es den See entlang mit sanftem auf und ab, anfangs auch noch mit Asphalt. Der endet leider früh (taucht aber immer wieder unerwartet auf), das macht das Fahren deutlich schwieriger.

Am Wegrand gibt es heute viele Warzenschweine, ein paar Giraffe und…dann hält ein Motorradfahrer neben mir und sagt, ich könne weiter fahren, solle aber vorsichtig sein, weiter vorn an der Straße sei ein Büffel. Ich fahre erstmal auf der falschen Steaßenseite weiter. Und dann sehe ich auch schon ein Rangerfahrzeug, bevor ich den Büffel sehe. Ich soll mein Rad stehen lassen und zum Auto kommen, sagen sie. Das sei ein gefährliches wildes Tier. Und dann ist der Spuk schon wieder vorbei und der Büffel verjagt. Trotzdem bin ich einigermaßen beeindruckt.

Mittags bekomme ich Tee in einem sehr schicken Golfresort, dann beginnt die Steigung im Ernst. Ich schiebe und schiebe. Zumeist auf extrem schlechter Oberfläche, öfter mal eingehüllt von Staubwolken, wenn LKW vorbeifahren.

Gegen vier endlich schaffe ich es zu einem sehr netten kleinen, privaten Campingplatz: Camelboy Overlander. Es wird noch renoviert, Anschluss an Wasser oder Strom gibt es nicht, aber ein Gast geht gerade, zumal ich ja ein Zelt dabei habe.

Hell’s gate und noch mehr Naivasha

40 km, einige Höhenmeter und viel Sand

Meine Freunde aus Nairobi sind fürs Wochenende nach Naivasha gekommen und gemeinsam fahren wir zum Hell’s Gate Nationalpark. Kein Problem, denke ich, der Park ist relativ klein, man darf mit Fahrrädern durchfahren, weil es keine gefährlichen Raubtiere gibt.

Und da sind sie auch schon wieder, jede Menge Zebras, Giraffen, so etwas wie Murmeltiere, große und kleinere Gazellen, Warzenschweine und ein paar Schmetterlinge. Die Tour stellt sich trotz der kleinen Fläche als ziemlich anstrengend heraus: es geht bergauf und bergab, der Weg ist an vielen Stellen sehr sandig. Zuerst einmal fahren wir zu einer Obsidian Höhle, die sich aber als etwas enttäuschend herausstellt, eine kleine aushöhlung unter den Felsen. Was es aber im großen Mengen gibt, ist tatsächlich Obsidian in allen Formen, riesige Steinbrocken und kleine, faustkeilartige Stücke. Tatsächlich kann man das Material relativ leicht zerschlagen und erhält sehr scharfe Kanten.

Beeindruckend sind die Schluchten zwischen großen Felsen, die wir später durchqueren.

Geothermiestation

Naivasha

Fahrrad: na so 20 km, Umzug zu einer ruhigeren Unterkunft ein bisschen näher an den Hell’s Gate Nationalpark

Meine letzte Unterkunft war eigentlich ganz nett, aber Kommentare auf Google schrieben von wahnsinnig lauter, Musik und ein Blick auf die Karte zeigt einen Nachtclub genau nebenan, der ab Freitagabend wieder offen sein sollte. Also nichts wie weg. Bei lauter Musik schlafen kann ich wirklich nicht gut. Also fahre ich ungefähr 15 Kilometer weiter zu einer Anlage mit dem Namen Crayfish Camp. Schöner ist sie ehrlich gesagt nicht, aber die Rezeptionistin ist sehr bemüht, mir ein Zimmer zurecht zu machen und ruhig ist es auch. Ich verzichte darauf, zu Zelten, was auch möglich wäre, ein Bett ist einfach bequemer.

Am Nachmittag fahre ich dann noch ein Stück weiter zu einer anderen Anlage. Von dort miete ich ein kleines Motorboot mit Fahrer, um zur Crescent Island zu fahren, eine Art kleines Naturschutzgebiet auf etwas, das einmal eine Halbinsel war. Der Wasserspiegel des Lake Naivasha, steigt aber seit 10 Jahren immer weiter an. Und so ist nun die Insel vom Festland getrennt. Wir fahren vielleicht eine dreiviertelstunde dem See entlang, überall ragen Häuser zur Hälfte aus dem Wasser, manchmal Telefonmasten oder gar Stromleitungen. Und riesige Mengen abgestorbener Bäume. Zusätzlich zur Bootsmiete  kostet auch die Insel eine Menge Eintritt, aber es lohnt sich durchaus. So viele Tiere auf so kleinen Raum habe ich noch nie gesehen, außer vielleicht im Zoo. Zebras, Gnus, Antilopen, Giraffen, Nilpferde, Fischadler, jede Menge Kormorane, ein Pelikan und sind von  nahem zu sehen.

Kilmende – Naivasha

mit dem Rad nur so 20 km, aber der Transport im Kleinbus funktioniert gut

Der Tag gestern steckt mir noch in den Knochen. Ich stelle ziemlich schnell fest, dass ich die die ersten Anstiege mit dem Rad kaum schaffe. Ein Stück fahre ich trotzdem, an einem Wald entlang immer bergauf, landschaftlich sehr schön, aber eben auch anstrengend. Nach kurzer Zeit beschließe ich deshalb, dass heute nicht mein Tag ist. Wo der Radweg die Hauptstraße kreuzt, stelle ich mich zu einigen Leuten, die auf ein Matatu warten. Relativ bald wird mein Rad wieder auf einen Dachgepäckträger geladen. Eine Weile später wird noch einmal umgeladen. Alle Passagiere steigen in einen anderen Kleinbus, mein Rad landet jetzt auf einem Dach ohne Gepäckträger und wird an den Streben zwischen Fenstern festgezurrt. Das geht offenbar auch. Relativ  bald bin ich in Naivasha, einer ziemlich quirligen Stadt mit großem Markt, die ich mit dem Rad, aber schnell wieder verlasse.

Ich mache mich auf die Suche nach einer Unterkunft und fahre etwas hinter Naivasha in Richtung See – und stehe vor einer Reihe kleiner Häuschen, die 10-20 cm unter Wasser stehen. Trotzdem wird gearbeitet, als sei das normal. Ein Zimmer möchte man mir trotzdem nicht vermieten und schickt mich stattdessen ein Stück zurück in Richtung straße. Dort bekomme ich meine Unterkunft.

Tatsächlich steigt seit Jahren der wasserspiegel des Lake Naivasha kontinuierlich an. Der See hat keinen Abfluss, der Wasserstand wird nur durch Verdunstung und die Zuflüsse bestimmt. Ganze Häuser stehen schon weit entfernt vom Ufer im See, auch Strommasten sind zu sehen, Touristenresorts, Fußballstadien. Woran es genau liegt, dass der Wasserspiegel steigt, ist nicht ganz klar. Vielleicht der Klimawandel, vielleicht einfach eine zufällige Schwankung. Der See reagiert so wie alle Seen im Rift Valley schon auf kleine Änderungen der Niederschläge ziemlich empfindlich.

Nairobi – Kilmende

65 km, 1200 Höhenmeter

Ich war nun schon fünf Tage in Nairobi und mache mich endlich auf den Weg zu meiner Radtour. Ein kleines bisschen mulmig ist mir schon nach all den Geschichten über Überfälle, die ich in wenigen Tagen gehört habe. Es scheint aber ein Nairobi-Problem zu sein, wenn man mal aus der Stadt raus ist, sieht es anders aus. Jedenfalls hoffe ich das, schließlich habe ich auf dem Rad keine andere Chance, als alle Wertsachen immer mit mir rumzutragen.

Mein erster Fahrradtag geht gleich mit 1200 Höhenmetern bergauf los. Und, was soll ich sagen, mir ist das zu viel. Ich hätte ja gern vor der Reise etwas trainiert, aber dazu war in den letzten Monaten überhaupt keine Zeit. Und so fängt die Radtour dann auch an. Ich schiebe selbst kleine Steigungen rauf, keuche schon nach wenigen Metern und frage mich, wie ich das schaffen soll.

Landschaftlich geht es viel durch Teeplantagen und etwas durch Wälder. Schön ist das schon und zumindest ein Teil der Strecke führt auf kleinem asphaltierten Straßen entlang.

Ich bin froh, als endlich Zeit für eine Mittagspause ist. Die mache ich in einem in eine schicken Anlage, offenbar Hotel, Konferenzzentrum und Schule in einem. Es gibt einen Schattenplatz und von einer längeren Speisekarte Wraps mit gebratenem Käse.

Kaum, fahre ich weiter, passiert  ein Malheur, von dem ich kurz denke, dass es den ganzen Urlaub kaputt macht: ich bleibe mit einer Fahrradtasche an einem Tor hängen und beide Haken der Tasche brechen glatt durch. So kann ich also nicht weiterfahren. Ich packe um: möglichst viel von meinen Sachen in die Lowrider-Tasche, in der zum Glück noch Platz ist, die große Tasche lässt sich dann festzurren. Ich kann weiter holpern.

Einfacher wird die Strecke allerdings nicht. Irgendwann stelle ich fest, dass es mir wohl nicht gelingen wird, bei Tageslicht bis etwa 18:30 mein Ziel zu erreichen.  Ich sehe noch zu, dass ich zur Hauptstraße komme und lege die letzten paar Kilometer dann mit einem Matatus (Kleinbus) zurück. Mein Fahrrad wird mal wieder relativ unkompliziert auf Dach geladen.

Teefelder um Limuru
Schafe auf dem Weg