Sicherheit
scheint in erster Linie ein Großstadtproblem zu sein. Nairobi soll in den letzten Jahren deutlich sicherer geworden sein, aber noch immer gibt es offenbar ziemlich viele Raubüberfälle. Auch Menschenansammlungen (Streik, Demo, Straßensperre…) sind ernst zu nehmen, vor allem als brauchbare Kulisse für Diebstähle und Überfälle. Die Kenya Bike Odyssey umfährt Städte aber weitgehend und auf dem Land gibt es offenbar kaum Probleme.
Straßenqualität
Meistens: nein.
Es gibt sie, die gut asphaltierten, ruhigen Straßen durch wunderschöne Landschaften, aber sie sind schon eher die Ausnahme. Die offizielle Kenya Bike Odyssey führt auch dort, wo sie existieren, nicht immer darauf entlang. Viel öfter rumpelt man über extrem steinige Wege und das kann sehr anstrengend werden. Ist halt eher was für Mountainbiker.
OK, als ich losfuhr war ich dieses Mal absolut nicht fit, monatelanger Stress bei der Arbeit, kaum Sport, kurz zuvor krank gewesen, jung bin ich auch nicht mehr… aber auch andere warnen davor, die eher kurzen Tagesetappen zu unterschätzen. Das Rift Valley hat sehr viele Steigungen, und die kommen zur schlechten Straßenqualität dazu. Teilweise kann es auch ziemlich heiß werden, das hängt davon ab, auf welcher Höhe man sich gerade befindet. (aber es ist selten so heiß, wie man denkt, wenn man „Äquator“ hört)
Als ich mal einfach nach Navi (Komoot bzw. Osmand) gefahren bin, stieß ich schnell auf ein Problem, das wohl verbreitet ist: Kleine Straßen führen oft über Privatbesitz und da war dann mehrmals ein verschlossenes Tor vor der Straße. War in meinem Fall nicht schlimm, weil ich die Hauptstraße als Alternative hatte, aber dennoch: kleine Straßen, die auf den Navis auftauchen, sind nicht immer öffentlich.

Fahrräder in Kenia
Ja, gibt es relativ viele, wenn auch die riesigen Mengen an Motorrädern ihnen den Rang abgelaufen haben. Viel sieht man noch eine (britische?) Bauart aus den 1960ern. Die meisten Räder werden für kurze Strecken genutzt, in Nakuru gab es außerdem viele Fahrradtaxis (Ja, wirklich, man setzt sich auf den gut gepolsterten Sitz hinter den Fahrer, wie bei Motorradtaxis auch). Die Existenz bedeutet nicht, dass Räder als Verkehrsmittel ernst genommen werden, aber zumindest haben die meisten Autofahrer Erfahrung damit, wieviel Platz ein Rad braucht oder wo es überall auftauchen kann. Trotzdem möchte man auf vielen Hauptstraßen wirklich nicht fahren – wenn eine Straße keinen Seitenstreifen hat und der Verkehr dicht ist, wirkt es schon sehr gefährlich.
Dass Leute per Fahrrad reisen finden die meisten Kenianer vermutlich überraschend, aber die Kenya Bike Odyssey ist schon einigermaßen bekannt und man hat sich darauf eingestellt: erste Unterkünfte und Campingplätze richten sich gezielt auf Radfahrer ein, manche Hotels haben Sonderpreise für Radfahrer und viele bieten an, auf ihrem Gelände zu zelten.
Fahrrad in öffentlichen Verkehrsmitteln
Angesichts der Kombination aus meinem Fitnesslevel zu Beginn der Tour und der Straßenqualität habe ich in kurzer Zeit viel Erfahrung damit gesammelt, mein Rad in öffentlichen Verkehrsmitteln unterzubringen. Ergebnis: kein Problem. So gut wie überall gibt es Matatus, also Kleinbusse mit festgelegten Strecken. So jedes fünfte davon hat einen Dachgepäckträger und bindet ungefähr für den Preis eines Personentickets Fahrräder und bei Bedarf anderes Gepäck drauf. Von anderen Leuten habe ich gehört, dass man sich im Zweifel auch aus weiter entfernten Städten ein Uber kommen lassen kann. Habe ich nicht probiert, aber im Zweifel wird es einem praktisch immer gelingen, ein Auto aufzutreiben, dass einen relativ günstig von A nach B bringt. Ah, und nicht zu vergessen: Boda-Bodas (Motorradtaxis) können auch praktisch alles transportieren: andere Motorräder, große Mengen Holzkohle, große Sofas, vier Personen gleichzeitig…ich weiß nicht genau, wie Fahrrad, Fahrradgepäck, Fahrradfahrer und Motorradfahrer gleichzeitig auf ein Motorrad passen, habe aber keinen Zweifel, dass es geht.

Übernachtung
Vom wild campen wird zumeist abgeraten, zu viele Nilpferde, Büffel und Elefanten, die so ein Zelt auch mal übersehen können. Aber auf der Route gibt es ausreichend Unterkünfte und Campingplätze. Im Zweifel kann man sicher auch fragen, ob man neben einem Haus o.ä. zelten kann. Ein Zelt sollte man in jedem Fall dabeihaben, auf einigen wenigen Etappen gibt es keine Alternative.
Hotels können extrem unterschiedliche Preise haben, darauf sollte man bei der Planung immer einen Blick werfen. Es gibt relativ günstige Gästehäuser und dann Hotels, die mehrere 100 Euro pro Nacht und Person (!) kosten – wenn diese Touristen schonmal da sind, sind sie ja oft auch bereit zu zahlen. Anrufen hilft oft. während auf Booking.com oft Mondpreise stehen, war das, was mir am Telefon gesagt wurde, meistens schon viel günstiger.

Hotels
sind nicht immer Häuser, in denen man übernachten kann. Oft handelt es sich um kleine Läden, in denen man unterwegs etwas essen kann und in jedem Fall sehr heißen Tee mit vielviel stark gesüßter Milch bekommt. Wichtig ist das, weil Google maps diese Läden nicht immer von richtigen Hotels unterscheiden kann.
Nationalparks
haben oft Preise, die sich gewaschen haben. Sie unterteilen fast durchweg in drei Kategorien: Staatsbürger (günstig), Residents (völlig OK) und Ausländer (richtig teuer). In ganz wenigen Fällen habe ich es geschafft, neben meinen in Kenia lebenden Freunden als Resident durchzugehen, normalerweise wird das kontrolliert. Klar, die Parks lohnen sich trotzdem, aber einfach nur kurz durchfahren ist tendenziell zu teuer.

Mobiltelefon und Geld
Nach allgemeiner Auffassung hat Safaricom das beste Netz, wo ich unterwegs war, gab es praktisch immer Internet. Andere Anbieter können billiger sein (ist aber angesichts der günstigen Preise irrelevant), Esims sind erhältlich, aber nicht überall.
Der Geldverkehr funktioniert weitgehend elektronisch. Fast alles wird per Handy bezahlt, mit einem System namens MPesa. Es funktioniert zwischen kenianischen Handynummern und gehört zum ebenfalls zum Netzprovider Safaricom. Man richtet es in einem der unzähligen Läden ein und lädt Geld auf, dann bezahlt man jeweils, indem man Geld an eine anderes Mobiltelefon schickt.
Bargeld-Fans kommen auch zurecht, sollten aber darauf achten, immer auch kleine Scheine zu haben, Wechselgeld ist eher Glücksache. Mit Kreditkarte kann man m.E. vor allem Touristendinge (Hotel, Restaurant in Nairobi, Nationalparks) bezahlen.
Tiere
Hunde: sieht man öfter, sind durchweg maximal tiefenentspannt.
Affen: An manchen Stellen habe ich an der Straße soo viele davon gesehen, einmal zogen da mehrere 100 Paviane durch die Gegend. Die größeren unter ihnen sind ganz schön groß und wenn man sich die Zähne ansieht, möchte man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Allgemeiner Hinweis ist, ihnen nie etwas essbares zu zeigen. Ein anderer Radfahrer wollte eine Banane essen und war bevor er begriff, was passierte nicht nur die Banane, sondern auch seine Müslidose los. Ich kam auf einem Platz mit kleinen Äffchen mit einem Müsliriegel aus meinem Zelt und sie guckten sofort im Vorzelt nach, ob da nicht noch mehr ist. Also: Affen sind Diebe, und zwar geschickte. Sie interessieren sich wohl nur für Essen, können sich im Eifer des Gefechts aber schonmal irren und ein Handy mitnehmen.

Nilpferde: gelten als ziemlich gefährlich und können den Campingplätzen im Rift Valley sehr nahe kommen, nachdem der Wasserstand der Seen seit Jahren steigt. Das scheint keinen weiter zu beunruhigen. Tagsüber dösen die Hippos im flachen Wasser und lassen sich nicht stören, wenn sie abends aus dem Wasser kommen, muss man vorsichtig sein.
Büffel: Herden gelten als nicht so schlimm, aber einzelne männliche Tiere sind Incels: von ihrer Herde verstoßen, auf der Suche nach einer neuen und immer aggro. Als mal einer am Straßenrand (außerhalb eines Reservats) war, war die allgemeine Aufregung ziemlich groß.

Elefanten: angesichts der deutlich gekürzent Radtour kam ich nicht in Elefantenland, aber die allgemeine Meinung klingt wie bei Büffeln.
Schlangen: viele habe ich nicht gesehen. Die Python und die vielen Baby-Pythons, die mir in einem Park gezeigt wurden, waren aber recht beeindruckend.

Löwen: fallen allen Leuten als erstes ein, wenn ich von einer Radtour in Kenia erzähle. Dass man mit ihnen Probleme bekommt, ist aber wohl sehr unwahrscheinlich.