Pamir-Highway 2024

Duschanbe

Das Fahrrad kommt nachts heil in Dushanbe an, zusammen mit dem Gepäck und inclusive ein paar Sachen, die ich für einen unbekannten Radler dabeihabe – das Hostel hat mich gefragt, ob ich helfen kann. Alles viel zu schwer für mich Aber zum Glück ist immer jemand da, der mein Gepäck hierhin und dorthin hebt.

Am ersten Tag sind eigentlich bloß ein paar praktische Erledigungen geplant: Fahrrad zusammenbauen, Geld besorgen, Sim-Karte kaufen. Alles davon ist schwieriger als erwartet: am Rad sind zwei kleine Schrauben verloren gegangen, die Bremse zickt, ein Typ, der helfen will, steht gekonnt im Weg. Es ist Samstag und ein Geldautomat nach dem anderen erweist sich als leer. Ich brauche eine e-Sim und die gibt es nur in ganz bestimmten Läden, außerdem führt der Wunsch bei der Verkäuferin fast zum Herzinfarkt und zu einer ganzen Reihe von Telefonaten. Und dann die Hitze…

Irgendwann am Nachmittag ist dann doch alles geschafft, ich tausche mich noch mit ein paar Leuten im Hostel aus, die eigentlich alle Monate bis Jahre unterwegs sind („ach du fährst nur den Pamir-Highway?“ „Ich habe mit 48 aufgehört zu arbeiten, jetzt bin ich unterwegs.“)

Es sind auch mehrere Leute, die am selben Tag losfahren wollen, wie ich. Ich entscheide mich trotzdem, mich nicht sofort bei jemandem anzuschließen, gerade an den ersten Tagen will ich super-früh los wegen der Hitze und fürchte auch, dass mich diese jungen Overlander überfordern.

Duschanbe – Dusti

62 km, 620 HM rauf, etwas mehr runter, 1 Tunnel

Wie geplant starte ich früh – gegen Viertel nach 5. (Hallo Jetlag, für mich ist es eigentlich vor zwei Uhr nachts, als ich aufstehe.) Trotzdem die richtige Entscheidung, es dauert noch ein paar Tage, bis ich in der Hitze ernsthaft bergauf fahren kann. Am Anfang ist die Temperatur tatsächlich angenehm, auch die Autobahn aus Duschanbe raus ist nicht ganz so voll. Mein Weg führt erst einmal eine Hauptstraße lang, dann bergauf, dann durch einen mehrere km langen Tunnel. Im Gegensatz zum Anzob-Tunnel letztes Jahr, ist der allerdings in Ordnung: die Ventilatoren machen  einen unglaublichen Lärm, ventilieren aber und Licht gibt es auch überall. Weitere Vorteil: im Tunnel geht es für mich bergab.

Kurz vor diesem Tunnel stelle ich noch fest, dass mein Licht nicht funktioniert. Glücklicherweise lässt sich das schnell beheben. Und ein williger Helfer kommt auch erst, als ich praktisch fertig bin. Er hat also keine Chance, im Weg zu stehen.

Hinter dem Tunnel geht es dann die ganzen vielen schönen Höhenmeter wieder herunter. Schade. Aber sowohl die Berge, als auch der örtliche Fluss – der Vahsh sind wirklich schön.

Kurz nach Mittag reicht es mir dann. Ich biege ab, opfere weitere Höhenmeter und miete mich in einem recht teuren  Ressort-Hotel am Fluss ein. Ist ja der erste Tag, da darf man das. Theoretisch gibt es hier eine ganze Menge Pools.  Frauen sieht man darin allerdings nicht, ausschließlich Jungs.

Dusti – Kuybulyon

73 km, 943 Hm bergauf, 1005 bergab, sagt Osmand

Nurek-Staudamm

Wieder fahre ich extrem früh los. Meine Bekannten aus Dushanbe hole ich trotzdem nicht ein,, auch andere Touristen treffe ich nicht. 

Die Steigungen fallen mir ganz schön schwer, es geht gleich morgens steil bergauf, dann kommt  irgendwann wieder durch ein langer Tunnel (2200 Meter, dieses Mal leider etwas bergauf). Hinterher gibt es eine fantastische Aussicht auf das Nurek Reservoir. 

Hier oben, Nähe an einem Aussichtspunkt, hat sich ein ganzer Markt angesiedelt, Stände mit Essen und Sitzpläzen über dem Reservoir, Stände, die zum Beispiel getrocknete Früchte verkaufen. Ich gehe einmal die ganze Reihe entlang. An allen Essensständen kocht in etwa die gleiche Suppe, die ich zunächst nicht zuordnen kann, die aber nicht sehr appetitlich aussieht. Trotzdem setze ich mich an einen Platz, bestelle Tee und bekomme gleich zwei Schalen mit unterschiedlichen Suppen hingestellt, ausserdem Brot und vergorene Milch, die in eine der Suppen soll. Ein Mann, anscheinend auch einen Gast, sagt mir, dass alles auf seine Rechnung geht. Er hat offenbar bestellt, bezahlt und verschwindet kurz danach. Die eine Suppe enthält Nudeln und ein bisschen Gemüse, die andere Suppe ist Kuttelsuppe und damit eines der wenigen Dinge, die ich absolut nicht essen kann. Schade. 

Es bleibt aber nicht das einzige mal heute, was ich kaufen möchte und nicht bezahlen darf. Es geht weiter mit frischgebackenem Brot in der nächsten Stadt. Ich bestelle zwei Fladenbrote und bekomme drei, Geld will die Verkäuferin auf keinen Fall. Wasser, in einem kleinen Laden  bezahlt ein zufällig neben mir stehender Mann für mich und verschwindet. Eine Honigmelone darf ich ebenfalls nicht bezahlen. Den Tee, den ich in einem Café trinke, bekomme ich auch kostenlos. Und ja, ich habe ganz sicher immer mehrmals nachgefragt. Und ja, ich hatte den Eindruck, dass das ernst gemeint war, immer. 

Abends möchte ich Zelten und folge den Empfehlungen einer meiner Apps. Der Platz ist wirklich schön, eine große flache Ebene, umgeben von Hügeln mit einem kleinen Bach. Ich sitze eine ganze Weile da, ohne dass sich auch nur von weitem jemand blicken lässt.

Die Nacht wird dennoch katastrophal: noch am Abend beginnt ein heftiges Gewitter, Sturm, Hagel, Weltuntergang. Die Zeltwände biegen sich gefährlich. Der erste Regen lässt nach, der zweite beginnt, lässt wieder nach, ich beginne, mich zu entspannen. Bis ich merke, dass das Zelt im fließenden Wasser steht. Ich muss weg. Irgendwie gelingt es mir mit nur einem Schuh am Fuß – der andere ist irgendwo im Wasser – erst ei paar Sachen, dann das Zelt mit fast allem Übrigen auf die einzige mögliche erhöhte Stelle – einen Fahrweg an einem Hügel – zu bringen. Ein paar Heringe fehlen am Ende, mit den übrigen befestige ich das Zelt so gut wie möglich. Dann verbringe ich mehrere Stunden damit, mich vor einem neuen Sturm zu fürchten – so mit fehlenden Heringen und so. Schlafen kann ich kaum. 

Kuybulyon – Kulob

65 km, 448 Hm aufwärts, ähnlich viel abwärts

Nach einer Nacht mit sehr wenig Schlaf bin ich nicht unbedingt fit. Die 35°c machen das nicht besser. Und so bin ich ausgesprochen froh, als ich gegen 14 Uhr in Kulob ankomme. Ich mache noch ein paar Besorgungen, der Manager meines Hotels bastelt mir Ersatzheringe  für die verlorenen. Außerdem wäscht er (ungefragt) am Abend mein gesamtes, komplett schlammiges Zelt.

Kulob – Shuroobod

Ganze 31 km, aber 1384 Höhenmeter, bergauf versteht sich.

Ich schiebe gute Teile dieser Strecke bergauf – mit meiner Fitness ist es nicht weit her. Zum Glück wird es wegen der zunehmenden Höhe zumindest nicht ganz so heiß.

Während bislang die Straße ziemlich stark befahren war, bekomme ich heute eine riesig breite Sahne-Asphalt Strasse mit sehr wenig Verkehr. Ich vermute, eine chinesische Firma hat gebaut, wie an ganz vielen Orten hier. Alles sieht extrem professionell und etwas überdimensioniert aus.

Google Maps schreibt“Tourist Attraction“

Shuroobod – Khostav

91 km, Osmand behauptet 2300 Hm aufwärts und 3185 abwärts, das ist aber Quatsch. Google contert mit 1119 und 2169 m. Dürfte näher an der Wahrheit sein.

Die Landschaft ist von Anfang an beeindruckend, rote Felswände, steile Haarnadelkurven (abwärts yippie!) Dann ist erstmals der Panj zu sehen, der Grenzfluss mit Afghanistan, an dem ich jetzt entlang fahren werde. Die Straße führt eine durch eine Schlucht, links und rechts ragen hohe Berge auf. Und, soweit hat Osmand Recht: immer auf und ab.

Regelmäßig patrouillieren Gruppen von Soldaten die Straße entlang, roter Stern auf der Mütze, Kalaschnikow (soweit ich beurteilen kann) über der Schulter. Als ich mich zur Frühstückspause unter einen Baum rechts von der Straße setze – also auf die Seite in Richtung Afghanistan, kommt eine Gruppe und erklärt mir, dass da Taliban sind, ob ich das denn weiß? Tue ich und verspreche, mich nur etwas auszuruhen. Bin nicht sicher, worin die Gefahr dieser Straßenseite besteht. Werde nächstes Mal versuchen, zu fragen.

Khostav – Kalai Khumb

50 km, 550 Hm

Nach wie vor fahre ich auf asphaltierter Straße durch beeindruckende Landschaft – und bin gegen Mittag in Kalai Khumb, einer netten Kleinstadt mit Supermarkt, Geldautomaten, Restaurants und vielen Pensionen. Hier trifft man tatsächlich auch zahlreiche Touristen – auch die Jeeps machen hier halt. Außerdem Radfahrer aus der anderen Richtung, Wanderer, Tramper.

Als ich mich am frühen Nachmittag in meinem Zimmer ausruhe (Guesthouse Roma, empfehlenswert!), klopft mein Wirt: eine (weitgehend) australische Gruppe, mit der ich schon zuvor in Kontakt war, ist angekommen und hat nach mir gefragt! Wir gehen essen, ich spaziere durch die Stadt und ruhe mich aus.

Kalai Khumb – Dashtag

80 schwierige Kilometer

Mit der australischen Gruppe mitzuhalten, ist hoffnungslos. Ich hole sie aber bei Pausen immer wieder ein.

Ich war vor der heutigen Strecke schon gewarnt worden: extrem staubig, wurde gesagt, außerdem Bauarbeiten, unvorhersehbare Sperrungen, Steinschlaggefahr. Ich habe schon über ein Taxi oder ähnliches für die Strecke bis Khorugh nachgedacht. Was mich letztlich davon abhält, ein Auto zu suchen, ist ein dänisches Paar, das den ganzen Tag versucht hat, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern (durchaus auch gegen relevante Geldsummen) und gescheitert ist. Also Fahrrad, Staub, zwei Stunden warten auf Bauarbeiten mehr Staub, wieder eine Sperrung. Immerhin, bei der ersten Sperrung haben wir einen sehr schönen Platz erwischt: Schatten, Wasser, und dann werden wir noch von einer tadschikische Familie eingeladen zu Tee, Hähnchen, hart gekochten Eiern.

Die letzten 13 km nach der zweiten Sperrung schaffe ich gerade so in der Dämmerung, meine zeitweilige Gruppe hat einen wirklich schönen Zeltplatz gefunden, ich stelle mein Zelt dazu. Schnell etwas essen, dann falle ich auf die Isomatte.

Dashtag – Rushon

26 km Fahrrad, 64 km LKW

Was für ein Tag! Wir haben ausgemacht, um 5:30 Uhr loszufahren. Vielleicht gibt es ja dann eine Chance, durch die Strassensperrungen besser durchzukommen. Etwas später wird es natürlich, aber wir sitzen vor 6 Uhr auf den Rädern. Und gegen 8:30 Uhr ist es dann tatsächlich vorbei. Durch die erste Absperrung diskutieren wir uns noch durch, aber kurz danach sehen wir, wie durch Sprengarbeiten riesige Steine den Berg herunterfallen. Nein, da müssen wir dann auch nicht durch. Wir legen Planen aus, machen Frühstück, kochen Tee. Leider haben wir bei weitem nicht genug Wasser dabei. Aber zum Glück kommen andere Touristen vorbei, mit jedem wird ein bisschen gequatscht. Dabei ist auch eine Gruppe aus Korea, die tatsächlich Wasser für die ganze Woche im Auto hat und uns eine ganze Packung mit sechs Litern abtritt. Soweit eigentlich alles ganz entspannt. Aber wir sitzen auf dieser Strasse glatte 4 Stunden fest. In der Zeit bewegt sich natürlich langsam die Sonne hinter dem Berg hervor, irgendwann ist unser Lager in der knallenden Hitze. Zum Glück überlässt mir ein Schweizer seinen Campingsitz im Autoschatten.

Dann geht es endlich weiter. Die Australier möchten sich jetzt beeilen, wir sind nicht sicher, ob es weitere Sperrungen gibt. Außerdem sagen sie, dass sie so weit wie möglich kommen wollen, um endlich weg von dieser Straße zu sein. Da komme ich dann nicht mit. Ich quäle mich noch eine Weile über die fürchterliche Straße durch die Hitze, dann reicht es. Als ein LKW kommt, halte ich vorsichtig die Hand raus. Der Wagen hält sofort an, mein Rad wir auf der Ladefläche festgezurrt, die Taschen landen darunter und es geht weiter. Fast genauso langsam wie auf dem Rad übrigens, auch der Laster muss durch die Schlaglöcher. Der Fahrer erzählt, dass er die Strecke regelmäßig fährt, über den Kulma-Pass nach China, Ware aufladen, zurück. Es scheint wirklich keine bessere Möglichkeit zu geben! Im übrigen erzählt er mir ein paar Mal zu oft, dass ich meinen Kindern doch sagen soll, sie mögen endlich Kinder bekommen! Mindestens 5!

Bezahlen soll ich für die Fahrt übrigens nicht, obwohl das in Tadshikistan eigentlich üblich ist. Stattdessen werde ich unterwegs zum Essen eingeladen.

Zwangspause – der Berg wird gesprengt..

Rushon – Khorugh

68 km inclusive des langen Wegs zum Hostel

Wie die Straße nach Khorugh ist?, frage ich morgens meinen Wirt. „Normalno“, antwortet der, also gut. Ich bin mittlerweile auf 2000 m Höhe angekommen und traue mich, „erst“ um 6 Uhr morgens zu frühstücken. Etwas angenehmer muss es in dieser Höhe ja sein.

Tatsächlich hat die Straße zwar schwierige Stellen, ist aber wirklich deutlich besser als an den letzten Tagen. Und die Temperatur ist morgens fast ein bisschen kühl. Das ändert sich dann im Laufe der Zeit doch wieder. Ansonsten: neben mir an der Grenze zu Afghanistan öffnet sich eine Ebene, in der sich der Panj nun in mehreren Armen schlängelt.

Als ich Nähe am Fluss sitze, kommen wieder ein paar Soldaten. Dieses Mal wollen sie mich aber nicht vertreiben, sondern sind nur neugierig. Wundern sich, was eine Frau in meinem Alter da macht. Wozu ich das brauche? Tja…

Am frühen Nachmittag bin ich in Khorugh, der letzten Stadt, bevor es schwierig wird mit einkaufen und unmöglich, an neues Geld zu kommen.  Ich gehe in „das“ angebliche Backpacker Hostel. Andere Radfahrer finde ich hier aber nicht. Obwohl doch alle sagen, dass sie dauernd welche sehen. Dafür treffe ich in der Stadt einige Touristen, finde nach einigem Suchen einen vernünftigen Supermarkt und decke mich auf dem Markt mit Trockenfrüchten und Nüssen ein.

Khorugh – Abch

78 km, laut Osmand 1183 Höhenmeter rauf und 883 wieder runter – es bleibt holprig

Trotz des ständigen Auf und Abs bewege ich mich insgesamt schneckenartig langsam nach oben, momentan bin ich auf 2440 m und hier ist es noch immer ganz schön heiß. Das bedeutet entweder kurze Strecken oder aber lange Mittagspausen und danach die Hoffnung, noch im Hellen irgendwo anzukommen. Heute letzteres. Mittags finde ich ein kleines Café/Laden mit Terrasse, wo ich mich stundenlang aufhalte. Nach einer Weile kommt ein Paar dazu, das die Tour auf einem Tandem macht. Meine Güte, sind die schnell!

Am Abend immerhin treffe ich sie wieder in einem kleinen Hotel neben einer heißen Quelle. Dort gehen wir dann auch noch gemeinsam hin. Eine Mitarbeiterin des Hotels kommt kurzerhand mit. Es handelt sich um eine Quelle, die in einem Gebäude durch ein ziemlich unscheinbares Wasserbecken fließt, in dem schon ungefähr 10 splitterfasernackte Frauen sitzen. Davor gibt es lediglich einen Umkleideraum mit ein paar Haken an der Wand. Die Chance, meine super-schmutzigen Füße (ich radle bislang in Sandalen) zuerst einmal abzuwaschen, habe ich nicht. Zum Glück fließt das Wasser einigermaßen schnell durch das Becken. Entgegen meine Befürchtung hat es auch eine angenehme Temperatur. Wenn man länger drin sitzt, wird es sogar ein bisschen kühl.

Abch – Qah-qaha-Festung

41 km, 366 Hm

Nach dem langen Tag gestern wird der heutige deutlich kürzer. Nicht dass die Rumpelstrecke nicht trotzdem anstrengend wäre. Trotzdem schaffe ich es, nach einer ausführlichen Frühstückspause gegen Mittag zu einer Unterkunft. Es ist das erste klassische Homestay auf meiner Reise. Es gibt einen Raum für Gäste, in dem Schlafmatten ausgelegt sind. Ein europäisches Bad ist gebaut, es funktioniert aber nicht, weil im Winter die Leitungen eingefroren sind. Stattdessen wird in einem riesigen Behälter Wasser heiss gemacht und mit einer Art Wasserhahn in einem kleinen Raum geduscht. Die Toilette ist hat eine Spülung. Das bedeutet, man hockt in einem kleinen Häuschen mit Afghanistan-Blick weit über einem kleinen Bach. Der Weg dorthin führt über Bretter, die auf alten Moskvich-Karossen liegen.

Afghanistan -Blick vom Klo
Dusche

Fast direkt neben meinem Homestay gibt es eine alte Festung. Sie steht eindrucksvoll auf einem hohen Felsen und soll aus dem vierten Jahrhundert stammen. Viele Details sind nicht zu erkennen, Informationen sind auch spärlich, aber es ist ein eindrucksvoller Ort.

Qah-qaha-Festung- Bibi Fatima Hot spring

58 km, 880 Hm

Unterwegs freue ich mich über jedes bisschen der Strecke, das nicht aus großsteinigem Schotter oder Waschbrettpiste besteht. Oder wo es Schatten gibt. Dazwischen knallt die Sonne ganz schön. Am Ende muss ich mein Rad noch weit den Berg rauf in Richtung der örtlichen Festung und der Bibi Fatima Quelle schieben – selbst das erste Homestay auf dem Weg ist weit oben. Dann muss ich mich erst einmal ausruhen, bevor ich mich auf den Weg zur heißen Quelle mache, die noch mehrere hundert Höhenmeter weiter oben liegt – der erste Ausflug in mehr als 3000 m Höhe. Zum Glück muss ich nicht ganz zu fuß gehen – unterwegs hält eine russische Reisegruppe an und nimmt mich mit.

Die Quelle ist dieses Mal zwar mit einem Gebäude umbaut, innen findet sich aber eine fast märchenhafte Felsengrotte, die den Ruf hat, die Fruchtbarkeit von Frauen zu erhöhen.

Das Wasser ist ziemlich heiß und als ich nach dem anstrengenden Tag herauskomme, bin ich plötzlich ganz schön geschafft. Zum Glück nimmt mich die Gruppe nach ein paar Fotos vor der Festung wieder mit hinunter zu meiner Unterkunft.

Bibi Fatima Hotsprings – Langar

43 km, 900 Hm bergauf

Die Waschbrettpiste hört nicht auf, zur Abwechslung gibt es an ein paar Stellen aber weichen Sand. Und ein kleines bisschen Asphalt.

Seit Tagen fragen mich Einheimische, wann ich denn wohl in Langar sei. Der Ort sieht auf der Karte nicht groß aus, hat aber mehrere Unterkünfte und ein Museum. Na, da sieht doch nach etwas Infrastruktur aus, denke ich mir und fahre ziemlich achtlos durch Wrang, einen Ort mit immerhin einem Lebensmittelgeschäft und einem Mobilfunkladen durch. Das bereue ich kurz danach. Ja, Langar ist flächenmäßig nicht klein. Aber es besteht aus weit voneinander entfernt stehenden Häusern, mein Anbieter jedenfalls hat keinerlei Internet, ein oder zwei Läden gibt es, sie haben aber absolut nichts was für mich interessant wäre. Unter anderem gibt es keinen Kühlschrank im Laden und damit auch nichts Frisches. Ein paar Nudeln und Süßkram kann man kaufen, die habe ich aber schon dabei. Strom gibt es den größten Teil des Tages nicht. Meine Wirtin sagt, das liegt daran, dass Strommasten ausgetauscht würden, aber es scheint alles in allem ein ziemlich gewohnter Zustand zu sein. Trotzdem geben sich die Gastgeber viel Mühe damit, westlichen Touristen ein paar Annehmlichkeiten zur Verfügung zu stellen: eine richtige Dusche und westliche Toilette, Stühle und einen Tisch, Betten statt Schlafmatten (an die kann man sich gewöhnen, aber sie sind schon sehr dünn).

Langar – Murgab (mit Auto!)

Fast 250 km mit Taxi und LKW

Locals sagen, bis hierher war die Straße gut, ab jetzt wird sie sehr steil und schlecht und vor allem: einsam. Auf den nächsten 100 km gibt es keine Siedlungen, so gut wie keine Autos, keine Mobilfunkverbindung, im zweiten Teil auch kein Trinkwasser. Für eine Solo – Tour ist mir das alles ein bisschen viel. Außerdem taucht in Langar Nico auf, den ich schon in Bibi Fatima kennengelernt habe. Auch er ist auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit bis Murgab. Also treffen wir uns morgens um halb sieben an meiner Unterkunft. Zwei Stunden später ist noch kein Auto in unsere Richtung gefahren und wir beschließen, mit einem der möglichen „Taxis“ (jedes Auto ist ein Taxi!) zu verhandeln. Für um die 100 Euro für uns beide geht es los. Was wir nicht wissen: das Auto steht kurz vor dem Zusammenbruch. Nach den ersten paar Kilometern der erste Stopp. Das Auto verliert Kühlwasser, was noch da ist, hat eine Temperatur weit oberhalb des Toleranzbereichs. Warten, abkühlen lassen, Wasser nachfüllen, weiter. Der Weg ist extrem holprig, erstaunlich, wenn irgend ein Fahrzeug das schafft. Dann das selbe Spiel, anhalten, warten, Kühlwasser einfüllen. Übrigens hat das Auto auch keinen funktionierenden Akku. Der Fahrer hält immer am Hang an und lässt den Wagen vorwärts oder rückwärts rollen, um ihn zu starten. Wir denken derweil darüber nach, ob wir darauf bestehen sollen, umzukehren. Mit Auto im Nirgendwo zu stranden, ist schließlich nicht besser als mit dem Fahrrad.

Am Ende haben wir jede Menge Fotos mit kaputtem Auto vor spektakulärer Landschaft und es tatsächlich bis zur Hauptstraße geschafft.

Dort dauert es zwar eine Weile, bis der erste LKW vorbeikommt, der nimmt uns aber sofort mit nach Murgab (dass ich dorthin mitfahre, ist Faulheit, über die spektakuläre, einsame Hochebene dorthin könnte ich auch wieder radeln. Aber hey, ich habe Urlaub!)

Murgab

Murgab ist ein größeres Dorf, das aus geduckten kleinen Häusern und dem berühmten Containermarkt besteht. Die Leninstatue am Dorfeingang habe ich nicht gesehen (war schon dunkel, als wir wohl daran vorbeifuhren), außerdem gibt es eine Art Platz mit so etwas wie einem Denkmal – wofür auch immer. Nichts, also gar nichts Attraktives auf den ersten Blick. Trotzdem bleibe ich drei ganze Nächte, um mich auszuruhen und an die Höhe zu gewöhnen, bevor es an den höchsten Pass der ganzen Reise geht, den Ak Baital.

Und siehe da, das Dorf wird sympatisch. Es ist ruhig hier, abgesehen von den Kindern, die einen auch hier überall mit einem lauten „hello!“ begrüßen, es gibt da mehrere durchaus nette kleine Restaurants, auf dem Containermarkt geht es ruhiger zu als man meinen sollte, dennoch finden sich eine Menge Dinge, wenn man sucht. Ich beispielsweise kaufe mir ein komplett albernes dunkelblaues Shirt mit aufgestickten Perlen, weil ich dringend ein dünnes, langärmliges Oberteil brauche, um in der Sonne nicht komplett zu verbrennen.

Tworog-Herstellung
Eiscafé